Apropos

Gefährdungen anzeigen mit der Überlastanzeige

Was tun, wenn ich merke, dass ich meine Aufgaben nicht mehr schaffe?

Das Mittel der Wahl ist die Gefährdungs/Überlastanzeige. Sie dient meinem und dem Schutz des Arbeitgebers.

Bin ich zum Beispiel aufgrund von ständigem Personalmangel und dadurch Mehrarbeit bei der Arbeit überlastet, kann dies zu Schäden, Fehlern oder Mängeln für den Betrieb und mich führen. Denn trotz größter Sogfalt kann ich meine Arbeit nicht mehr ordnungsgemäß erfüllen.

Als Arbeitnehmer*in habe ich dann die Pflicht meinen Arbeitgeber davon in Kenntnis zu setzten, dass eine Gefährdung droht. Der Arbeitgeber muss dann Abhilfe schaffen.

Eine Gefährdungsanzeige kann von mir oder von meinem Team gemeinsam gestellt werden.

Sie sollte möglichst schriftlich an den Arbeitgeber und in Kopie an die Interessenvertretung übergeben werden.

Sie enthält neben Namen, Datum, betroffenen Bereich und Unterschrift

  • eine konkrete Situationsbeschreibung
  • die dadurch eingetretenen Mängel
  • die persönlichen Auswirkungen
  • den Hinweis, dass ich meine Arbeitskraft weiter zur Verfügung stelle, jedoch ohne für organisatorische Mängel meines Arbeitgebers und deren Folgen die Verantwortung zu übernehmen.

Durch meine Überlastungsanzeige kann ich zivilrechtliche Schadensersatzansprüche und arbeitsrechtliche Konsequenzen bis hin zur Kündigung vermeiden, wenn der Hinweis sich auf zukünftige Gefahren bezogen hat. Die Anzeige befreit nicht vor einer möglichen strafrechtlichen Haftung.

Videokonferenzen sind nicht immer das beste Mittel für gute Kommunikation

Videokonferenzen werden von vielen Arbeitnehmer*innen als sehr anstrengend wahrgenommen. Eine repräsentative Studie der Uni Konstanz zum „Arbeiten im Homeoffice währende der Corona Pandemie“ hat ergeben, dass fast die Hälfte der Befragten Videokonferenzen als sehr anstrengend wahrnehmen. Gleichzeitig werden sie auch nur von jedem vierten Befragten als „am produktivsten“ bezeichnet.

„Zoom-Müdigkeit“

Dieses Phänomen, das auch schon als „Zoom-Müdigkeit“ beschrieben wurde, hat verschiedene Gründe:

  • Zum einen sieht man sich bei Videokonferenzen häufig selbst im Bild und will sich dadurch gut präsentieren. Das eigene Spiegelbild ständig zu kontrollieren ist aber auf Dauer sehr anstrengend.
  • Zum anderen kommunizieren wir auch non-verbal. Wir versuchen auch in Videokonferenzen unser Gegenüber anhand seiner Körpersprache und Mimik zu verstehen. Dies ist bei den kleinen Bildern und der Bildqualität aber nur schwer möglich. Versuche, unsere Gesprächspartner trotzdem zu verstehen, machen virtuelle Gespräche zusätzlich anstrengend.

Eine Möglichkeit, den Stress bei Videokonferenzen für sich zu reduzieren, ist daher die „Selbstansicht“ im Video auszustellen, so dass man sich nicht ständig selbst sieht.

Telefon und E-Mail „am produktivsten“

Ansonsten sollte auch aus dem Homeoffice heraus ruhig weiterhin öfter zum Telefonhörer gegriffen werden. Die Konstanzer Studie hat nämlich auch ergeben, dass die klassischen Medien wie E-Mail und Telefon „am produktivsten“ von den Befragten wahrgenommen werden.

Ein guter Mix macht gute Kommunikation

Videokonferenzen sind ein gutes und wichtiges Kommunikationsmittel, um den Kontakt zu Kolleg*innen und Mitarbeiter*innen auch im Homeoffice zu halten.

Sie sollten aber nur dann eingesetzt werden, wenn sie notwendig sind für z.B. Diskussionen, Brainstorming-Prozesse oder auch Mitarbeitergespräche, in denen es um Reflexion und Wertschätzung geht.

Für sehr zielorientierte Kommunikation wie das konkrete Besprechen von Arbeitsaufgaben oder weniger komplexen Themen ist der Griff zum Telefon oder das Formulieren einer E-Mail effektiver und für alle Beteiligten weniger ermüdend.

Wussten Sie schon, dass Sie den Datenschutz bei der Datenverarbeitung im Gremium sicherstellen müssen?

Natürlich wissen Sie das. Aber haben Sie in der Alltagspraxis die Anforderungen des Datenschutz auch wirklich gut umgesetzt? Könnten Sie die Anfrage eines Beschäftigten, welche Daten die Interessenvertretung eigentlich über ihn hat, beantworten? Haben Sie dafür gesorgt, dass die Daten von Beschäftigten bei Ihnen sicher sind? Könnten Sie dem Datenschutzbeauftragten eine Übersicht 
zur Verfügung stellen, aus der hervorgeht, welche personenbezogenen Daten zu welchen Zwecken Sie verarbeiten?

Der Gesetzgeber jedenfalls hat diese Anforderungen für den Bereich der Betriebsverfassung neu geregelt. Mit dem in das Betriebsverfassungsgesetz eingefügten § 79a wird der Datenschutz im Gremium ausdrücklich angesprochen und die bisher geltende Rechtslage präzisiert. 

So ist der Betriebsrat jetzt ausdrücklich verpflichtet, bei der Verarbeitung personenbezogener Daten die Vorschriften über den Datenschutz einzuhalten. Um den damit verbundenen Aufwand kommt die Interessenvertretung endgültig nicht mehr herum. Klargestellt ist damit aber auch, dass die Unabhängigkeit der Betriebsratsarbeit gegenüber dem Arbeitgeber und seinem Datenschutzbeauftragten gewahrt bleibt und diese keinen mit Datenschutzvorschriften begründeten Einblick in vertrauliche Vorgänge nehmen können. Dennoch bleibt es dabei, dass der im Sinne der Datenschutzgrundverordnung formal Verantwortliche nach wie vor der Arbeitgeber ist. Der Betriebsrat muss also keinen eigenen Datenschutzbeauftragten bestellen und ist auch nicht gegenüber der Aufsichtsbehörde rechenschaftspflichtig. Damit der Betriebsrat materiell den Datenschutz sicherstellen und der Arbeitgeber seinen formalen Verantwortlichkeiten nachkommen kann, müssen sich die beiden Parteien - auch das regelt der neue § 79a - bei ihren jeweiligen datenschutzrechtlichen Pflichten wechselseitig unterstützen. Wie diese Zusammenarbeit genau aussieht, ob der Betriebsrat zum Beispiel die Beratung durch den betrieblichen Datenschutzbeauftragten in Anspruch nimmt, wird in der Praxis auszuhandeln sein.

(Anmerkung: der Gesetzesentwurf zum Betriebsrätemodernisierungsgesetz wurde Ende März verabschiedet, ist aber noch nicht verkündet - Stand 04.05.21)
 

Wissenswertes aus unserer Betriebsrätebefragung

  • Bei der vergangenen Bremer Betriebsrätebefragung sahen 67 Prozent der befragten Betriebsräte eine Verschlechterung hinsichtlich der Arbeitsverdichtung und –belastung der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer.
  • Nur 18 Prozent der Betriebsräte gingen davon aus, dass sich die Situation für Leiharbeitnehmer durch die Reform des Arbeitnehmerüberlassungsgesetzes verbessert hat.
  • Weniger als ein Drittel der befragten Betriebsräte werden rechtzeitig über den Einsatz von Werkverträgen im Betrieb informiert.
  • Dreiviertel der befragten Betriebsräte haben sich in 2019 am häufigsten mit den Themen Arbeitszeit, Mehrarbeit und Überstunden befasst.
  • Das seit 2017 geltende Entgelttransparenzgesetz wurde nur in 11 Prozent der teilnehmenden Betriebe umgesetzt.

Haben Sie schon einen Wirtschaftsausschuss?

Wenn in Ihrem Unternehmen über 100 Mitarbeiter arbeiten, ist ein Wirtschaftsausschuss zu bilden (§ 106 Abs. 1 BetrVG).

Der große Vorteil eines Wirtschaftsausschusses besteht darin, dass sich der Unternehmer mit dem Wirtschaftsausschuss regelmäßig über wirtschaftliche Themen auszutauschen hat.  Fragen der Unternehmenspolitik sollen frühzeitig vorbesprochen und abgeklärt werden. Über konkrete Planungen hat er den Wirtschaftsausschuss vor dem Betriebsrat zu informieren. Hierzu hat er dem Wirtschaftsausschuss auch Einblick in die wirtschaftlichen Unterlagen des Unternehmens zu gewähren. Die erhaltenen Informationen hat der Wirtschaftsausschuss an den Betriebsrat weiter zu leiten.

Mithilfe eines Wirtschaftsausschusses können für die Betriebsratsarbeit wichtige Informationen frühzeitig beschafft werden.

Hier haben wir noch mehr Informationen zum Thema Wirtschaftsausschuss zusammengestellt.

 

Homeoffice Top-Thema in unseren Beratungen

Mit der Ad-hoc-Einführung von Homeoffice zu Beginn der Corona-Pandemie haben sich viele  Interessenvertretungen mit ihren Fragen an uns gewandt: Angefangen beim Recht auf Homeoffice über die gesunde Arbeitsgestaltung und Entgrenzung der Arbeit bis zur technischen Umsetzung. Häufig wurden vom Arbeitgeber für das Arbeiten von Zuhause auch Videokonferenzsysteme und Cloudlösungen angeordnet, für die noch keine Betriebs- bzw. Dienstvereinbarungen bestanden. Unser Ziel war es daher, den Interessenvertretungen die technischen Grundlagen der jeweiligen Software zu erklären, um dann gemeinsam geeignete Betriebsvereinbarungen im Interesse der Beschäftigten zu entwerfen.

Aktuell arbeiten viele Gremien an Betriebs- und Dienstvereinbarungen fürs Homeoffice. Auch nach Corona soll in den Betrieben oft im Homeoffice weiter gearbeitet werden.

Hier haben wir übrigens häufig gestellte arbeitsrechtliche Fragen beantwortet. Und hier finden Sie unsere Hinweise zum Arbeitsschutz im Homeoffice.

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