Wohnen in Bremen

Wie in vielen Städten und Metropolregionen in Deutschland ist bezahlbarer Wohnraum auch in Bremen inzwischen Mangelware. Nicht nur Wohnungssuchende wie etwa Studierende, Alleinerziehende, alleinlebende Niedrigverdiener finden nur schwer bezahlbare Wohnungen, sondern auch Arbeitnehmer mit geringen und mittleren Einkünften.

In der Stadt Bremen ist die Zahl der Privathaushalte seit 2010 um 8.500 gestiegen. Dahinter steckt der Trend zum Alleinwohnen: immer mehr Singles bewegen sich auf dem städtischen Wohnungsmarkt und fragen kleine Wohnungen nach. Gleichzeitig hat die starke Auslandszuwanderung der letzten Jahre den Wohnungsmarkt zusätzlich unter Druck gesetzt. Leistbare Wohnungen geeigneter Größe sind auf dem Markt immer weniger vorhanden. Angebot und Nachfrage passen in bestimmten Segmenten des Wohnungsmarktes nicht mehr zusammen. Faktoren wie ein seit mehreren Jahren aufgeheizter Immobilienmarkt einerseits und die rapide sinkende Zahl von Wohnungen in Sozialbindung andererseits sorgen für einen immer angespannteren Markt für Mieter. Bereits 2013 hat sich die Arbeitnehmerkammer Bremen ausführlich mit den Ursachen und Wirkungen dieser Entwicklung beschäftigt. Die Erkenntnisse hat sie im Sozialbericht "Wohnen in Bremen" veröffentlicht und auch in den Folgejahren das Thema wiederholt betrachtet.

So zeigt sich etwa, dass seit Jahren die Angebotsmieten – also die Mieten für Wieder-, Erst- oder Neuvermietung für Wohnungen mit mittlerer Ausstattung und Größe in den guten Lagen stark von den mittleren Bestandsmieten abweichen.

Für Haushalte mit unterdurchschnittlichem Einkommen ist es daher zunehmend schwierig, sich selbst mit Wohnraum zu versorgen. Und das nicht nur in Findorff, Schwachhausen oder der Östlichen Vorstadt, sondern zunehmend auch in Walle, der Neustadt oder Hastedt. Die zunehmende Polarisierung der Einkommen in Bremen spiegelt sich so in besonderer Weise räumlich wider. Mit der ungleichen Verteilung der Vermögen führen die verschiedenen Mechanismen des Wohnungsmarktes dazu, dass sich in bestimmten Stadtgebieten einzelne Bevölkerungsgruppen räumlich konzentrieren. Daraus lassen sich Wohnstandortmuster erkennen.

In der Stadtgemeinde Bremen verschärft sich die Situation vor allem dadurch, dass sich die Mietpreise in den vergangenen Jahren von der allgemeinen Preis- und Lohnentwicklung abgekoppelt haben. So stiegen nach einer aktuellen Mietmarkterhebung der empirica AG im Auftrag der Arbeitnehmerkammer für Bremen und Bremerhaven die Angebotsmieten in der Stadt Bremen von 2004 bis Juni 2018 um insgesamt 43,2 Prozent. Dies hat zur Folge, dass viele Arbeitnehmerhaushalte mit niedrigem und mittlerem Einkommen zunehmend kaum finanzielle Spielräume haben, um sich Wohnwünsche zu erfüllen.

Anders sieht die Situation auf dem Bremerhavener Mietwohnungsmarkt aus: der Preis der inserierten Mietwohnungen in der Seestadt lag 2018 bei 5,34 Euro je Quadratmeter und ist damit deutlich niedriger als in der Stadt Bremen (8,45 Euro je Quadratmeter). Dennoch ist, bedingt durch das niedrigere Einkommensniveau, der durchschnittliche Anteil des verfügbaren Haushaltseinkommens für die Bruttokaltmiete ähnlich hoch wie in Bremen. Das führt auf dem Wohnungsmarkt zu einem Mieter-Vermieter-Dilemma. Die Mehrzahl der Haushalte ist nicht in der Lage, eine höhere Miete aufzubringen, ohne dass sie selbst finanziell überfordert werden. Andererseits konnten viele Vermieter ihre Aufwendungen in den Wohnungsbestand nicht angemessen refinanzieren. Notwendige Modernisierungen unterblieben oftmals. Dennoch konnten in der Seestadt in den letzten Jahren einige Impulse gesetzt werden, um die langjährige Abwärtsspirale bestimmter Quartiere umzudrehen, etwa indem durch die Stadt, zusammen mit den kommunalen Wohnungsgemeinschaften Stäwog und Gewoba sowie einiger privater Akteure Problemimmobilien im Goethequartier in den Fokus genommen und modernisiert wurden.

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Dr. Dominik Santner
Referent für Wirtschafts- und Infrastrukturpolitik

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