Wohnen in Bremen

Wie in vielen Städten und Metropolregionen in Deutschland ist bezahlbarer Wohnraum auch in Bremen inzwischen Mangelware. Nicht nur Wohnungssuchende wie etwa Studierende, Alleinerziehende, alleinlebende Niedrigverdiener finden nur schwer bezahlbare Wohnungen, sondern auch Arbeitnehmer mit geringen und mittleren Einkünften.

In Bremen ist die Zahl der Privathaushalte in den letzten Jahren um rund elf Prozent gestiegen. Dahinter steckt der Trend zum Alleinwohnen: immer mehr Singles bewegen sich auf dem städtischen Wohnungsmarkt und fragen kleine Wohnungen nach. Diese sind aber auf dem Markt nicht ausreichend vorhanden. Angebot und Nachfrage passen in bestimmten Segmenten des Wohnungsmarktes nicht mehr zusammen. Faktoren wie ein seit mehreren Jahren aufgeheizter Immobilienmarkt einerseits und die rapide sinkende Zahl von Wohnungen in Sozialbindung andererseits sorgen für einen immer angespannteren Markt für Mieter. Bereits 2013 hat sich die Arbeitnehmerkammer Bremen ausführlich mit den Ursachen und Wirkungen dieser Entwicklung beschäftigt und die Erkenntnisse im Sozialbericht "Wohnen in Bremen" veröffentlicht.

So zeigte sich etwa, dass die Angebotsmieten – also die Mieten für Wieder-, Erst oder Neuvermietung –für Wohnungen mit mittlerer Ausstattung und Größe in den guten Lagen stark von den Vergleichsmieten abwichen.

Für Haushalte mit unterdurchschnittlichem Einkommen ist es schwierig, sich selbst in den einfachen und mittleren Wohnlagen mit Wohnraum zu versorgen. Die zunehmende Polarisierung der Einkommen in Bremen spiegelt sich so in besonderer Weise räumlich wider. Mit der ungleichen Verteilung der Vermögen führen die verschiedenen Mechanismen des Wohnungsmarktes dazu, dass sich in bestimmten Stadtgebieten einzelne Bevölkerungsgruppen räumlich konzentrieren. Daraus lassen sich Wohnstandortmuster erkennen.

In der Stadtgemeinde Bremen verschärft sich die Situation vor allem dadurch, dass sich die Mietpreise in den vergangenen Jahren von der allgemeinen Preis- und Lohnentwicklung abgekoppelt haben. So stiegen nach einer aktuellen Mietmarkterhebung der empirica AG im Auftrag der Arbeitnehmerkammer für Bremen und Bremerhaven die Angebotsmieten in der Stadt Bremen von 2004 bis Mai 2015 um insgesamt 23,5 Prozent. Noch dramatischer fällt der Sprung der Mietpreise von inserierten Neubauwohnungen in der Stadt Bremen aus. Seit 2009 sind sie um durchschnittlich 5,4 Prozent pro Jahr angestiegen und liegen somit 38 Prozent über dem Niveau aus dem Jahr 2004. Gleichzeitig hatten viele Arbeitnehmerhaushalte mit niedrigem und mittlerem Einkommen kaum finanzielle Spielräume, um sich Wohnwünsche zu erfüllen.  

Anders sieht die Situation auf dem Bremerhavener Mietwohnungsmarkt aus: der Preis der inserierten Mietwohnungen in der Seestadt liegt aktuell bei 4,85 Euro je m² und ist damit deutlich niedriger als in der Stadt Bremen (7,23 Euro je m²). Dennoch ist der Anteil des verfügbaren Haushaltseinkommens für die Bruttokaltmiete ähnlich hoch wie in Bremen. Das führt auf dem Wohnungsmarkt zu einem Mieter-Vermieter-Dilemma. Die Mehrzahl der Haushalte ist nicht in der Lage, eine höhere Miete aufzubringen, ohne dass sie selbst finanziell überfordert werden. Weil andererseits Vermieter ihre Aufwendungen in den Wohnungsbestand nicht angemessen refinanzieren können, unterbleiben notwendige Modernisierungen oftmals. Die Folge ist eine sich selbstverstärkende Entwicklung aus zunehmend unattraktivem Wohnraum, mangelnder Investitionsbereitschaft, hohen Fluktuationsraten mit entsprechenden Leerständen.

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