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Alleinerziehende im Land Bremen

Alleinerziehende Mütter und auch Väter sind längst eine übliche Familienform. Das gilt besonders für die ostdeutschen Bundesländer und die Stadtstaaten: auch in Bremen ist jede vierte Familie eine Ein-Eltern-Familie.

Im Land Bremen lebten Ende 2021 rund 19.000 Alleinerziehende mit Kindern unter 18 Jahren. Das sind rund 24 Prozent aller Familien in Bremen und Bremerhaven. Nur in Hamburg mit 25 Prozent und Berlin mit fast 27 Prozent gibt es anteilig mehr Alleinerziehende. In Deutschland insgesamt gelten lediglich 17 Prozent der Familien als alleinerziehend. Diese statistischen Zahlen der offiziellen Berichterstattung berücksichtigen nicht jene Familien, die ein sogenanntes Wechselmodell leben. 

Erwerbstätigkeit

Angesichts der besonderen Herausforderungen für die vielen alleinerziehenden Mütter und die Minderheit an Vätern (15 Prozent), sind immerhin Zweidrittel von ihnen erwerbstätig. Ihre Quote von 63 Prozent Erwerbstätigen liegt höher als die der Mütter in Paarfamilien. Das gilt im Land Bremen für rund 12.000 Alleinerziehende, von denen rund die Hälfte in Teilzeit beschäftigt ist. Bei einem Vergleich mit anderen Bundesländern, zeigt sich jedoch folgendes: in Deutschland insgesamt sind im Schnitt bei 76 Prozent der Alleinerziehenden erwerbstätig, in Hamburg sind es 73 und in Berlin 70 Prozent. Alleinerziehende haben es in Bremen demnach besonders schwer auf dem Arbeitsmarkt Fuß zu fassen. Politischer Handlungsbedarf ist deshalb mehr als nötig. Denn Befragungen von Alleinerziehenden zeigen, dass sie besonders engagiert sind, ihr Leben auch finanziell unabhängig, und als ein Vorbild für ihre Kinder, zu führen.
Ende des Jahres 2022 waren im Land Bremen 3.880 Alleinerziehende arbeitslos gemeldet. Von ihnen waren lediglich 217 bei der Agentur für Arbeit registriert (SGB III), die große Mehrheit von insgesamt 3.663 Alleinerziehende bei den Job Centern Bremen und Bremerhaven (SGB II/Bürgergeld).

Hilfebedürftigkeit

Trotzdem rund Zweidrittel der Alleinerziehenden im Land Bremen erwerbstätig sind, sind 9.978 gemeinsam mit ihren Kindern auf Leistungen aus der Grundsicherung angewiesen. Sie leben mit insgesamt fast 17.000 Kindern in sogenannten Bedarfsgemeinschaft. In Familien also, die Leistungen aus der Grundsicherung beziehen. In ihnen leben, die Kinder mitgezählt, rund 27.000 Menschen. Anders ausgedrückt heißt das, während ein Drittel der Alleinerziehenden im Land Bremen finanziell eigenständig sind, sind knapp Zweidrittel der Haushalte auf finanzielle Unterstützung angewiesen. Die meisten von ihnen auf ergänzende Hilfen zu ihrem nicht ausreichenden Einkommen aus Arbeit. 

Warum sind die Daten so viel schlechter als anderswo?

Erwerbstätigkeit, Arbeitslosigkeit, Hilfebedürftigkeit – im Bundesland Bremen sind die Zahlen durchweg schlechter als in anderen Bundesländern. Warum das so ist, hängt von mehreren Faktoren ab. Die Statistik gibt drei Hinweise auf mögliche Ursachen.
Der Zugang zum Arbeitsmarkt ist für Frauen im Land Bremen schwieriger als Anderswo. In keinem anderen Bundesland sind anteilig so wenig Frauen erwerbstätig. Nirgendwo ist ihr Anteil an den sozialversicherten Beschäftigten so niedrig und ihre Gehaltslücke (Gender Pay Gab) gegenüber den Männern so groß. Zwar stieg auch in Bremen, wie im Bundestrend, die Erwerbsbeteiligung von Frauen über viele Jahre stetig an - seit 20217 stagniert der Wert jedoch bei rund 68 Prozent. Das ist mit Abstand der niedrigste Wert im Vergleich der Bundesländer. So sind aktuell rund ein Drittel der Bremer Frauen im erwerbsfähigen Alter überhaupt nicht in den Arbeitsmarkt integriert. 
Diese Gesamtsituation spitzt sich weiter zu, wenn Frauen in eine Familienphase gehen. Dann sind es vor allem die Mütter, die den Umfang ihrer Erwerbstätigkeit anpassen und beruflich kürzertreten. 

Wiederum ist ein stetiger Anstieg auch der Erwerbsbeteiligung von Müttern in den letzten Jahren zu erkennen. Dazu hat vor allem der Rechtsanspruch auf einen Betreuungsplatz für Kinder ab dem ersten Lebensjahr im Jahr 2013 beigetragen. Seitdem stieg in allen Bundesländern die Erwerbstätigkeit der Mütter mit Kindern unter drei Jahren. Auch in Bremen. Dennoch liegen Niedersachsen und besonders Bremen hinter vergleichbaren Bundesländern wie dem Saarland, Berlin oder Hamburg deutlich zurück. 
Gravierend ist jedoch der noch größere Abstand Bremens bei der Erwerbstätigkeit der Mütter mit Kindern im Kita-Alter (3-6 Jahre). Schon 2013 lag ihre Erwerbstätigkeit mit 50 Prozent deutlich hinter den anderen Bundesländern zurück. Dort erfolgte dann ein deutlicher Anstieg von teilweise bis zu 10 Prozentpunkten. Im Land Bremen hingegen gab es bis 2020 keinerlei weiteren Anstieg. 
Die Verfügbarkeit von Betreuungsmöglichkeiten ist für Familien eine der wichtigsten Voraussetzungen für Aufnahme von Arbeit. Besonders für alleinerziehende Mütter spielt dabei auch die Dauer der Betreuungszeit oder flexible Regelungen eine wichtige Rolle. Aber auch hier schneidet Bremen nicht gut ab: Gerade mal 38 Prozent der Kinder zwischen drei und sechs Jahren hatten 2022 einen ganztägigen Betreuungsplatz. Und auch die Öffnungsdauer der Kindertagesbetreuung, und damit entsprechende Früh- oder Spätdienste, sind im Land Bremen deutlich kürzer als in den anderen Bundesländern. (vgl. KammerKompakt Vereinbarkeit 2023). 
Last but not least sieht die Arbeitnehmerkammer einen enormen Handlungsbedarf bei den Berufsabschlüssen der Alleinerziehenden. Im Jahr 2022 hatten von den alleinerziehenden Arbeitslosen 76 Prozent keinen Berufsabschluss. Auch dies ist der höchste Wert unter aller Bundesländern. Damit sind sie von den meisten heute angebotenen Stellen und Ausbildungen nahezu ausgeschlossen. Finden sie dennoch einen Job, dann vor allem im Niedriglohnsektor mit dementsprechend nicht existenzsichernder Entlohnung. Das gilt besonders, wenn sie nicht allein sich selbst, sondern auch ein Kind oder mehrere Kinder versorgen müssen. 
Deshalb fordert die Arbeitnehmerkammer Bremen schon seit längerem eine Qualifizierungsoffensive mit dem Ziel, möglichst vielen Alleinerziehenden einen Berufsabschluss zu ermöglichen.

Weiblich, arbeitslos und alleinerziehend

Was ist eigentlich eine BCA? Vor welchen Hürden stehen Frauen in der Grundsicherung bei der Suche nach Erwerbsarbeit? Was tut das Jobcenter, um sie zu unterstützen und wo gibt es noch Nachholbedarf? In dieser Folge sprechen wir mit Nina von Rittern, Geschäftsführerin des Jobcenters Bremerhaven, und Tanja Hesse-Bloch, Beauftragte für Chancengleichheit am Arbeitsmarkt, über eine Gruppe von Frauen, die besonders vielen Barrieren auf dem Arbeitsmarkt gegenübersteht – diejenigen, die zur Existenzsicherung auf Leistungen des Jobcenters angewiesen sind.

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Thomas Schwarzer
Referent für kommunale Sozialpolitik

Am Wall 195
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Tel.: 0421/36301-976
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Projekt Paula+ AKB003_IconInfo

Die Arbeitnehmerkammer unterstützt das Projekt Paula+, das einen umfangreichen Informationsaustausch zwischen alleinerziehenden Müttern in Bremen fördern möchte. Paula+ bietet soziale Beratung, Begegnungsmöglichkeiten, Ausbildung und Jobvermittlung an. Im Mehrgenerationenhaus Matthias-Claudius in der Neustadt finden regelmäßig Mütter-Treffen statt.