Koordinaten der Arbeit im Land Bremen

Befragung von Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern 2017

Mit der Beschäftigtenbefragung "Koordinaten der Arbeit im Land Bremen" hat die Arbeitnehmerkammer Neuland betreten. Erstmals sind Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer in Bremen und Bremerhaven zu ihrem Arbeitplatz und ihrer Arbeitssituation direkt befragt worden.

Das besondere ist außerdem: Die Ergebnisse sind repräsentativ, stehen also stellvertretend für alle Beschäftigten im Land Bremen. Deshalb lassen sich auch Zusammenhänge zwischen Arbeitsbedingungen und Belastungen, der Zufriedenheit und den Sorgen von Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern herstellen und daraus wichtige Handlungsbedarfe im Interesse unserer Mitglieder aufzeigen.

Wer wurde befragt

Mit der Befragungswelle 2017 - der ersten ihrer Art – haben wir das infas Institut für angewandte Sozialwissenschaft GmbH beauftragt. Befragt wurden ausschließlich Beschäftigte im Alter von 16 bis 65 Jahren in einem Arbeitsverhältnis oder Ausbildungsverhältnis, das mindestens fünf Arbeitsstunden pro Woche umfasst. Die Interviewpartnerinnen und -partner wurden unter strengen Datenschutzauflagen und nach den Gesichtspunkten der Repräsentativität aus der Beschäftigtendatei der Bundesagentur für Arbeit ausgewählt.

Themen der Befragung

Zu den Themen der Befragung zählen unter anderem die Rahmenbedingungen der Arbeit, Belastungsfaktoren und die Arbeitszufriedenheit, Weiterbildungsmöglichkeiten und berufliche Entwicklung. Ein besonderer Schwerpunkt der Befragung waren Perspektiven auf die Rente und die Übergangsgestaltung in den Ruhestand.

Die Ziehung der Stichprobe erfolgte aus der Beschäftigtendatei der Bundesagentur für Arbeit. Die Studienergebnisse sind repräsentativ für die gesamte Arbeitnehmerschaft mit Arbeits- oder Ausbildungsverhältnis im Land Bremen und ermöglichen daher Rückschlüsse auf politische Handlungsbedarfe.

Struktur der Arbeitnehmerschaft

Gut die Hälfte der im Land Bremen Beschäftigten sind Berufspendler, davon mit 58 Prozent mehrheitlich Männer. Insgesamt über zwei Fünftel wohnen außerhalb des Landes Bremen, knapp die Hälfte im Stadtgebiet Bremen und ein Zehntel im Stadtgebiet Bremerhaven. Der Arbeitsplatz der bremischen Beschäftigten liegt hingegen zu 80 Prozent in der Stadt Bremen und zu 20 Prozent in Bremerhaven.

54 Prozent der Beschäftigten im Land Bremen sind männlich, 47 Prozent weiblich. Das Durchschnittsalter liegt bei 42 Jahren. 55 Prozent der Befragten besitzen einen betrieblichen oder schulischen Berufsabschluss und 28 Prozent einen Hochschulabschluss (inklusive Fachhochschulen). Der Anteil, der gar keinen beruflichen Abschluss besitzt, beträgt 14 Prozent. Mit 28 Prozent weist insgesamt ein knappes Drittel der Befragten einen Migrationshintergrund auf.

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Betriebliche Strukturen

Die Beschäftigtenstruktur im Land Bremen wird von kleinen und mittleren Unternehmen (KMU) mit Betriebsstätten zwischen 50 und 249 Beschäftigten sowie von mittleren und großen Unternehmen ab 250 Beschäftigten geprägt, die zusammen zwei Drittel aller Beschäftigten abdecken.

Über 20 Prozent der Beschäftigten arbeiten in Kleinbetrieben mit bis zu 19 Beschäftigten, der Rest in Betrieben zwischen 20 und 49 Beschäftigten. Mit insgesamt knapp 17 Prozent bildet noch stets das verarbeitende Gewerbe den Wirtschaftszweig mit dem größten Anteil an sozialversicherungspflichtiger Beschäftigung.

Größere Beschäftigtenanteile entfallen zudem auf Gesundheits- und Sozialwesen (circa 15 Prozent), Verkehrs- und Logistikbranche (zwölf Prozent) sowie auf wissenschaftliche und technische Dienstleistungen sowie sonstige wirtschaftliche Dienstleistungen zu je etwa zehn Prozent.

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Tätigkeitsmerkmale und Arbeitsverhältnis

Insgesamt sind 94,5 Prozent aller Befragten als Angestellte beschäftigt, 5,5 Prozent befinden sich in einer Ausbildung. 11,5 Prozent der Befragten und aus allen Altersgruppen üben neben ihrer Haupttätigkeit auch noch Nebentätigkeiten aus. Im Land Bremen wird der Arbeitsmarkt von fachlich ausgerichteten Tätigkeitsprofilen bestimmt. Eine ausbildungsadäquate Beschäftigung üben knapp 42 Prozent der Beschäftigten aus, 23 Prozent meinen sogar, beruflich mehr erreicht zu haben als mit ihrer Ausbildung zu erwarten war. Im Gegensatz dazu zeigen sich 29 Prozent der Befragten überzeugt, gemessen am persönlichen Ausbildungsniveau unterwertig beschäftigt zu sein.

Die Anteile der Geschlechter an den Berufsgruppen zeigen sich deutschlandtypisch stark geschlechtsspezifisch strukturiert. Produktions- und Bauberufe sowie Transport/Logistikberufe sind klar männlich dominiert, das Spektrum der meisten Dienstleistungsberufe (Sozial-, Gesundheits-, Büro- und Handelsberufe) wird hingegen von weiblichen Arbeitskräften bestimmt.

In Lebensmittel- und Gastgewerbe-Berufen (52 Prozent) sowie in Reinigungsberufen (47 Prozent) sind die relativen Anteile der Beschäftigten mit Migrationshintergrund im Land Bremen am größten. Auch in Verkehrs- und Lagerberufen, Fertigungs- und Bauberufen beträgt ihr Anteil jeweils noch (über) ein Drittel der Beschäftigten in dem jeweiligen Berufssegment. In den sozialen, unternehmensbezogenen und technischen Dienstleistungsberufen sind Beschäftigte mit Migrationshintergrund unterrepräsentiert.

Vertraglich arbeiten im Land Bremen gut zwei Drittel der Beschäftigten in Vollzeit und etwa ein Drittel in Teilzeit. Nur zehn Prozent der Männer, aber 53 Prozent der Frauen sind mit Teilzeitverträgen beschäftigt. Unter Alleinerziehenden ist in Übereinstimmung zu bundesweiten Mustern der Vollzeitanteil deutlich höher als bei Müttern mit Kindern in Paarfamilien.



83 Prozent aller Arbeitsverträge im Land Bremen sind als unbefristete Beschäftigungen angelegt, 17 Prozent sind befristet. Befristungen sind mit 58 Prozent besonders stark in der jüngsten Altersgruppe zwischen 15 bis 24 Jahren verbreitet. Knapp 31 Prozent der Befragten mit einem befristeten Arbeitsvertrag fühlen sich dadurch stark belastet, 47 Prozent hingegen gar nicht.

Insgesamt 5,6 Prozent der Beschäftigten im Land Bremen sind Leiharbeitsbeschäftigte. Leiharbeitsbeschäftigte haben viel häufiger befristete Arbeitsverträge als andere Beschäftigte (38 versus 16 Prozent). Leiharbeitende sind auch häufig in Nachtarbeit (13 Prozent) und Schichtdienst (11 Prozent) anzutreffen. Zusammengenommen entfallen 82 Prozent der Beschäftigten in einem Leiharbeitsverhältnis auf Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer mit betrieblicher Berufsausbildung (43 Prozent) und ohne Ausbildung (39 Prozent).

Etwa ein Drittel der Leiharbeitskräfte fühlt sich insgesamt durch die Beschäftigungsform der Arbeitnehmerüberlassung hoch belastet. Branchenschwerpunkte des Leiharbeitseinsatzes liegen in den Wirtschaftszweigen Verkehr und Lagerei, sonstige wirtschaftliche Dienstleistungen und dem verarbeitenden Gewerbe.

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Vertragliche, faktische und gewünschte Arbeitszeit

Bei mehr als der Hälfte aller Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer fallen vertragliche und tatsächliche Arbeitszeit auseinander. So wird insgesamt im Durchschnitt etwa drei Stunden länger gearbeitet als vertraglich vorgesehen. Die tatsächliche Arbeitszeit liegt im Gesamtdurchschnitt bei 36 Stunden, bei Vollzeitkräften bei knapp 42 Stunden und bei Teilzeitkräften bei knapp 24 Stunden. Bei knapp sechs Prozent der Befragten schwankt die Arbeitszeit insgesamt stark oder ist nicht vertraglich geregelt.

Verkehr/Logistik, der Krankenhaussektor und das Hotel- und Gastgewerbe bilden die Branchen, in denen am häufigsten regelmäßig Mehrarbeit in einem Umfang von über sechs Stunden auftritt. Die Branchen öffentliche Verwaltung, Erziehung und Unterricht und die Bauwirtschaft sind hingegen in der Kategorie bis zu drei Stunden Mehrarbeit wöchentlich besonders stark vertreten.


Die bremischen Beschäftigten wurden auch gefragt, welche Arbeitsdauern sie sich wünschten, wenn sie diese – unter Berücksichtigung sich verändernder Verdienste – selber wählen könnten. Gut die Hälfte zeigt sich mit ihrer vertraglich vereinbarten Arbeitszeit zufrieden. 18 Prozent der Befragten würden ihre bezahlten Arbeitsstunden gerne aufstocken und rund zwölf Prozent würden lieber weniger bezahlte Stunden arbeiten. Der Wunsch, die Stundenanzahl zu reduzieren, ist bei Vollzeitkräften stärker, bei Teilzeitbeschäftigten geringer ausgeprägt.

Bei dem Wunsch, die bezahlte Stundenanzahl zu erhöhen, verhält es sich umgekehrt. Frauen wünschen mehrheitlich ein Arbeitsvolumen im Rahmen der „langen Teilzeit“ (durchschnittlich 29,5 Stunden), Männer hingegen ein Volumen an der unteren Ebene der „normgeprägten Arbeitszeit“ (durchschnittlich 35,5 Stunden).

Nach Berufsgruppen betrachtet, sind Wünsche nach mehr bezahlten Stunden bei Reinigungskräften, Lebensmittel- und Gastgewerbeberufen sowie Handelsberufen überdurchschnittlich weit verbreitet, dabei wünscht ein großer Anteil eine Arbeitszeitausdehnung über fünf Stunden hinaus.

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Lage der Arbeitszeit

Ein Viertel aller Befragten schafft es nach ihren Angaben selten oder (fast) nie, die Arbeitszeitplanung mit familiären und privaten Interessen hinreichend koordinieren zu können. Von diesen Befragten bedeutet dies für 46 Prozent eine hohe oder sehr hohe Belastung. Schicht- und Wochenendarbeit betrifft knapp ein Drittel der Befragten, Nachtarbeit 18 Prozent der Männer und neun Prozent der Frauen.

 Im Vergleich zu Beschäftigten mit Gleitzeit oder Vertrauensarbeitszeit gelingt es den Befragten mit Schichtarbeit, Wochenend- und Nachtarbeit viel seltener oder (fast) nie, Privates und Familiäres mit der Arbeitszeitplanung unter einen Hut zu bekommen.

Für die Vereinbarkeit von Arbeit und Familie bzw. Arbeit und Privatleben stellen ungünstige Arbeitszeitlagen wie Schichtarbeit, Nacht- und Wochenendarbeit also spürbare Hindernisse und Belastungsmomente dar.

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Arbeitsbedingungen und Arbeitsplatzkontext

Bei der Hälfte der Beschäftigten im Land Bremen beinhaltet die Arbeit auch körperliche Arbeitstätigkeiten, mehr als ein Drittel erachtet dies als hoch belastend, vor allem in den Bauberufen, Verkehrs-/Logistikberufen, Gesundheitsberufen sowie den fertigungstechnischen Berufen.



Ein gutes Drittel der Befragten stellt fest, dass sie ihre Arbeit häufig in emotional belastende Situationen bringt. Spezifische Belastungen oder Anforderungen erwachsen überdies aus Menge und Art des Arbeitsanfalls und der Intensität der Tätigkeit. So fühlen sich zwei Drittel der Beschäftigten genötigt, häufig sehr schnell zu arbeiten.

Bei einer knappen Hälfte der Befragten staut sich Arbeit an aufgrund unregelmäßigen Arbeitsanfalls. Über ein Drittel hat das Gefühl, oft nicht genug Zeit für alle Arbeitsaufgaben zu haben. Ebenfalls ein knappes Drittel fühlt sich der Notwendigkeit zu häufigen Überstunden ausgesetzt.

Die Hälfte aller Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer berichtet insgesamt von gestiegenem Stress und Arbeitsdruck im Zeitraum der letzten drei Jahre. Über zwei Fünftel davon erleben diese Stresszunahme als Belastung.

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Gestaltungsmöglichkeiten und Betriebskultur

Eigene Gestaltungs- und Handlungsspielräume bei der Arbeit tragen in hohem Maße zur nachhaltigen Arbeitsfähigkeit bei. Drei Viertel der bremischen Arbeitnehmerschaft geben an, in hohem Maße über Entscheidungsfreiräume bei der Aufgabenerledigung zu verfügen und zwei Drittel der Befragten sind von einem Abwechslungsreichtum ihrer Arbeitstätigkeit überzeugt. Auf die Menge der übertragenen Arbeit kann hingegen nur ein Drittel hohen Einfluss nehmen.



Solche Handlungsspielräume genießen bei den Beschäftigten insgesamt einen sehr hohen Stellenwert. Auch den Befragten, denen diese qualitativen Merkmale am Arbeitsplatz bisher fehlen, wäre es wichtig, diese Gestaltungsressourcen zu erhalten. So wären für 63 Prozent der Befragten mit wenig Gestaltungsfreiräumen am Arbeitsplatz solche Spielräume wichtig. Und 59 Prozent der Arbeitskräfte ohne abwechslungsreiche Tätigkeit wäre es wichtig, mehr Abwechslungsreichtum am Arbeitsplatz verwirklicht zu sehen. Außerdem würden sich 58 Prozent der Beschäftigten, die auf die übertragene Arbeitsmenge keinen oder kaum Einfluss haben, sich wünschen, diesbezüglich mitgestalten zu dürfen.

Auch das Verhalten von Vorgesetzten ist von großer Bedeutung für die Arbeitszufriedenheit von Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern. 55 Prozent der Befragten geben an, dass ihr unmittelbarer Vorgesetzter für gute Entwicklungsmöglichkeiten der einzelnen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sorge. Auch bewerten 56 Prozent die Konfliktlösungskompetenz ihrer Vorgesetzten positiv.

Außerdem meinen über zwei Drittel, dass ihr Vorgesetzter häufig Hilfe und Unterstützung leiste. Nur die Hälfte der Beschäftigten berichtet von einer häufigen Rückmeldung der/des Vorgesetzten zur Qualität ihrer geleisteten Arbeit.

Bei Auszubildenden, die nach ihrem Status im Betrieb eine gute Leitung, Förderung und Unterstützung im Betrieb brauchen, ist dagegen jeweils ein Drittel mit der Förderung der Entwicklungsmöglichkeiten und der Konfliktlösungskompetenz der/des Vorgesetzten wenig zufrieden, außerdem sehen sich 17 Prozent der Auszubildenden selten oder (fast) nie von der oder dem Vorgesetzten unterstützt.

Mit Blick auf den kollegialen Zusammenhalt fällt das Urteil der Beschäftigten mit Abstand besser aus als in Hinblick auf die Vorgesetztenkultur. So erfahren 84 Prozent insgesamt häufige Hilfe durch die Kolleginnen und Kollegen. Fast 93 Prozent berichten von einer durchgehend oder häufig guten Arbeitsatmosphäre sowie 90 Prozent von einer durchgehend oder häufig guten Zusammenarbeit mit den Arbeitskolleginnen und -kollegen.

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Identifikation und Anerkennung

85 Prozent der Beschäftigten im Land Bremen identifizieren sich in hohem Maße mit der eigenen Arbeit. Überdies sind drei Viertel der bremischen Arbeitnehmerschaft auch in hohem Maße davon überzeugt, mit ihrer Arbeit einen gesellschaftlich relevanten Beitrag zu leisten.

Allerdings gibt es eine gewisse Lücke zwischen der gesellschaftlichen Relevanz, die die Beschäftigten ihrer Arbeit zumessen, und der gesellschaftlichen Anerkennung des eigenen Berufs. Einzelne Gruppen sind weniger von der Anerkennung überzeugt. Insbesondere Beschäftigte der Gesundheitsberufe und der sozialen und kulturellen Dienstleistungsberufe beurteilen die gesellschaftliche Anerkennung ihres Berufs sogar zurückhaltend.

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Verdienst

Mit dem Arbeitsverdienst sind insgesamt 69 Prozent der Befragten zufrieden, dabei sind die jüngeren Alterskohorten deutlich weniger zufrieden als die älteren Jahrgänge. Nach Branchen betrachtet, findet sich wenig Zufriedenheit mit dem Gehalt im Baugewerbe (54 Prozent), dem Hotel- und Gastgewerbe (50 Prozent) und den Beschäftigten im Sozialwesen (45 Prozent).

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Gesundheit

Der allgemeine Gesundheitszustand wird von den Beschäftigten mehrheitlich (63 Prozent) als gut beziehungsweise sehr gut wahrgenommen, 13 Prozent betrachten ihren Gesundheitszustand als weniger gut oder schlecht. Dabei machen sich besonders das Alter, aber auch die soziale und berufliche Lage bei der Bewertung des Gesundheitszustands bemerkbar.

Die Beschäftigten wurden auch gefragt, inwieweit die persönliche Arbeitstätigkeit ihre Gesundheit beeinflusst. Ein Fünftel der Befragten konstatiert insgesamt einen positiven Einfluss der Arbeit auf die Gesundheit. Zwei Fünftel machen einen negativen Einfluss der Arbeit auf die eigene Gesundheit aus.
Beschäftigte in Berufen mit stark körperlichen oder manuellen Arbeitsanteilen (Fertigungsberufe, Bauberufe, Verkehrs- und Logistikberufe) zeigen sich überdurchschnittlich stark von den negativen Wirkungen der Arbeit auf die Gesundheit überzeugt.



Grund zur Sorge eröffnen die Befunde zum sogenannten „Präsentismus“, also dem Phänomen, trotz eines Krankheitszustandes zur Arbeit zu gehen. Im Durchschnitt aller Angaben sind Beschäftigte aus dem Land Bremen in den letzten zwölf Monaten elf Tage bei der Arbeit anwesend gewesen, obwohl sie sich eigentlich krank fühlten.

Ein Viertel aller Befragten ist im Krankheitsfall nie zur Arbeit gegangen, ein weiteres Viertel ist dagegen trotz Krankheitssymptomen elf Tage und länger bei der Arbeit erschienen. 29 Prozent waren im Umfang von einem bis fünf Tagen und 16 Prozent zwischen sechs und zehn Tagen trotz Krankheit bei der Arbeit anwesend.

Auch die subjektiv eingeschätzte Arbeits- und Leistungsfähigkeit stellt einen Gesundheitsindikator dar. Immerhin ein Drittel aller Beschäftigten im Land Bremen glaubt nicht, ihre derzeitige Tätigkeit bis zum regulären Rentenalter ausüben zu können.

Von diesen Personen sind zwei Drittel von der Notwendigkeit überzeugt, dass Anpassungen des Arbeitsplatzes oder der Arbeitsaufgaben notwendig wären, wenn Gesundheit und Leistungsfähigkeit bis zur Rente erhalten bleiben sollen. Von dieser Personengruppe geben allerdings nur 28 Prozent an, dass ihr Betrieb auch entsprechende Maßnahmen zur Unterstützung trifft.

Insofern liegt im Land Bremen noch ein großes, unterausgeschöpftes Potenzial für Maßnahmen der präventiven betrieblichen Gesundheitsförderung vor.

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Perspektiven der beruflichen Entwicklung

Sorgen um die Sicherheit des eigenen Arbeitsplatzes treiben neun Prozent der unbefristet Beschäftigten um, aber 24 Prozent der befristet Beschäftigten. Solche Befürchtungen steigen besonders nach Lebensalter bei Befristeten kontinuierlich an. Bei den unbefristet Beschäftigten überwiegt insgesamt das Gefühl der Arbeitsplatzsicherheit. Ausnahme sind Beschäftigte ohne Berufsabschluss, von denen sich ein knappes Fünftel Sorgen macht, in nächster Zeit entlassen zu werden. In Hinblick auf die möglichen Probleme, nach einem Arbeitsplatzverlust eine neue Stelle zu finden, erwarten 51 Prozent kaum Schwierigkeiten, sich im Arbeitsmarkt zu behaupten und eine neue Stelle zu finden; über 47 Prozent gingen hingegen von Schwierigkeiten aus.

Deutliche gespreizte Unterschiede gibt es nach Lebensalter. Drei Viertel der Älteren hielte es für sehr schwierig, nochmals eine neue Stelle zu finden. Dass von den jungen Erwerbskohorten immerhin noch knapp 30 Prozent ebenfalls mit Schwierigkeiten rechnen, ist ein Hinweis auf die Enge des Arbeitsmarkts im Land Bremen.

Um die Mobilität am Arbeitsmarkt oder auch die Aufstiegsmöglichkeiten im Betrieb zu verbessern, kommt der beruflichen Weiterbildung eine Schlüsselrolle zu. Eine knappe Hälfte aller Befragten gibt an, im eigenen Betrieb grundsätzlich Weiterbildungsmöglichkeiten vorzufinden, für Frauen und Beschäftigte mit Migrationshintergrund liegen die Weiterbildungsmöglichkeiten um etwa 6 Prozentpunkte hinter den Männern zurück. Je höher das Einkommen oder das erreichte Ausbildungsniveau, desto besser werden auch die Weiterbildungsoptionen bewertet.

Die Einschätzungen zu den Möglichkeiten decken sich mit den tatsächlich absolvierten Weiterbildungen. Knapp 44 Prozent der Beschäftigten in der niedrigsten Nettoeinkommensklasse (bis unter 1.000 Euro) haben in den vergangenen zwei Jahren an einer Weiterbildung teilgenommen, aber über drei Viertel der Beschäftigten, die zwischen 3.000 und 5.000 Euro verdienen.

Beschäftigte ohne beruflichen Abschluss haben mit 38 Prozent mit Abstand die niedrigsten Weiterbildungsquoten, auch Beschäftigte mit einer betrieblichen Berufsausbildung profitieren weniger von absolvierten Weiterbildungen als Beschäftigte mit höheren Abschlüssen. Die durchschnittliche Dauer der persönlich wichtigsten Weiterbildung in den letzten 24 Monaten beträgt zehneinhalb Tage, bei Männern einen Tag länger, bei Frauen einen Tag kürzer.

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Digitaler Wandel in der Bremer Arbeitswelt

Die Erhebung stellte sich auch der Frage, inwieweit in der bremischen Arbeitslandschaft digitale Technik zum Einsatz kommt und sich ein Trend zu einer (fortschreitenden) Digitalisierung abzeichnet. Zunächst zeigt sich, dass sich der Einsatz von digitaler Technik am Arbeitsplatz im Land Bremen bislang noch sowohl quantitativ als auch qualitativ auf eher konventionellen Bahnen bewegt.

Konventionelle Digitaltechnik für Büroarbeitsplätze (PC und mobile Varianten; internetgestützte Kommunikationsmedien; Anwendungssoftware) als auch digitale Lesegeräte sind insgesamt sehr weit verbreitet. Die Verbreitung von spezielleren Digitaltechnologien (Steuerungseinrichtungen und -instrumente, digitale Diagnosegeräte, digitale Fertigungsanlagen und -geräte, innovative Visualisierungstechnologien) erfolgt wesentlicher begrenzter. Dennoch ist für das Land Bremen ein qualitativer Trend zur Digitalisierung klar erkennbar.


Mehr als ein Drittel aller Befragten gibt an, dass der Einsatz von Digitaltechnik in den letzten drei Jahren bei ihnen in hohem Maße zu starken Veränderungen beim Aufgabenzuschnitt oder der Arbeitsorganisation geführt habe. Besonders ausgeprägt fallen solche Veränderungen in der IuK-Branche und im verarbeitenden Gewerbe aus. Eine Entlastung der Arbeit durch technologische Neuerungen wird immerhin von 59 Prozent der Befragten geltend gemacht.

Ein knappes Drittel der Befragten empfindet die technologischen Neuerungen dagegen eher als Belastung. Außerdem ist ein möglicher technologisch bedingter Wegfall des Arbeitsplatzes für ein knappes Zehntel der bremischen Arbeitnehmerschaft Anlass zur Sorge.

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Rente und Übergangsgestaltung zum Ruhestand

Die Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer wurden auch zur Rente und zu den Perspektiven auf den Altersübergang gefragt. Mehr als zwei Drittel würde gerne vor dem regulären Renteneintrittsalter in Ruhestand gehen. Besonders Beschäftigte in der niedrigsten Einkommensgruppe (bis 1.000 Euro) geben allerdings an, über das reguläre Eintrittsalter hinaus arbeiten zu wollen.

Wahrscheinlich gehen die Befragten dieser Einkommensgruppe davon aus, dass sich ihre Erwerbstätigkeit aus finanziellen Gründen über das gesetzliche Renteneintrittsalter hinaus erstrecken müsste. Diese Annahme wird durch die Antworten zur Frage bestätigt, inwieweit ein Ausscheiden vor dem gesetzlichen Renteneintrittsalter finanziell möglich wäre.

Über 70 Prozent der zwei unteren Einkommensklassen verneinen diese Frage, mit steigendem Einkommen wird dies häufiger für möglich gehalten. Vor allem Beschäftigte in Reinigungsberufen, sozialen und kulturellen Dienstleistungsberufen halten ein vorzeitiges Ausscheiden aus dem Erwerbsleben finanziell für nicht möglich.

Nur 36 Prozent der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer insgesamt berichten, dass ihr Arbeitgeber eine betriebliche Altersversorgung anbietet. Allerdings bestätigen 76 Prozent aus Unternehmen mit betrieblicher Mitbestimmung sowie 71 Prozent aus tarifgebundenen Unternehmen Angebote betrieblicher Altersversorgung. 70 Prozent der Beschäftigten, denen Angebote betrieblicher Altersversorgung zur Verfügung stehen, machen davon auch Gebrauch und erwerben entsprechende Ansprüche. Beschäftigte mit Migrationshintergrund erwerben nur zu 60 Prozent betriebliche Versorgungsansprüche. Befragt nach dem erwarteten Lebensstandard im Alter, ergibt sich ein gemischtes Bild.

Zwar erwarten zwei Fünftel insgesamt und unter Berücksichtigung aller verfügbaren Einkünfte den bisherigen Lebensstandard halten zu können. Aber nur eine Minderheit von 14 Prozent glaubt, dass die gesetzliche Rente ausreichend sein wird, um davon gut leben zu können. Außerdem erwartet ein knappes Drittel aller Befragten für sich, dass eine finanzielle Unterstützung durch Angehörige oder staatliche Hilfeleistungen unvermeidlich sein dürfte, um Armut zu vermeiden. Frauen sind dabei für alle drei Aspekte pessimistischer als Männer, in Übereinstimmung zu den allgemein geringeren Verdiensten und Rentenansprüchen von Frauen in der Lebensverlaufsperspektive.

Die Beschäftigten im Land Bremen wurden auch dazu befragt, was ihrer Auffassung nach die Hauptaufgabe der gesetzlichen Rentenversicherung darstellt. Der größte Anteil der Antworten entfällt mit 44 Prozent auf die Sicherung des Lebensstandards im Alter. 37 Prozent meinen, die Hauptgabe der gesetzlichen Rente sei Schutz vor Armut, und 17 Prozent sind davon überzeugt, dass eine gleiche Grundrente für alle die Hauptaufgabe der gesetzlichen Rentenversicherung bildet.



Ausgewählte Änderungsoptionen zur Gestaltung der gesetzlichen Rente wurden ebenfalls thematisiert. Eine sehr große Mehrheit von 84 Prozent stimmt dem Reformvorschlag zu, auch Selbstständige und Beamte in die gesetzliche Rentenversicherung einzubeziehen. Ebenfalls 84 bis 85 Prozent aller Beschäftigten und beider Geschlechter wünschen keine weitere Absenkung des gesetzlichen Rentenniveaus. Der Option, zum Zweck der Lebensstandardsicherung in der Rente höhere Beiträge zu leisten, stimmt immerhin etwa die Hälfte zu. Insbesondere die jüngste Alterskohorte sieht sich mit überdurchschnittlichen 60 Prozent dazu bereit.

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Regine Geraedts
Referentin für Arbeitsmarkt- und Beschäftigungspolitik

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