Beschäftigte, die im Land Bremen arbeiten, verdienen im bundesweiten Vergleich überdurchschnittlich. Das liegt an dem hohen Anteil von Hochlohnbranchen und vor allem an tarifgebundenen Betrieben im Zwei-Städte-Staat. In nicht wenigen Branchen und Berufsgruppen gibt es jedoch auch schlecht bezahlte Arbeitsplätze: Vor allem Personen in Leiharbeit, aber auch Beschäftigte in der Gastronomie und im Reinigungsgewerbe verdienen stark unterdurchschnittlich.
Wie hoch sind die Einkommen im Land Bremen? Welche Unterschiede zwischen verschiedenen Branchen und Berufsgruppen gibt es? Welche Bedeutung hat der Niedriglohnsektor und der Mindestlohn? Und welche Faktoren bedingen ein höheres Entgelt?
Fragen wie diese können anhand der Entgeltstatistik der Bundesagentur für Arbeit beantwortet werden, die die Arbeitnehmerkammer Bremen regelmäßig auswertet. Die so gewonnenen Informationen liefern Erkenntnisse über statistische Medianwerte. Individuelle Fragen zum Einkommen können so allerdings nicht beantwortet werden. Hier sei auf das Projekt „Lohnspiegel“ der Hans-Böckler-Stiftung hingewiesen, das konkrete Angaben zu rund 500 Berufen liefert.
Im bundesweiten Vergleich verdienen Vollzeitbeschäftigte im Land Bremen überdurchschnittlich. Das mittlere Bruttomonatseinkommen der im Land Bremen arbeitenden sozialversicherungspflichtig Vollzeitbeschäftigten lag 2024 bei 4.157 Euro. Allerdings entwickelten sich der mittlere Monatsverdienst der vergangenen Jahre in Bremen weniger dynamisch als andernorts: In 2024 lag er 15,6 Prozent höher als im Jahr 2020. Zum Vergleich: Bundesweit sind die Entgelte in diesem Zeitraum um 17,1 Prozent gestiegen. Dies führte dazu, dass Bremen im Länder-Ranking von Platz vier (bis 2021) auf den sechsten Platz (seit 2022) abgerutscht ist.
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Zudem gibt es ein deutliches Lohngefälle zwischen unterschiedlichen Branchen im Land Bremen. Industrielle Unternehmen – etwa die in Bremen ansässigen Betriebe der Automobilindustrie oder der Luft- und Raumfahrttechnik – zahlen üblicherweise höhere Löhne als der Dienstleistungssektor. Auch verdienen Beschäftigte in Großbetrieben besser als der Durchschnitt. Weiterhin werden mit Finanzdienstleistungen (Banken und Versicherungen) vergleichsweise hohe Einkommen erzielt. Dies gilt ebenfalls für die IT-Branche. Eine Übersicht über die aktuellen mittleren Verdienste in den Branchen wird regelmäßig in unserem Statistik-Portal veröffentlicht.
Am unteren Ende finden sich Branchen wie die Leiharbeit und das Gastgewerbe mit einem monatlichen Verdienst von etwa 2.700 Euro brutto. In Branchen wie diesen haben sich die jüngsten, aber immer noch unzureichenden Erhöhungen des Mindestlohns positiv ausgewirkt. Auch die zuletzt offensivere Tarifpolitik der Gewerkschaften mit Blick auf die unteren Entgeltgruppen hat ihren positiven Beitrag dazu geleistet.
So ist der Niedriglohnsektor aktuell zwar auf dem Rückzug und im Land Bremen weniger angespannt als andernorts, dennoch darf er nicht ignoriert werden. 2024 verdienten im Land Bremen 30.396 Vollzeitbeschäftigte nur einen Niedriglohn – also weniger als 2.676 Euro brutto pro Monat. Das entspricht 14,3 Prozent aller sozialversicherungspflichtigen Vollzeitbeschäftigten, die im Land Bremen arbeiten. Vor allem Menschen ohne Berufsabschluss, Frauen, Ausländer*innen und Menschen in Helferberufen arbeiten für geringe Löhne. Das Risiko ist in den Reinigungs-, Gastronomie- und Verkaufsberufen besonders hoch.
In den Jahren 2020 bis 2024 standen die Einkommen aufgrund der hohen Preissteigerungen unter Druck, was zu einem erheblichen Kaufkraftverlust führte. Seit Frühjahr 2024 ist durch die nachlassende Dynamik in der Preisentwicklung eine Trendwende erkennbar. Allerdings war der Kaufkraftverlust in den vergangenen Jahren enorm, sodass dieser weiterhin noch nicht ausgeglichen wurde. Kein Wunder also, dass die deutschlandweiten Reallöhne im vergangenen Jahr etwa auf dem Niveau von 2017 lagen. Hinzu kommt, dass der Kaufkraftverlust im Land Bremen stärker ausgeprägt war als bundesweit. Zudem ist die Inflationsausgleichsprämie Ende 2024 ausgelaufen, was die positive Reallohnentwicklung in diesem Jahr voraussichtlich dämpfen wird.
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Erläuterung zur Grafik: Ein Index zeigt die Entwicklung einer Zahl über die Zeit hinweg. Er wird nicht ausgedrückt in Kilos, Euro oder einer ähnlich gängigen Einheit, denn er spiegelt lediglich die Veränderung einer Zahl von einem Zeitpunkt zu einem anderen wider. Zur Vereinfachung wird der Referenzwert, welcher beispielsweise ein bestimmtes Jahr (Basisjahr) ist, normalerweise mit der Zahl 100 gleichgesetzt. Ein Indexwert von 110 entspricht demnach einem Anstieg von 10 Prozent gegenüber dem Wert der Referenzperiode. (Quelle: Eurostat)
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KammerKompakt "Verdienste im Land Bremen"
Lohnentwicklung in Zeiten der Krisen (Erschienen: Juli 2024)
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Verdienste im Land Bremen 2020: Was macht Corona mit den Löhnen?
Download PDFReales Lohnplus trotz nachlassender Konjunktur — Verdienste im Land Bremen
Erschienen in: Bericht zur Lage der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer im Land Bremen 2020
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