Altersvorsorge: Befragung der Arbeitnehmerkammer

Ergebnisse unserer Online-Umfrage

Die Datenlage zur Altersvorsorge ist insgesamt ausbaufähig, gerade auf Länderebene. Bislang war beispielsweise nicht bekannt, welcher Anteil der Beschäftigten in Bremen und Bremerhaven „riestert“ und wie viele Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer eine Betriebsrente erwarten können.

Im Frühjahr 2022 haben wir deshalb eine Online-Befragung unter unseren Mitgliedern durchgeführt, um „Licht ins Dunkel“ zu bringen und mehr zu Vorsorgeaktivitäten und Erwartungen im Bundesland zu erfahren. Insgesamt haben über 1.400 Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer an dieser Befragung teilgenommen und damit einen wertvollen Beitrag zur Vertretung ihrer Interessen geleistet. Dafür herzlichen Dank!

Wegen der offenen Teilnahmemöglichkeit sind die erhobenen Daten nicht streng repräsentativ, kommen diesem Ideal aber dank einer systematischen Aufbereitung doch recht nahe. Nach statistischer Auswertung liegt nun ein Ergebnisbericht (PDF) vor, der allen Interessierten kostenlos zur Verfügung steht.

Die wesentlichen Erkenntnisse im Überblick:

  • Von einem „Mehrsäulensystem“ mit nahezu flächendeckenden Betriebs- und Privatrenten kann auch in Bremen keine Rede sein. Gut ein Drittel der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer – vor allem in „schwierigen“ Branchen – erwirbt aktuell keine Ansprüche auf betriebliche Versorgung. Und anders als von der Politik unterstellt „riestert“ im Land keineswegs jede/r, sondern nur etwa ein Viertel. Viele Beschäftigte – im unteren Einkommensbereich sind es etwa zwei Drittel – gaben an, dass ihr Lohn nicht für umfassende Zusatzvorsorge reicht.
  • Von etwaiger Zusatzvorsorge versprechen sich nur wenige einen echten Mehrwert im Alter, im Regelfall wird eher mit einem kleinen „Zubrot“ gerechnet. Ungefähr zwei Drittel der Befragten vermuten, ihren Lebensstandard im Alter nicht halten zu können, und gut jede/r Sechste erwartet sogar, dann auf Grundsicherung angewiesen zu sein. Dabei sind die Werte unter Frauen jeweils merklich höher als unter Männern, und besonders hoch fällt die Sorge vor Altersarmut im Niedriglohnbereich aus.
     

  • Über alle Altersgruppen hinweg sprechen sich Beschäftigte in Bremen besonders häufig dafür aus, die gesetzliche Rentenversicherung zu stärken. Etwas weniger Zustimmung gibt es für den Ausbau klassisch arbeitgeberfinanzierter Leistungen. Deutlich weniger Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer plädieren für eine stärkere Rolle privater Vorsorge. Statt eines offenen Vorsorgemarktes mit kleinteiligen Produkten hält die Mehrheit ein staatliches Standardangebot für sinnvoll, zu dem sie sich allerdings nicht verpflichten lassen möchte. In Anlagefragen ist die klare Mehrheit eher sicherheitsorientiert, für schwankungsanfällige Angebote mit hoher Renditeaussicht sind nur wenige Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer offen.

Insgesamt zeigen sich – nicht überraschend – merkliche Leerstellen bei „zusätzlicher“ Vorsorge, die allzu oft bereits daran scheitert, die im gesetzlichen System aufgerissenen Lücken zu schließen. Auch in Bremen sind es tendenziell eher „gutsituierte“ Beschäftigte, die ihre gesetzliche Rente im Alter voraussichtlich mit Zusatzrenten und Vermögenserträgen aufstocken können. Menschen in „Problembereichen“ des Arbeitsmarktes werden hingegen vielfach leer ausgehen und befürchten auch deshalb besonders häufig, im Alter auf Sozialhilfe angewiesen zu sein. Noch deutlich mehr Befragte sorgen sich darum, den erreichten Lebensstandard auch im Alter aufrechterhalten zu können. Erkennbar scheint die Erwartung an die Politik durch, neben der geleisteten Arbeit nicht auch noch selbst für die komplizierte Organisation angemessener Alterssicherung zuständig sein zu müssen.

Die Arbeitnehmerkammer wertet die Ergebnisse der Befragung deshalb als klaren Auftrag, wesentliche rentenpolitische Forderungen auch weiterhin mit Nachdruck im Interesse ihrer Mitglieder zu vertreten:

  • Höheres und stabiles Rentenniveau -> Dauerhaft gute, verdiente Renten
  • Erwerbstätigenversicherung -> Gleiches gutes Recht für alle
  • Besserer Sozialausgleich -> Solidarische Absicherung auch in schwierigen Zeiten
  • Leistbare, attraktive und effiziente Vorsorgemöglichkeiten -> Wer möchte, soll einfach mehr fürs Alter machen können – aber niemand soll dies tun müssen

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  • Mitgliederbefragung zur Altersvorsorge 2022: Ergebnisbericht

    KammerReport, August 2022

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