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Erzieherausbildung

Job und Familie nur mit Kinderbetreuung vereinbar

29.08.2022

Für die Vereinbarkeit von Familie und Beruf hat der Ausbau der Kindertagesbetreuung eine Schlüsselfunktion.

Erst eine bedarfsgerechte und verlässliche Bildung und Betreuung bietet die Voraussetzung dafür, dass Eltern eine (geschlechter-)gerechte Teilnahme am Erwerbsleben möglich ist. In keinem anderen Bundesland jedoch ist die Erwerbsbeteiligung von Frauen und Müttern so gering wie in Bremen. Vereinfacht gesprochen: Durch jede weitere Fachkraft in der Kinderbetreuung gewinnen mindestens zehn Familien die notwendigen zeitlichen Spielräume für ihre Erwerbstätigkeit. 

Ein bedarfsgerechtes Angebot an qualitativ hochwertigen Betreuungsplätzen gilt zudem als zentraler Standortfaktor, um für innovative Unternehmen und qualifizierte Fachkräfte attraktiv zu sein. Auch deshalb muss der Rückstand gegenüber anderen Bundesländern beim Platzausbau und bei der Ausbildung von Fachkräften schnellstmöglich aufgeholt werden.

Erst eine gute, bedarfsgerechte Kinderbetreuung mit früher Förderung ermöglicht es, dem Ziel der Chancengerechtigkeit näherzukommen. In den Einrichtungen soll nicht allein das Fundament für erfolgreiche Bildungswege gelegt werden, auch Benachteiligungen sollen abgebaut werden. Angesichts der materiellen und kulturellen Vielfalt der Lebenswelten der Kinder ist das keine Kleinigkeit. Besonders in Bremen, mit einer vergleichsweise hohen Familien- und Kinderarmut. 

Am weiteren Ausbau geht deshalb kein Weg vorbei. Er wird aber nicht ohne gut ausgebildete Fachkräfte gehen. Dazu gehören eine gute tarifliche Bezahlung und Ausbildungs- sowie Arbeitsbedingungen, die hochwertige pädagogische Arbeit erlauben. Ein Zielkonflikt zwischen Ausbau der Plätze und Fachkräftesicherung muss vermieden werden. Dies gelingt, wenn die Kindertagesbetreuung stärker als bisher in den Fokus genommen wird und im Landeshaushalt dafür ein deutlicher Schwerpunkt gesetzt wird.

Der Fachkräftemangel im Erziehungsbereich ist jedoch zum Teil auch „hausgemacht“. Zu lange hat die Politik Nachfrage und prognostizierte Engpässe nicht ernst genug genommen. Das zeigt ein Blick auf die Entwicklung der Ausbildungszahlen zur Erzieherin und zum Erzieher in den vergangenen Jahren:

 


Zu einer deutlicheren Erhöhung der Ausbildungskapazitäten an den Bremer Fachschulen kam es lediglich in zwei Phasen. Zum einen kurz vor der Einführung des Rechtsanspruchs für die Kinder unter drei Jahren im Jahr 2013. Und zum anderen mit der Einführung der neuen, praxisintegrierten Ausbildung (PiA) im Schuljahr 2018/2019. 
Auch das Bundesfamilienministerium setzt mit seiner 2019 gestarteten „Fachkräfteoffensive“ auf praxisintegrierte Ausbildungen. Es zeigt sich, dass mit diesem besonders attraktiven Ausbildungsmodell dem Fachkräftemangel in den Kitas entgegengewirkt werden kann. 

Deshalb organisierte die Arbeitnehmerkammer Bremen im Juni 2022 eine gemeinsame Stellungnahme von ver.di, dem Personalrat von KiTa Bremen, der AWO Bremen und dem Landesverband Evangelischer Tageseinrichtungen für Kinder. Sie fordern, das Angebot der PiA-Ausbildung deutlich auszuweiten. 

Die praxisintegrierte Ausbildung (PiA) auf 150 Plätze ausweiten! 

Die PiA-Ausbildung wird tariflich vergütet, schafft soziale Sicherung bereits in der Ausbildung und ist schon deshalb deutlich attraktiver als andere Ausbildungsmodelle. Das bestätigt auch die durch die Bildungsbehörde durchgeführte Evaluation. Deshalb muss die PiA-Ausbildung nicht allein als Modellprojekt, wie bisher, sondern auch an den öffentlichen Bremer Fachschulen angeboten werden – in Teilzeit und Vollzeit.

Mittelfristig wäre das der Einstieg hin zu einer bundeseinheitlichen Organisation der Ausbildung für Erzieherinnen und Erzieher, wie sie auch die Gewerkschaft ver.di vorgeschlagen hat. 

Die Bremer Politik steht im Wort

Zu den zentralen politischen Zielen des Bremer Senats gehören die Aufwertung der Erziehungsberufe sowie eine Ausweitung der Tarifbindung. Mit einer Ausweitung der tariflich vergüteten praxisintegrierten Ausbildung würden beide Ziele erreicht.


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Thomas Schwarzer
Referent für kommunale Sozialpolitik

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