Wie Integration in den Arbeitsmarkt gelingt

Interview mit Soziologin Cora Wernerus

Cora Wernerus erforscht in einer qualitativen Studie, unter welchen Bedingungen Menschen aus Afghanistan, Syrien, Iran, Nigeria, Somalia und Eritrea, die ab 2015 zugewandert sind, auf dem Bremer Arbeitsmarkt angekommen sind. Dafür sucht sie noch Menschen, die von ihren Erfahrungen berichten.

Sie sprechen mit geflüchteten Menschen, die auf dem Bremer Arbeitsmarkt Fuß gefasst haben. Welche Faktoren waren dabei entscheidend?
Cora Wernerus: Soziale Kontakte spielen eine zentrale Rolle – ebenso Sprachkurse und Beratungsangebote. Viele Befragte haben mir erzählt, sie seien über Bekannte zu ihren Jobs gekommen, die sie zum Beispiel beim Sport kennengelernt hatten. Andere wiederum fanden ihre Stelle durch eigene Recherche, etwa über Social Media. Eine Wissenschaftlerin schrieb beispielsweise aus dem Wohnheim heraus 30 Universitäten an – und tatsächlich hat es geklappt. Dafür ist natürlich viel Resilienz nötig. Einige berichteten aber auch von rassistischer Diskriminierung bei ihren Bewerbungsversuchen. Insgesamt war die Vermittlung über offizielle Stellen häufig nicht der ausschlaggebende Faktor.

Cora Wernerus


ist Soziologin und wissenschaftliche Mitarbeiterin am iaw (Institut Arbeit und Wirtschaft) in Bremen. Sie hat bereits rund 50 Menschen befragt. Wer sie noch unterstützen möchte kann sich melden bei:  
iaw-interviews@uni-bremen.de

 

Welche Hürden gibt es?
Die Sprache ist eine große Hürde – viele Betriebe haben sehr hohe Erwartungen an das Sprachniveau. Auch die Anerkennung ausländischer Berufsabschlüsse gestaltet sich oft schwierig. Eine Lehrerin aus Syrien kann hier kaum in ihrem Beruf arbeiten, weil die Anforderungen so hoch sind. Ähnlich geht es einem Kfz-Mechatroniker. Einer Frau, die in ihrem Herkunftsland Wirtschaftswissenschaftlerin war, wurde von offizieller Seite eine Ausbildung zur Bäckereifachverkäuferin vorgeschlagen – mit der Begründung, sie habe Kinder. Hier zeigt sich teilweise auch eine geschlechtsspezifische Diskriminierung.

Wie zufrieden sind die Befragten mit ihren Jobs?
Das ist sehr unterschiedlich. Einige haben sich mit ihrer aktuellen Situation arrangiert, andere hätten sich gern weiterqualifiziert. Eine der Befragten arbeitet in einem Restaurant, weil ihr keine Ausbildung ermöglicht wurde. Manche haben deshalb resigniert, andere hoffen weiterhin, beruflich noch einmal neue Wege gehen zu können. Gerade mit Blick auf den Fachkräftemangel wäre es wichtig, stärker auf Weiterbildung zu setzen, statt allein auf eine schnelle Integration in den Arbeitsmarkt.

Das Projekt „Gelingensbedingungen der Arbeitsmarktintegration von zugewanderten Menschen im Land Bremen. Eine multiperspektivische Betrachtung am Beispiel von Beschäftigten aus ausgewählten Asylherkunftsländern“ am iaw wird von der Arbeitnehmerkammer Bremen gefördert – in Kooperation mit der Agentur für Arbeit Bremen-Bremerhaven sowie der Senatorin für Arbeit, Soziales, Jugend und Integration.

Fragen: Anna Zacharias
November 2025