Die Forschung lässt kaum Zweifel zu: Es gibt keine seriösen Belege für einen Magneteffekt von Sozialsystemen auf potenzielle Zuwanderer*innen. Vielmehr lässt sich feststellen, dass die Höhe von Sozialleistungen nicht „allein oder auch nur hauptsächlich eine bestimmte Migrationsentscheidung erklären könnte“.
Bei Flucht spielen vor allem die Sicherheit und das politische Klima im Herkunftsland sowie soziale Netzwerke und wirtschaftliche Perspektiven im Zielland eine Rolle: Die Menschen ziehen dorthin, wo sie andere kennen und glauben, arbeiten zu können. Migrant*innen haben oft eine hoheErwerbsneigung, dafür eine geringere Erwerbsbeteiligung als Deutsche – sie wollen gern hier arbeiten, können oder dürfen aber nicht. Die Arbeitsmarktintegration der 2015 zugezogenen Geflüchteten ist trotz Hürden recht weit vorangeschritten, vorrangig bei Männern – auch wenn sie oft schlecht verdienen.
Aber Migrant*innen beziehen doch häufiger Sozialleistungen wie Grundsicherung, oder? Ja. Der Grund dafür ist aber nicht der Zuwandererstatus, sondern das höhere Risiko, bedürftig zu sein. Migrant*innen leben häufiger in Situationen, die zu Ansprüchen führen: Sie arbeiten überdurchschnittlich oft prekär, sodass der Lohn nicht zum Leben reicht, haben schlechtere Chancen beim Berufseinstieg, dazu weniger Vermögen, und sie leben häufiger in größeren Haushalten. Zudem ist ihr Zugang zum Arbeitsmarkt vielfach eingeschränkt, sie leiden unter Bildungsungleichheiten, Diskriminierung und einem ungesicherten Aufenthaltsstatus. In der Folge ist auch ihr Armutsrisiko größer.
Zugleich zeigen Studien, dass Migrant*innen größere Schwierigkeiten bei der Durchsetzung rechtlicher Ansprüche haben als Einheimische. Die Förderungen finden weniger zur Zielgruppe, etwa weil es zu wenig sprach- und kultursensible Angebote gibt; fehlende Sprachkenntnisse, strukturelle Barrieren und der „Kulturschock“ sorgen dafür, dass Menschen Ansprüche nicht, unvollständig oder verspätet einlösen. Dabei brauchen Geflüchtete viel Unterstützung. Politische Maßnahmen mit dem Ziel, den Zugang zu Sozialleistungen zu erschweren, behindern die Integration, und wenn Menschen nicht in Arbeit kommen, kostet das letztendlich mehr.
Zuwanderung führt gerade bei Geflüchteten zu staatlichen Ausgaben, etwa für Sprachkurse oder Integrationsmaßnahmen. Sobald Migrant*innen arbeiten – und das machen die meisten –, bringen sie dem Staat Einnahmen. In den vergangenen zehn Jahren kamen etwa zwei Drittel aller Migrant*innen nicht als Geflüchtete. Sie sind im Schnitt jünger als die einheimische Bevölkerung und haben häufiger Kinder – damit tragen sie zur Verlangsamung des demografischen Wandels bei.
In der Summe entlastet Migration die öffentlichen Haushalte: Wenn jährlich 200.000 Menschen mehr nach Deutschland zuwanderten, könnte die bestehende Finanzierungslücke der öffentlichen Haushalte gemessen an den Werten von 2024 um rund 104 Milliarden Euro jährlich reduziert werden. Das sind umgerechnet knapp 2,5 Prozent des Bruttoinlandsprodukts. Jede Person, die im Zuge dieser kontinuierlich hohen Zuwanderung nach Deutschland kommt, entlastet den Staatshaushalt demnach um 7.100 Euro im Jahr.



