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© 2025 Arbeitnehmerkammer Bremen

28.07.2025

Arbeitslosigkeit steigt: Förderturbo zünden

Arbeitnehmerkammer zur Beschäftigungssituation

Mehr Arbeitslose – weniger Fachkräfte: Die Situation auf dem Arbeitsmarkt im Land Bremen spitzt sich zu. Während der Fachkräftebedarf in vielen Branchen weiterhin hoch ist, gelingt es nicht, Menschen in Arbeit zu bringen. „Weiterbildung, Sprachförderung und Teilhabe müssen jetzt im Mittelpunkt stehen – sonst riskiert Bremen eine wachsende soziale und wirtschaftliche Schieflage“, mahnt Peer Rosenthal, Hauptgeschäftsführer der Arbeitnehmerkammer Bremen.

Im Juni 2025 waren in Bremen 43.230 Menschen arbeitslos gemeldet – das sind über 2.500 mehr als noch vor einem Jahr. Besonders besorgniserregend ist der Anstieg bei der Langzeitarbeitslosigkeit: 17.870 Menschen sind seit über einem Jahr ohne Arbeit, ein Zuwachs um fast sieben Prozent. Gleichzeitig berichten mehr als 40 Prozent der Betriebe im Land Bremen von Schwierigkeiten, qualifiziertes Personal zu finden – ein Ausdruck dafür, dass die bestehenden Fachkräftepotenziale nicht ausreichend mobilisiert werden.

Fast ein Drittel ohne Berufsabschluss

Dabei gibt es zahlreiche ungenutzte Potenziale auf dem Arbeitsmarkt: So haben fast 30 Prozent der jungen Erwachsenen zwischen 25 und 34 Jahren keinen Berufsabschluss. Mehr als ein Drittel der Beschäftigten im Land Bremen hat in den vergangenen zwei Jahren an keiner beruflichen Weiterbildung teilgenommen. Besonders stark betroffen sind Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer ohne Berufsabschluss – von ihnen haben nur 41 Prozent an einer Weiterbildung teilgenommen, während der Durchschnitt bei 62 Prozent liegt.

Hinzu kommen strukturelle Benachteiligungen: 42 Prozent der Beschäftigten mit ausschließlich ausländischem Pass arbeiten unterhalb ihrer formalen Qualifikation – fast doppelt so viele wie bei den deutschen Staatsangehörigen (23 Prozent). Auch die anhaltend hohe Teilzeitquote von Frauen – mehr als 52 Prozent im Vergleich zu nur 15 Prozent bei Männern – zeigt, dass viele Frauen ihr Erwerbspotenzial nicht vollständig ausschöpfen können.

Förderturbo zünden – mehr Menschen Chancen geben

Diese Entwicklungen verschärfen sich noch dadurch, dass ausgerechnet in dieser angespannten Situation die Teilnahme an den arbeitsmarktpolitischen Maßnahmen der Arbeitsagentur oder des Jobcenters zurückgegangen ist: Im Juni 2025 gab es nur noch gut 8.700 Förderungen – ein Rückgang von gut zehn Prozent gegenüber Juni 2024. „Ein Rückgang der Förderungen ist in der aktuellen Situation nicht hinnehmbar – erst recht nicht, wenn zur Verfügung stehende Mittel nicht ausgeschöpft werden sollten. Daher muss jetzt ein Förderturbo gezündet werden“, so Rosenthal.

Dabei gilt es sowohl die Mittel für Förderungen bei der Agentur für Arbeit und den Jobcentern in Bremen und Bremerhaven als auch die des Landes in den Blick zu nehmen.

Landesarbeitsmarktstrategie: Was jetzt zu tun ist

Angesichts dieser Entwicklungen begrüßt die Arbeitnehmerkammer die Entscheidungen der Landesregierung, die Mittel für die Landesarbeitsmarktpolitik aufzustocken und eine umfassende Arbeitsmarktstrategie zu erarbeiten. „Diese Strategie muss aber weit mehr sein als eine lose Sammlung von Absichtserklärungen – sie muss konkrete Maßnahmen und politische Prioritäten definieren, um die Herausforderungen aktiv zu gestalten“, mahnt Peer Rosenthal.

Die Forderungen der Kammer:

  • Förderturbo zünden – alle Möglichkeiten in der aktuellen Situation ausschöpfen.
  • Es muss systematisch geprüft werden, wie arbeitsmarktpolitische Projekte des Landes und der Kommunen künftig noch besser mit der Bundesagentur für Arbeit und dem Jobcenter verzahnt werden können. Ziel muss es sein, individuell zu fördern, um vor allem Menschen ohne Berufsabschluss zu qualifizieren und ihnen einen Abschluss zu ermöglichen.
  • Berufsbegleitend qualifizieren: Menschen mit geringer formaler Bildung, zugewanderte Fachkräfte oder Teilzeitbeschäftigte benötigen flexible Angebote, die sich mit familiären Verpflichtungen und Arbeitsalltag vereinbaren lassen. Für Mütter ist etwa der Zugang zu Sprachkursen mit Kinderbeaufsichtigung essenziell. Auch die Wiederholung von Sprachprüfungen sollte nicht zum Ausschlusskriterium werden, sondern durch gezielte Begleitung unterstützt werden.
  • Zusätzliche kommunale Angebote an Arbeitsgelegenheiten vorhalten, um langzeitarbeitslose Menschen zu fördern. Sowohl die Teilnehmenden als auch die Träger brauchen verbindliche Perspektiven.
  • Entwicklung eines landesweiten Fachkonzepts für die trägerübergreifende Zusammenarbeit von Beratungsangeboten. Niedrigschwellige bedarfsgerechte Beratung ist der Schlüssel dafür, Menschen mit unterschiedlichen Voraussetzungen in Arbeit oder Qualifizierung zu begleiten – insbesondere in Zeiten knapper Kassen.
  • Ein zentrales Instrument der letzten Jahre – der Qualifizierungsbonus – ist bisher nur bis Ende 2025 gesichert. Die Arbeitnehmerkammer spricht sich ausdrücklich für dessen Fortführung aus und signalisiert Bereitschaft, sich weiterhin finanziell daran zu beteiligen. Gleichzeitig muss die Politik Wege finden, wie Nachqualifizierungen noch stärker erreicht und unterstützt werden können.

Schließlich erinnert die Arbeitnehmerkammer daran, dass Arbeitsmarktpolitik sowohl Fachkräfte als auch Teilhabe am Arbeitsmarkt gleichwertig fördern sollte – so auch im Falle des geplanten Welcome Centers. Etwaige Strukturen müssen zudem ergänzt werden durch Sprachförderangebote bis hin zu fortgeschrittenem Niveau, verbunden mit Berufsorientierung und individueller Begleitung.

„Ob berufsbegleitende Qualifizierung, Sprachförderung oder der Weg zum Berufsabschluss – Teilhabe muss praktisch organisiert und politisch gewollt sein“, so Peer Rosenthal abschließend. „Wir brauchen jetzt eine Landesarbeitsmarktstrategie, die Menschen nicht nur mitdenkt, sondern wirklich mitnimmt.“


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