Die hohe Erwerbslosigkeit bleibt ein prägendes Merkmal des Arbeitsmarktes im Land Bremen. Zwischen Juni 2025 und Juni 2026 entspannte sich die Lage aber leicht: Die Zahl der Erwerbslosen und die Unterbeschäftigung gingen zurück. Diese positive Entwicklung schlägt sich auch in einem leichten Rückgang der Arbeitslosenquote* von 11,5 auf 11,1 Prozent nieder. Die Unterbeschäftigung berücksichtigt zusätzlich zu den arbeitslos gemeldeten Personen auch diejenigen, die ebenfalls eine Arbeitsstelle suchen, aufgrund der Teilnahme an einer Fördermaßnahme, vorübergehender Arbeitsunfähigkeit oder einer Sonderregelung für ältere Arbeitsuchende in der Statistik der Bundesagentur für Arbeit aber nicht erfasst sind.
Der Arbeitsmarkt im Land Bremen
Von der Entspannung am Arbeitsmarkt konnten jene, die bereits ein Jahr oder länger erwerbslos sind, nicht profitieren. Inzwischen sind im Land Bremen 43,6 Prozent aller Erwerbslosen langzeiterwerbslos. Unter jenen, die Leistungen der Grundsicherung beziehen, liegt ihr Anteil sogar bei 56 Prozent.

Arbeitnehmerkammer Bremen
Unsere Forderungen
Das enge Wechselverhältnis zwischen Erwerbslosigkeit und gesundheitlichen Beeinträchtigungen führt dazu, dass gerade psychische Einschränkungen erwerbslose Menschen häufig bei der Aufnahme einer Beschäftigung benachteiligen.
- Gesundheitsförderung muss systematisch in die arbeitsmarktpolitische Förderung integriert werden. Im ersten Schritt sollten dafür die in Bremen und Bremerhaven erprobten lokalen Steuerungsgruppen verstetigt und über kontinuierlich aktualisierte Kooperationsvereinbarungen verbindlich geregelt werden.
- Nachhaltige Arbeitsmarktintegration gelingt vor allem durch integrative Projekte, die gesundheitliche Stabilisierung, soziale Teilhabe und Berufsorientierung beinhalten und dabei eine für die Zielerreichung realistische Förderdauer haben. Besonders benachteiligte Adressat*innen – insbesondere Langzeiterwerbslose und Menschen mit Behinderungen – müssen verstärkt gefördert werden.
- Psychische Belastungen haben in den letzten Jahren sowohl unter Erwerbstätigen als auch Erwerblosen zugenommen. Den Mitarbeitenden der Jobcenter müssen daher die zeitlichen Kapazitäten eingeräumt werden, das erforderliche Fachwissen und die Beratungskompetenz zu erlangen, um ihrem Auftrag auch im Kontakt mit psychisch belasteten oder erkrankten Leistungsbeziehenden angemessen nachzukommen.
Kritik am Mythos der arbeitsunwilligen Erwerbslosen
Menschen im Erwerbsalter, die Grundsicherungsleistungen beziehen, sehen sich zunehmend dem Vorwurf ausgesetzt, mangelnde Motivation sei die Hauptursache ihrer Erwerbslosigkeit. Damit verbunden ist die Annahme, die Grundsicherung für Arbeitsuchende würde von einer ganzen Bevölkerungsgruppe ausgenutzt. Die arbeitsmarktpolitische Forschung zeichnet ein anderes Bild.
Ein zentrales Problem ist das Missverhältnis zwischen Angebot und Nachfrage auf dem Arbeitsmarkt. Im Land Bremen suchten 2025 rund 22.300 der arbeitslos gemeldeten Jobcenter-Leistungsbeziehenden (69 Prozent) eine un- oder angelernte Tätigkeit. Dem standen lediglich rund 2.000 gemeldete Stellen gegenüber. Selbst wenn – wie geschätzt – nur etwa die Hälfte aller offenen Stellen gemeldet wird, bliebe die Lücke erheblich. 72 Prozent der Erwerbslosen, die Grundsicherungsleistungen beziehen, haben keinen anerkannten Berufsabschluss, ein Viertel zudem keinen Schulabschluss – sie sind besonders stark betroffen. Dieses strukturelle Problem ist in Bremen stärker ausgeprägt als in anderen Regionen, besteht aber deutschlandweit.
Nur ein Teil kann arbeiten
Auch Irene Dingeldey und René Böhme vom Institut Arbeit und Wirtschaft in Bremen (iaw) widersprechen dem Bild der „arbeitsunwilligen Erwerbslosen“. Auch sie heben in einer Studie hervor: Erwerbschancen scheitern häufig an fehlenden Berufsabschlüssen, unzureichenden Sprachkenntnissen, gesundheitlichen Einschränkungen oder fehlenden Arbeitsplätzen. Hinzu kommen Menschen, die erwerbstätig sind, wegen ihres niedrigen Einkommens aber als „Aufstocker“ auf ergänzende Grundsicherung angewiesen bleiben. Schließlich kann nur ein Teil der erwerbsfähigen Leistungsberechtigten überhaupt kurzfristig eine Arbeit aufnehmen – weil Krankheit oder Sorgearbeit einer Erwerbstätigkeit entgegenstehen.
Das iaw kritisiert, dass die Verbreitung des stereotypen Vorurteils der „Arbeitsunwilligkeit“ den Blick auf Menschen in der Grundsicherung für Arbeitsuchende verengt. Das Bild blendet die sozialen Ursachen der Erwerbslosigkeit aus und reduziert das Spektrum möglicher Ursachen auf vermeintliches individuelles Fehlverhalten.
Interview mit Dr. René Böhme

Christina Kuhaupt/iaw
Christina Kuhaupt/iaw
Die Figur des „arbeitsunwilligen Arbeitslosen“ kann dann dazu beitragen, Kürzungen von Sozialleistungen oder strengere Sanktionen politisch zu legitimieren. Die Folgen sind fatal, denn der Mythos verschleiert die strukturellen Ursachen und individualisiert die gesellschaftlichen Risiken der Erwerbslosigkeit.
Gesundheitliche Einschränkungen – ein Faktor, der dringend mehr Aufmerksamkeit verdient
Viele Menschen gelten (nach § 8 SGB II) zwar als erwerbsfähig, weil sie mindestens drei Stunden täglich arbeiten können. Den Erfahrungen der Jobcenter zufolge reicht ihre tatsächliche Belastbarkeit jedoch häufig nicht für eine Vollzeit- oder vollzeitnahe Beschäftigung aus. Sie können diese Leistung vermutlich nicht täglich erbringen oder sind auf regelmäßige Pausen angewiesen. Eine gesundheitlich passende Beschäftigung zu finden, wird dadurch erheblich erschwert. Eine offene Debatte über dieses Missverhältnis findet zu wenig statt.
Kranke brauchen mehr Unterstützung
Zweitens verfügen die Jobcenter weiterhin über zu wenige Angebote für gesundheitlich beeinträchtigte Menschen. Insbesondere psychisch belastete oder erkrankte Personen benötigen bedarfsgerechte Unterstützung zur gesundheitlichen Stabilisierung. Ansonsten bleiben ihre Chancen auf ein ungefördertes stabiles Beschäftigungsverhältnis gering.
Drittens benötigen die Jobcenter mehr gesundheitsbezogene Fachkompetenz und bessere Kooperationen mit dem Gesundheitswesen vor Ort. Beides ist erforderlich, zum Beispiel um gesundheitliche Einschränkungen und Bedarfe angemessen einzuschätzen, den Ärztlichen Dienst gezielt einzubeziehen und Menschen – etwa bei langen Wartezeiten auf einen Therapieplatz – kontinuierlich unterstützen zu können.
Gesundheitliche Einschränkungen erschweren die Arbeitsmarktintegration: Ergebnisse deutschlandweiter IAB-Befragungen (2024/2025)

Arbeitnehmerkammer Bremen

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Quellen: Ergebnisse der Online-Jobcenter-Befragung (Welle 1: 2024) sowie der Online-Personenbefragung „Arbeiten und Leben in Deutschland“ (Erhebungszeitpunkt: Januar 2025) des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung. Eine Analyse von mehr als vier Millionen Gutachten, die der Ärztliche Dienst der Bundesagentur für Arbeit zwischen 2016 und 2021 erstellt hat, verdeutlicht die Folgen: Bei einem Drittel der bundesweit begutachteten Erwerbslosen stellte sich heraus, dass sie nicht erwerbsfähig sind.
In der Region Niedersachsen/Bremen litten 52 Prozent an mindestens einer psychischen oder Verhaltensstörung (bundesweit: 54 Prozent), weitere 36 Prozent an einer Muskel- oder Skeletterkrankung (bundesweit: 33 Prozent). Psychische Erkrankungen führten am häufigsten zu einer vollständigen beruflichen Leistungsminderung. Repräsentativ sind auch diese Ergebnisse nicht, weil die Begutachtung auf einer Vorauswahl durch die Vermittlungsfachkräfte der Jobcenter und Arbeitsagenturen beruht.
Monitoring ausbauen
Da der Zusammenhang zwischen Erwerbslosigkeit und gesundheitlichen Beeinträchtigungen international gut belegt ist, sollte das gesundheitliche Monitoring in der Arbeitsförderung ausgebaut werden. Dabei gilt es, das Recht der Betroffenen auf informationelle Selbstbestimmung zu wahren: Ob und welche Gesundheitsinformationen sie dem Jobcenter mitteilen möchten, müssen sie grundsätzlich selbst entscheiden können. Für eine passgenaue Integrationsstrategie benötigen die Jobcenter jedoch zumindest verlässliche Informationen darüber, welche gesundheitlich bedingten Einschränkungen im Alltag oder im Erwerbsleben bestehen und welcher Unterstützungsbedarf daraus folgt. Medizinische Diagnosen sind hierfür in der Regel nicht erforderlich. Entscheidend ist vielmehr, funktionale Einschränkungen und daraus abgeleiteten Unterstützungsbedarf gemeinsam mit den Betroffenen zu erfassen und bei der Integrationsplanung zu berücksichtigen.
Gesundheitliche Beeinträchtigungen und Erwerbslosigkeit verstärken sich gegenseitig
Die Forschung zeigt eindeutig: Gesundheitliche Beeinträchtigungen erhöhen das Risiko, erwerbslos zu werden und Erwerbslosigkeit erhöht das Risiko gesundheitlicher Beeinträchtigungen. Beide Prozesse können sich gegenseitig zu einer Abwärtsspirale verstärken.
Zahlreiche Studien belegen, dass der Verlust des Arbeitsplatzes und die anschließende Erwerbslosigkeit insbesondere die psychische Gesundheit beeinträchtigen. Psychische Belastungen nehmen vor allem in den ersten Monaten der Erwerbslosigkeit zu und gehen nach einer erneuten Arbeitsaufnahme wieder zurück. Als Ursachen gelten der Verlust sozialer Kontakte, einer sinnstiftenden Tätigkeit, gesellschaftlicher Teilhabe und einer verlässlichen Tagesstruktur. Mit zunehmender Dauer der Erwerbslosigkeit steigen das Risiko für Depressionen, Angststörungen und einen Verlust des Selbstwertgefühls.
Gesunde Lebensführung erschwert
Hinzu kommen die finanziellen Folgen. Mit dem Wegfall des Erwerbseinkommens wachsen Armutsrisiko und materielle Einschränkungen, wodurch auch gesundheitsförderliche Lebensbedingungen – etwa eine ausgewogene Ernährung – schwerer aufrechterhalten werden können. Nach Hollederer kamen 2021 bundesweit 42 Prozent der erwerbslosen Menschen mit ihrem Haushaltseinkommen nur mehr oder weniger schlecht zurecht. Erwerbslosigkeit wirkt damit als eigenständiger gesundheitlicher Belastungsfaktor: Sie verschlechtert die materiellen Voraussetzungen für eine gesunde Lebensführung und begünstigt zugleich gesundheitsschädigendes Verhalten, etwa Rauchen.
Umgekehrt erhöhen psychische und körperliche Erkrankungen das Risiko, den Arbeitsplatz zu verlieren, etwa infolge einer Langzeitarbeitsunfähigkeit. Chronische gesundheitliche Beeinträchtigungen erschweren zudem die Rückkehr in Beschäftigung. Mit zunehmender Dauer der Erwerbslosigkeit sinken die Wiedereingliederungschancen erkrankter Menschen weiter.

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Die Risiken, aufgrund gesundheitlicher Einschränkungen erwerbslos zu werden und zu bleiben, sind in unserer Erwerbsgesellschaft ungleich verteilt. Hollederer zeigt dies am Beispiel von Menschen mit Behinderungen auf: Ihr Anteil an den Erwerbslosen liegt bundesweit mit 8,2 Prozent deutlich über ihrem Anteil an den Erwerbstätigen von 6,5 Prozent. Zudem ist ihr Risiko höher, langzeiterwerbslos zu bleiben. Gründe dafür sind unter anderem eingeschränkte räumliche Mobilität, schwächere soziale Netze sowie Ableismus und Vorurteile von Arbeitgebern gegenüber ihrer Leistungsfähigkeit. Deshalb müssen ihre Schutzrechte einschließlich des besonderen Kündigungsschutzes noch besser durchgesetzt werden. Für erwerbslose Menschen mit Behinderungen ist außerdem der Zugang zu Angeboten der Teilhabe an Arbeit und der Arbeitsförderung besonders wichtig, damit sich ihre Benachteiligung nicht weiter verschärft.
In Bamberg wird das Potenzial innovativer, wissenschaftlich begleiteter Modellprojekte sichtbar
Bei unserer Recherche nach Projekten, die Gesundheits- und Arbeitsförderung im Sinne des Forschungsstandes zusammendenken, sind wir auf zwei Projekte gestoßen, die seit einigen Jahren in Bamberg umgesetzt werden. Das Projekt INGE richtet sich an langzeiterwerbslose Menschen im Grundsicherungsbezug des SGB II, das Projekt GUNDA an Menschen, die erst kurz erwerbslos sind und Arbeitslosengeld bekommen. Für uns waren die beiden Projekte auch deshalb besonders interessant, weil sie von Beginn an wissenschaftlich begleitet wurden. Durch das ursprünglich für langzeiterwerbslose Menschen mit psychischen Belastungen konzipierte Projekt wurde das zweite Projekt für Menschen, die noch nicht lange erwerbslos sind, inspiriert. Da die Forschung zeigt, wie wichtig möglichst frühzeitige Interventionen sind, um eine Abwärtsspirale aus psychischen Beeinträchtigungen und Erwerbslosigkeit zu vermeiden, hat uns dieser doppelte Ansatz überzeugt.
Die Projekte INGE und GUNDA im Überblick
Projekt INGE
- Bezug von Grundsicherungsgeld
- Jobcenter ist zuständig
- Laufzeit von zwölf Monaten (einmalige Verlängerung um sechs Monate möglich)
- Teilnahme an zwei bis fünf Tagen pro Woche
Projekt GUNDA
- Bezug von Arbeitslosengeld
- Agentur für Arbeit ist zuständig
- Laufzeit von vier Monaten inklusive Praktikum
- Teilnahme an drei bis fünf Tagen pro Woche
Rahmenbedingungen für beide Projekte
Förderung: Aktivierungs- und Vermittlungsgutschein
Ziel: Individuelle Begleitung auf dem Weg in Beschäftigung, Ausbildung, Studium oder Weiterbildung
Erfolg: fast 40 Prozent wechseln nach der Teilnahme in Arbeit, Ausbildung, Studium oder Weiterbildung
Team: fünf Fachkräfte (Projektleitung, Pädagoginnen, Psychologinnen, kreativpädagogische Mitarbeitende)
Methoden:
- Einzelcoaching
- Gruppenangebote zu psychosozialen und berufsbezogenen Themen
- Projektarbeit in verschiedenen beruflichen Tätigkeitsbereichen
- Praktikums- und Bewerbungsbegleitung
Beide Projekte werden von der Gemeinnützigen Gesellschaft für Soziale Dienste (GGSD) durchgeführt, von der Stiftung Bildung und Beruf der Deutschen Angestellten Akademie gefördert und durch das Kompetenzzentrum für angewandte Personalpsychologie an der Universität Bamberg (KAP) evaluiert. Wir haben mit Melissa Schütz, wissenschaftliche Mitarbeiterin und Beraterin des KAP, Dr. Till Werkmeister, Leiter des Referates Bildungspolitik und Bildungsförderung bei der Stiftung Bildung und Beruf, und Lena Wolf, Leiterin der beiden Projekte bei der GGSD, gesprochen.
Was zeichnet die Angebote INGE und GUNDA aus?
Für Projektleiterin Lena Wolf war die Beteiligung der Zielgruppe bei der Entwicklung der Projekte selbst ein wichtiger Erfolgsschlüssel: „Wir setzen INGE seit 2019 um. Bis dahin haben wir langzeiterwerbslose Menschen über Arbeitsgelegenheiten begleitet. Wir haben die Erfahrung gemacht, dass viele der Teilnehmenden mit erheblichen psychischen Belastungen leben. Nur wenige von ihnen konnten im Anschluss an die Maßnahme eine Erwerbsarbeit aufnehmen. Für uns war klar: Wir brauchen ein Angebot, das besser auf ihre psychischen Belastungen eingeht. In Fokusgruppen mit Teilnehmenden unserer bisherigen Angebote haben wir sondiert, wie wir ihnen besser helfen können. Daraus ist erst das Projekt INGE und dann das Projekt GUNDA entstanden.“
Etwa 40 Prozent der Teilnehmenden an INGE können danach in eine Erwerbsarbeit, Ausbildung oder Weiterbildung übergehen. Aufgrund dieses Erfolgs gibt es seit 2023 ein ähnliches Angebot auch für Personen, die noch nicht lange erwerbslos sind: GUNDA ist kürzer und stärker auf die Vermittlung in ein neues Beschäftigungsverhältnis ausgerichtet. Die Evaluation läuft zurzeit noch. Beide Programme verfolgen jedoch denselben Ansatz: über die psychische Stabilisierung und Stärkung der Alltagsstruktur auch das Selbstwertgefühl und psychische Wohlbefinden der Teilnehmenden zu stärken. Auf dieser Grundlage können sie sich schrittweise wieder eine berufliche Perspektive aufbauen.
Niedrigschwelliges Angebot
Erster Erfolgsfaktor ist also die Niedrigschwelligkeit: Ein Vorgespräch klärt, ob das Angebot zu den individuellen Bedarfen einer Person passen könnte. Eine medizinische Diagnose ist nicht erforderlich. Die Teilnehmenden sollten das Angebot INGE an mindestens zwei Tagen, GUNDA an drei bis fünf Tagen in der Woche wahrnehmen und ihre Stunden nach und nach steigern. Sie müssen auch nicht alle Bausteine von Beginn an besuchen. Für INGE ist außerdem entscheidend, dass die individuelle psychische Stabilisierung im Fokus ist und darüber auch individuelle Vermittlungshemmnisse abgebaut werden können.
Zweiter Erfolgsfaktor ist die Gruppendynamik: INGE und GUNDA kombinieren individuelle Begleitung mit Gruppenangeboten. Die Zusammensetzung der Gruppe ändert sich laufend.
Projektleiterin Lena Wolf: „Durch diese Gruppendynamik erfahren die Teilnehmenden, dass sowohl psychische Beeinträchtigungen als auch Erwerbslosigkeit jede und jeden Menschen betreffen kann. Mit den Herausforderungen ihrer Lebenssituation gehen Menschen unterschiedlich um. Damit inspirieren und motivieren sie sich gegenseitig, eigene Wege auszuprobieren.“
Im wöchentlichen Einzelcoaching können sich die Teilnehmenden mit ihrer Lebenssituation auseinandersetzen. Dabei geht es neben beruflichen um viele andere Lebensfragen. Gemeinsam werden Lösungen gesucht, die ihre psychische Belastung reduzieren helfen. Die Teilnahme erfolgt über Aktivierungs- und Vermittlungsgutscheine. Sie dauert bei INGE in der Regel zwölf Monate mit der Option auf einmalige Verlängerung um sechs Monate. Die Teilnahme an GUNDA beträgt vier Monate inklusive eines Praktikums, das den Wiedereinstieg in den Arbeitsmarkt erleichtern soll.
Welche Bedeutung haben psychosoziale Förderangebote für erwerbslose Menschen?
Das Projekt INGE wurde bereits erfolgreich evaluiert, die Evaluation von GUNDA läuft zurzeit noch. Für Wissenschaftlerin Melissa Schütz vom KAP steht der Transfer psychologischer Erkenntnisse in die arbeitsmarktpolitische Praxis im Vordergrund. Wie die Evaluation zeigt, geht die Teilnahme an INGE mit einer verbesserten psychischen Gesundheit bei den Teilnehmenden einher. Schwere Depressions- und Angstsymptome konnten bereits nach sechs Monaten Projektteilnahme reduziert werden. Teilnehmende konnten ihre Selbstfürsorge verbessern und berichteten verbessertes Wohlbefinden. Dazu trägt auch eine gestärkte Alltagsstruktur bei. Gerade Menschen, die an kein anderes Angebot angebunden sind – zum Beispiel nach einem Klinikaufenthalt oder wenn ihnen ein Therapieplatz fehlt – können also von der Teilnahme profitieren.
„Der Zusammenhang zwischen Erwerbslosigkeit und Gesundheit wird von der psychologischen Forschung seit Langem untersucht. INGE und GUNDA bieten uns die Möglichkeit, die Erkenntnisse psychologischer Evaluationsforschung direkt zur Weiterentwicklung der beiden Angebote zu nutzen. Auf diese Weise können wir ihre gesundheitsfördernde Wirkung verbessern und die Wirksamkeit des Ansatzes über die Region hinaus bekannt machen“, sagt Schütz.
Belastbarkeit Schritt für Schritt austesten
Gefördert wird die Evaluation durch die DAA-Stiftung Bildung und Beruf. Referatsleiter Dr. Till Werkmeister hat überzeugt, wie innovativ das Projekt konzipiert wurde: „INGE ist so erfolgreich, weil es den Anforderungen des Jobcenters an Aktivierungs- und Vermittlungsmaßnahmen entspricht, dabei aber weitgehend auf die Bedarfe von Teilnehmenden mit psychischen Belastungen eingeht. Dazu zählen vor allem die Dauer, der Fokus auf die psychische Stabilisierung bei relativ geringem Sanktionsdruck sowie die hohe Flexibilität, über die Teilnehmende ihre individuelle Belastbarkeit Schritt für Schritt austesten können. Dies ist durch die begleitende Forschung deutlich geworden.“
Unsere Gesprächspartner*innen wünschen sich eine größere Offenheit gegenüber innovativen Ansätzen in der Arbeitsförderung. Projektträger entwickeln immer wieder innovative Ansätze, tragen aber ein hohes finanzielles Risiko. Es sollte daher mehr Möglichkeiten geben, wissenschaftlich begleitete und nachweislich wirksame Modellprojekte in die Regelförderung zu überführen.
Anforderungen an eine bessere Verzahnung von Arbeits- und Gesundheitsförderung im Land Bremen
Gesundheitsversorgung gehört zwar nicht zu den Kernaufgaben der Jobcenter. Dennoch können sie ihren Auftrag, Menschen dauerhaft in den Arbeitsmarkt zu integrieren, häufig nur gemeinsam mit dem Gesundheitswesen erfüllen. Das gilt insbesondere für Menschen mit psychischen Erkrankungen oder anderen gesundheitlichen Beeinträchtigungen. Hinzu kommt, dass viele Betroffene aus unterschiedlichen Gründen – etwa wegen Sprachbarrieren, eingeschränkter Mobilität oder fehlender Kenntnisse über bestehende Angebote – den Weg in das Gesundheitssystem nur schwer finden. Auch schwer psychisch erkrankte Leistungsberechtigte sind beim Zugang zu passenden Hilfen häufig benachteiligt.
Mit dem 2024 eingeführten § 16k SGB II können Jobcenter Arbeitsuchende über ganzheitliche Betreuungsangebote unterstützen. Individuelles Coaching, Kriseninterventionen und aufsuchende Beratung sollen Menschen in schwierigen Lebenslagen stabilisieren und ihre Beschäftigungsfähigkeit stärken. Das Instrument wird vor allem genutzt, um junge Menschen beim Übergang in Ausbildung zu begleiten. Die Teilnahme ist freiwillig, ein Rechtsanspruch auf die Leistung besteht nicht.
Niedrigschwellige Unterstützungsangebote in Bremen und Bremerhaven
Ergänzend hat das Land Bremen mit dem Projekt „Arbeit im Fokus“ ein eigenes Angebot für Jobcenter-Leistungsbeziehende mit psychischen Belastungen geschaffen. Der Zugang ist niedrigschwellig, da für die Teilnahme keine medizinische Diagnose erforderlich ist. Die Beratung orientiert sich ausschließlich am individuellen Unterstützungsbedarf. Ein besonderes Merkmal des Angebotes ist die Zusammenarbeit von professionellen Coaches und ausgebildeten Genesungsbegleiter*innen. Diese haben eigene Erfahrungen mit psychischen Krisen gemacht und können daher zu Bewältigungsstrategien, Genesung und Unterstützungsangeboten beraten. Die Ratsuchenden bekommen Impulse zum Genesungsprozess und zur Beschäftigungsaufnahme. Längere Beratungsprozesse werden gemeinsam mit den Teilnehmenden fortlaufend überprüft und angepasst.
Ein weiterer Erfolgsfaktor des Angebotes ist die enge Zusammenarbeit mit Fachkräften der Arbeitsvermittlung und Arbeitgebern. Dadurch unterstützt das Projekt nicht nur die gesundheitliche Stabilisierung der Teilnehmenden, sondern auch die Arbeitsvermittler*innen und Unternehmen dabei, Kompetenzen im Umgang mit psychisch belasteten Arbeitsuchenden aufzubauen. Über dieses Netzwerk kann „Arbeit in Fokus“ den Teilnehmenden zugleich Wege in Ausbildung oder Beschäftigung eröffnen. Für die Beratenen hat sich die Verlässlichkeit des Angebots über einen längeren Zeitraum als wichtiger Anker erwiesen.
Auch Bremerhaven schließt mit dem aus Bundesmitteln geförderten Projekt „JuGembU – Junge Geflüchtete mit erhöhtem Unterstützungsbedarf“ eine wichtige Lücke. Das neue Angebot richtet sich an gesundheitlich beeinträchtigte Geflüchtete bis 27 Jahre und verbindet passende individuelle Lernangebote mit Angeboten zur Gesundheitsförderung, psychosozialer Stabilisierung und sozialen Teilhabe, um darüber auch den Übergang in eine Ausbildung zu unterstützen.
Gesundheitsförderung muss als fester Bestandteil der Arbeitsmarktintegration verankert werden
Aufgrund des engen Wechselverhältnisses zwischen gesundheitlichen Einschränkungen und Erwerbslosigkeit müsste es ein gemeinsames Anliegen aller Akteure vor Ort sein, die Zusammenarbeit zwischen Arbeitsförderung, Gesundheitsförderung und -versorgung systematisch für alle Adressat*innengruppen zu stärken. Eine verlässliche Kooperation sollte möglichst verhindern, dass Betroffene zwischen verschiedenen Zuständigkeiten hin- und hergeschoben werden. Wie gut ist Bremen in dieser Frage aktuell aufgestellt?
Darüber haben wir mit Laurens Frederking gesprochen. Er ist Fachreferent bei der Landesvereinigung für Gesundheit und Akademie für Sozialmedizin in Niedersachsen und Bremen e.V. (LVG & AFS) und koordiniert das Programm „teamw()rk für Gesundheit und Arbeit“ in Bremen.
Das Programm wird aus Mitteln der Gesetzlichen Krankenversicherungen gefördert und von der LVG & AFS umgesetzt. Partnerorganisationen sind die Gesetzlichen Krankenkassen, die Kommunen sowie Jobcenter und Arbeitsagenturen. Im Rahmen des Programms arbeitet Laurens Frederking daran mit, für die Bedarfe erwerbsloser Menschen als eigenständige Adressat*innen der Gesundheitsförderung zu sensibilisieren, die Erreichbarkeit der Maßnahmen der Gesundheitsförderung für diese Gruppe zu verbessern und den Zugang für Leistungsbeziehende zur Gesundheitsförderung und auf diese Weise auch ihre Teilhabechancen auf dem Arbeitsmarkt zu erhöhen.
Lokale Steuerungsgruppen wichtig
Für das übergeordnete Ziel, Gesundheits- und Arbeitsförderung dauerhaft besser miteinander zu verzahnen, sind die lokalen Steuerungsgruppen der entscheidende Baustein. Vertreter*innen der Jobcenter, Gesetzlichen Krankenversicherungen, Kommunen und Programmkoordination tauschen sich in diesen Runden mit weiteren lokalen Akteur*innen bezüglich der gesundheitsbezogenen Bedarfe von Menschen in Erwerbslosigkeit aus und beschließen gemeinsam die Angebote im Rahmen des teamw()rk-Programms.
Um der Dialoggruppe selbst ein Angebot zu machen, beraten so z. B. externe Gesundheitsberater*innen in den Geschäftsstellen des Jobcenters Bremen und im Jobcenter Bremerhaven zu verschiedenen gesundheitsbezogenen Bedarfen und Fragestellungen. Ratsuchende werden in der Regel durch die Fachkräfte des Jobcenters auf dieses Angebot aufmerksam gemacht und können selbst einen Termin vereinbaren. Weil es sich bei den Gesundheitsberater*innen um externe Fachkräfte handelt, können die Ratsuchenden offener über ihre gesundheitlichen Anliegen sprechen und sich gezielter beraten lassen als es im Vermittlungsalltag im Jobcenter oft möglich ist. Gesundheitsberatung, psychosoziale Stabilisierung und die Vermittlung in weiterführende Hilfen stehen im Mittelpunkt der Beratung. Über das Programm können zudem verschiedene Präventionskurse (z.B. zur Stressbewältigung oder gesunden Ernährung) kostenlos absolviert werden, in die in der Gesundheitsberatung gezielt vermittelt wird. Niedrigschwellige, programmeigene Gesundheitskurse spezifisch für Menschen in Erwerbslosigkeit werden über das Programm direkt in den Quartieren angeboten. Aufgrund der bisherigen, positiven Erfahrungen soll diese Arbeit mit Multiplikator*innen in den Quartieren gestärkt werden. Dadurch soll noch besser gewährleistet werden, dass Ratsuchende im Anschluss an die Beratung durch die Berater*innen auch wirklich den Weg zum passenden Gesundheitsangebot in ihrem Quartier gehen.
Neben den Angeboten direkt vor Ort werden über das Programm auch verschiedene standortübergreifende Formate organisiert. Hierzu zählen unter anderem
- für die Fachwelt: der Newsletter „Gesundheit und Erwerbslosigkeit“ sowie jährliche Fachtage
- für Erwerbslose auf der Suche nach Informationen und Angeboten vor Ort: die Webseite „meine-gesundheit-staerken.de“
- für Fachkräfte der Arbeitsförderung: die monatliche Telefonfortbildung „Kurzwahl Gesundheit“ sowie themenspezifische Schulungen.
Die Resonanz der Jobcenter auf die Telefonfortbildung ist sehr gut. Angesichts ihrer hohen Arbeitsdichte ist den Mitarbeitenden die niedrigschwellige Teilnahme wichtig: sie können von ihrem Arbeitsplatz aus daran teilnehmen und müssen sich pro Fortbildung nur eine Stunde dafür reservieren. Die Bandbreite der Themen reicht von einer sensiblen Beratung zum Thema Sucht über die Stärkung der eigenen Resilienz im stressigen Beratungsalltag bis zu den gesundheitlichen Folgen von Rassismus- und Diskriminierungserfahrungen.
Für Laurens Frederking steht die Verzahnung der Arbeitsmarktintegration mit der Gesundheitsförderung immer noch relativ am Anfang. Die Weltgesundheitsorganisation hat sich schon 1986 mit der Ottawa-Charta zur Gesundheitsförderung ein politisches Leitbild gegeben, das die die Stärkung individueller Gesundheitsressourcen eng mit der Gestaltung gesundheitsförderlicher Lebenswelten verknüpft und die Förderung der Gesundheit als bereichsübergreifende Querschnittsaufgabe einordnet. Gemessen daran bleibt aus seiner Sicht noch viel zu tun. Weil Erwerbslosigkeit nicht ausnahmsweise, sondern regelmäßig gesundheitliche Beeinträchtigungen verstärkt oder krank macht, ist es die Regel und nicht die Ausnahme, dass Erwerbslose mehr als eine kurzfristige oder ausschließlich aktivierende Arbeitsfördermaßnahme brauchen. Gesundheitsförderung muss also ein regelmäßiger Bestandteil der arbeitsmarktpolitischen Förderung werden und darf nicht nur ein ergänzendes Angebot sein. Auch die Angebote der Gesundheitsförderung könnten noch stärker auf die Bedarfe von Menschen in Erwerbslosigkeit eingehen.
Perspektivwechsel benötigt
Laurens Frederking: „Auf einen gesellschaftlichen Perspektivwechsel, der die Belastungen, die mit Erwerbslosigkeit einhergehen, stärker anerkennt und psychische Erkrankungen generell enttabuisiert, müssen wir immer noch hinarbeiten. Zu diesem Perspektivwechsel gehört auch, dass Gesundheitsförderung weit über eine rein medizinische Versorgung hinausgeht.“
Weil der Verlust sozialer Beziehungen, das Wegbrechen der Alltagsstruktur und Stigmatisierungserfahrungen die Rückkehr in den Arbeitsmarkt zusätzlich erschweren, sind integrative Angebote gerade für Langzeiterwerbslose auch am erfolgreichsten. Sie verbinden eine gesundheitliche Stabilisierung mit psychosozialer Unterstützung und einer Berufsorientierung im engen Sinne der Arbeitsmarktintegration. Evaluationen weisen nach, dass gerade die psychische Gesundheit der Teilnehmenden davon profitiert. Integrative Angebote erreichen bislang aber nur einen kleinen Teil der potenziellen Adressat*innen.
Das noch bis Ende 2028 laufende Bundesprogramm „Innovative Wege zur Teilhabe am Arbeitsleben – rehapro“ fördert Kooperationsprojekte zwischen Jobcentern und der Deutschen Rentenversicherung. Die Projekte zielen darauf ab, Menschen mit gesundheitlichen Einschränkungen so zu fördern, dass eine Chronifizierung ihrer Erkrankung und dauerhafte Erwerbsminderung möglichst vermieden werden. Gefördert werden insbesondere Ansätze zur Krankheitsprävention, Wiederherstellung der Erwerbsfähigkeit, Teilhabe am Arbeitsleben bei stark eingeschränkter Gesundheit oder Verbesserung der Schnittstellen zwischen den beteiligten Institutionen. Laurens Frederking sieht auch in diesem Programm viele überzeugende Impulse für eine integrative Arbeits- und Gesundheitsförderung.
Therapien schwierig zu finden
Zugleich zeigen die bislang erprobten integrativen Ansätze aber auch den großen Bedarf nach professioneller psycho-sozialer Unterstützung auf. Viele Betroffene benötigen nicht nur Präventionsangebote, sondern therapeutische Unterstützung. Vielleicht haben sie aber noch gar keine Hausarztpraxis und erst recht keinen Zugang zu fachärztlicher Behandlung. Gerade im Bereich psychischer Erkrankungen haben viele Menschen große Schwierigkeiten, einen Therapieplatz zu finden. Und wenn ihnen das gelingt, haben sie häufig noch eine Wartezeit durchzustehen. Auch in Bremerhaven und Bremen sind die Jobcenter daher bemüht, neue Angebote einzuführen, die die Erfahrungen der Bundes- und Landesmodellprojekte aufgreifen, um insbesondere Menschen mit psychischen Beeinträchtigungen bedarfsgerechter zu unterstützen. Der Bedarf danach ist groß.
Laurens Frederking sieht mit Sorge, dass verschärfte Sanktionen in der neuen Grundsicherung für Arbeitsuchende in dieser Situation zusätzlichen Druck auf die gesundheitlich bereits belasteten Leistungsempfänger*innen ausüben: „Gerade für Menschen mit psychischen Erkrankungen stellen die Verschärfungen in der neuen Grundsicherung trotz Härtefallregelungen eine enorme Belastung dar. Zunehmender Druck, Sanktionen und die fortschreitende Stigmatisierung von Erwerbslosen werden die gesundheitliche Situation vieler Menschen in Erwerbslosigkeit weiter verschlechtern. Stattdessen braucht es ganzheitliche Unterstützungs- und Beratungsangebote, die die soziale und gesundheitliche Lebenslage der Betroffenen berücksichtigen, um Menschen wirklich nachhaltig in den Arbeitsmarkt zu vermitteln.“
Interview mit Thomas Altgeld

Altgeld
Altgeld
Das Selbstbild der Männer wir stärker gekränkt.
Offener Bedarf an geschlechtersensiblen Angeboten
Geschlechterspezifische Unterschiede spielen auch eine Rolle im Verhältnis von gesundheitlichen Einschränkungen und Erwerbslosigkeit. Wir haben Thomas Altgeld, der nicht nur Geschäftsführer der LVG, sondern auch Vorsitzender des Bundesforums Männer ist, dazu interviewt. Er unterstreicht, dass nach wie vor stereotype traditionelle Rollenbilder das Gesundheitsverhalten von Frauen und Männern unterschiedlich prägen.
Frauen gehen im Durchschnitt weniger Gesundheitsrisiken ein als Männer – was auch das Risiko langzeitarbeitsunfähig oder erwerbslos zu werden beeinflussen kann. Umgekehrt belastet Erwerbslosigkeit gerade Väter häufig stärker, wenn sie ihr Rollenverständnis in der Familie stark über ihre Erwerbstätigkeit und Rolle als Haupternährer definieren. Wir haben in der Arbeitsförderung erwerbsloser Menschen einen Nachholbedarf an ressourcenorientierten Ansätzen, die Erwerbslose dabei unterstützen, erreichbare Gesundheitsziele zu entwickeln. Idealerweise berücksichtigen diese Angebote gezielt unterschiedliche Lebenslagen sowie gesundheitliche – insbesondere psychische – Belastungen. Gerade für junge erwerbslose Männer sieht Thomas Altgeld eine große Angebotslücke.
Wir sprechen in diesem Text durchgängig von Erwerbslosigkeit und erwerbslosen Menschen, um deutlich zu machen, dass es sich um Erwerbsarbeit handelt. Carearbeit ist häufig unbezahlt, und viele Menschen engagieren sich ehrenamtlich. Erwerbslos zu sein bedeutet also nicht zwangsläufig, keine Arbeit zu haben. Die Arbeitsmarktstatistik spricht durchgängig von Arbeitslosigkeit und arbeitslosen Personen. Sofern wir uns auf die Statistik der Bundesagentur für Arbeit beziehen, behalten wir diese Bezeichnungen bei, um Verwirrungen zu vermeiden.
Weiterführende Links
Ihr Kontakt

Politikberatung
Dr. Alexandra Krause
Referentin für Arbeitsmarkt- und Beschäftigungspolitik


