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© 2025 Arbeitnehmerkammer Bremen

05.06.2025

Weiterbildung stärkt Integration und Demokratie

​​​​​​​Gemeinsame Kampagne setzt sich für Investitionen in die Weiterbildung ein

An die Weiterbildung werden hohe Erwartungen und Qualitätsanforderungen gestellt: Sie soll zur Fachkräftesicherung beitragen, die Transformation von Wirtschaft, Arbeitsmarkt und Gesellschaft mitgestalten und dabei helfen, die Demokratie zu verteidigen. Gleichzeitig drohen ihr aktuell finanzielle Einschnitte. In Anbetracht der anstehenden Haushaltsverhandlungen setzen sich die Arbeitnehmerkammer Bremen, die wisoak, das Paritätische Bildungswerk Bremen sowie Arbeit und Leben Bremen deswegen dafür ein, mehr in Weiterbildung und Sprachförderung zu investieren. Dafür haben sie gemeinsam die Social-Media-Kampagne „Weiterbildung stärken“ auf den Weg gebracht: In sieben Videos berichten unter anderem Teilnehmende von Bildungsangeboten von ihren Erfahrungen.

Drohende Kürzungen angesichts angespannter Haushaltslage

Bereits betroffen von drastischen Kürzungen sind insbesondere Sprachkurse. Auch wenn diese primär durch den Bund finanziert werden, ist es üblich und zielführend, ergänzende Angebote auf Landesebene zu finanzieren. „Sprache ist die wichtigste Voraussetzung für die Arbeitsmarktintegration“, so Elke Heyduck, Geschäftsführerin der Arbeitnehmerkammer. „Bremen muss sich im Bund für die Ausweitung der Sprachkurse stark machen – aber mindestens übergangsweise auch eigene Mittel in größerem Umfang zur Verfügung stellen“, fordert sie.

Aber auch in der Weiterbildungsförderung drohen Kürzungen. Im letzten Jahr konnte eine Kürzung von acht Prozent abgewendet werden – angesichts der angespannten Haushaltslage steht das Budget für die Weiterbildung erneut unter Druck. Schon seit langem fordern Arbeitnehmendenvertretungen eine Aufstockung dieser Mittel. Insgesamt beläuft sich der jährliche Mehrbedarf in der Weiterbildungsförderung auf mindestens 800.000 Euro. „Dieser Mehrbedarf muss in den Haushaltsverhandlungen zwingend berücksichtigt werden, um das Weiterbildungsangebot nicht zu gefährden“, so Heyduck.

Sprachkurse grundlegend für Teilhabe am Arbeitsleben

„Der Berufssprachkurs ermöglicht mir, die Arbeitswelt in Deutschland kennenzulernen“, sagt die Sozialarbeiterin Hripsime K. im Rahmen der Kampagne. Doch sowohl auf Bundes- als auch auf Landesebene wurden die Möglichkeiten zum Spracherwerb zuletzt deutlich eingeschränkt.

Aktuell können bei weitem nicht alle benötigten Kurse angeboten werden – das gilt sowohl für Integrations- als auch Berufssprachkurse. So fallen die sogenannten Wiederholer*innenstunden für Teilnehmende von Integrationskursen (B1-Sprachkurse) weg und auch Berufssprachkurse auf A2-, B1-, C1- und C2-Niveau finden nicht mehr statt. Das einzige verbleibende berufsfeldübergreifende Kursformat sind B2-Berufssprachkurse – und auch hier wurde stark reduziert. Der Bedarf an B2-Berufssprachkursen ist deutlich größer als das Angebot, wie Rosi Leinfelder vom Paritätischen Bildungswerk Bremen weiß: „Unsere Zahlen im Agenturbezirk Bremen/ Bremerhaven verdeutlichen die dramatische Lage bei den Berufssprachkursen. 2024 wurden noch durchschnittlich 28 B2-Kurse im Quartal angeboten. In diesem Jahr waren es im ersten Quartal nur noch 13, im zweiten Quartal sogar nur noch neun. Das bedeutet schätzungsweise 330 bis 418 Personen konnten keinen Berufssprachkurs mit dem Ziel B2 absolvieren“.

Bremen muss entstandene Lücken füllen

Sprache ist auch ein arbeitsmarktpolitisches Thema – und in dem Sinne eines, dessen sich die Länder annehmen müssen. Bremen hat diese Aufgabe wahrgenommen, indem über den Europäischen Sozialfonds (ESF) sowohl ergänzende Sprachkurse als auch Koordinierungsangebote auf Landesebene finanziert wurden. Ein Großteil dieser Angebote endete jedoch mit Beginn des Jahres. Kommunale Sprachkurse bestehen weiterhin, werden in diesem Jahr aber von der Stadtgemeinde Bremen genutzt, um vor allem die weggefallenen Wiederholer*innenstunden für Integrationskurse aufzufangen. „Das ist gut, aber gemessen am Bedarf ein Tropfen auf den heißen Stein“, mahnt Heyduck. „Zudem ist die halbe Million für dieses Angebot für 2025 bereits komplett ausgeschöpft“.

Weiterbildung fördert Teilhabe an Gesellschaft

Komplett in Landesverantwortung ist das Bremische Weiterbildungsgesetz. Dieses erkennt die allgemeine, politische und berufliche Weiterbildung als eigenständigen und gleichberechtigten Teil des Bildungswesens an. Und dieser Aspekt ist heute so wichtig wie damals: Denn die Fokussierung der öffentlichen Debatte allein auf die beruflich-betriebliche Weiterbildung ist nicht ausreichend. Weiterbildung geht darüber hinaus: Es geht um die Bewältigung von strukturellen Veränderungen, die Gestaltung von Gesellschaft und die freie Persönlichkeitsentfaltung. Auch die allgemeine und politische Weiterbildung wird dringend gebraucht, um Beschäftigte für Ehrenämter und freiwilliges Engagement, für Familien und häusliche Pflegearbeit zu qualifizieren und um die politische und persönliche Urteilskraft zu stärken.

Ausgaben für Weiterbildung in Bremen sinken

Doch der Weiterbildungsbereich in Bremen ist unterfinanziert, die öffentlichen Ausgaben sind in den letzten 20 Jahren um 32 Prozent gesunken. Aufgrund der Haushaltslage ist eine weitere Kürzung nicht unwahrscheinlich. Politische Erwachsenenbildung sowie Grundbildungsangebote wären verhältnismäßig stark von potenziellen Kürzungen betroffen, da sie anteilig höher bezuschusst werden.

Weiterbildung schützt die Demokratie

Die Notwendigkeit von Aufklärung war noch nie so dringlich. „Wenn ich die Demokratie schützen möchte, muss ich die Menschen bilden – auch politisch“, so Mehmet A., Teamer in der politischen Bildung, im Rahmen der Kampagne. Doch auch die politische Bildung ist unterfinanziert.

Jens Tannenberg, Geschäftsführer von Arbeit und Leben Bremen, sagt: „Politische Bildung hinterfragt Machtstrukturen und stärkt somit die Mündigkeit sowie die Urteilsfähigkeit von Menschen. In Zeiten autoritärer Angriffe auf unsere Gesellschaft ist politische Bildung daher unerlässlich“.

Über Bildungszeit in die Weiterbildung

Ebenfalls unterfinanziert: die Bildungszeit. Es ging und geht in der Bildungszeit noch heute darum, über den Tellerrand hinaus zu schauen und sich neues Wissen anzueignen. „Das Beste an der Bildungszeit sind Perspektivwechsel“, sagt auch die Heilerzieherin Mercedes Dargatz, im Rahmen der Kampagne. Dominic Bergner, Geschäftsführer der wisoak, betont: „Bildungszeiten sind besonders wichtig, weil sie häufiger bildungsferne Beschäftigtengruppen erreichen als andere Bildungsformate und damit den Einstieg in Weiterbildungsprozesse erleichtern“.

Die Forderungen der Arbeitnehmerkammer

  1. Die Haushaltsverhandlungen müssen den Mehrbedarf in der Weiterbildungsförderung von mindestens 800.000 Euro berücksichtigen, um das Weiterbildungsangebot nicht zu gefährden.
  2. Auf Bundesebene müssen, wie in den Koalitionsverhandlungen festgehalten, die Mittel für Integrationskurse wieder auf ein bedarfsgerechtes Niveau angehoben werden. Die neueste Änderung der Integrationskursverordnung muss überarbeitet werden.
  3. Das Land Bremen sollte die geplante Bundesratsinitiative zur ausreichenden Finanzierung der Berufssprachkurse thematisch auf das „Gesamtprogramm Sprache“ ausrichten und schnellstmöglich auf den Weg bringen.
  4. Solange der Bund seiner Pflicht nicht nachkommt, muss das Land Bremen Mittel zur Verfügung stellen, sodass mehr Menschen bedarfsgerechte Sprachkurse in Anspruch nehmen können – in Bremen und Bremerhaven. In den anstehenden Haushaltsverhandlungen müssen diese Mittel eingeplant werden. Auch die kommunalen Sprachkurse müssen dabei weiterhin bedacht werden.

Weitere Informationen zur Kampagne:
https://www.arbeitnehmerkammer.de/weiter-bilden.html

Alle Videos zur Kampagne  finden Sie hier.

Ansprechpartnerinnen:

Rosi Leinfelder, Paritätisches Bildungswerk Bremen
+49 (0)421 17 47 222, r.leinfelder@pbwbremen.de

Lea von der Mosel, Arbeitnehmerkammer Bremen,
+49 (0)421 36301 933, l.vondermosel@arbeitnehmerkammer.de

Thomas Gebel, wisoak,
+49 (0)421 4499-888, T.Gebel@wisoak.de

Jens Tannenberg, Arbeit und Leben Bremen,
+49 (0)421 960 89 15, j.tanneberg@aulbremen.de

 

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