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© 2025 Arbeitnehmerkammer Bremen

18.12.2024

Schlechter bezahlt, häufiger ausgebeutet

Arbeitnehmerkammer legt neue Daten zu migrantischen Beschäftigten im Land Bremen vor

Ein Viertel aller Beschäftigten im Land Bremen hat bereits heute eine Migrationsgeschichte. Grund genug für die Arbeitnehmerkammer, zum Internationalen Tag der Migrant*innen am 18. Dezember die Lage der migrantischen Beschäftigten mit neuen Daten genauer zu analysieren. Dabei wird klar: Sie verdienen in Bremen im Schnitt zwölf Prozent weniger als Beschäftigte ohne Einwanderungsbiografie. „Die Bedingungen sind für Menschen mit Migrationsgeschichte zumeist schlechter: Sie arbeiten häufiger unterhalb ihrer Qualifikation und sind stärker durch unsichere Arbeitsverträge belastet“, sagt Elke Heyduck, Geschäftsführerin der Arbeitnehmerkammer. 
„Wenn wir möchten, dass diese Menschen sich für Bremen entscheiden, muss klar sein, dass sie sich willkommen fühlen und zu fairen Bedingungen arbeiten können.“

Die Zahl der ausländischen Beschäftigten steigt
Jede*r zehnte Bremer Beschäftigte gilt als Ausländer*in, die Zahl der Personen mit Migrationsgeschichte ist noch deutlich größer: Damit gemeint sind all diejenigen, die entweder selbst im Ausland geboren sind oder einen Elternteil haben, auf den das zutrifft. Für den bremischen Arbeitsmarkt sind diese Menschen enorm wichtig: In den vergangenen zehn Jahren geht der Beschäftigungszuwachs in Bremen vor allem auf Ausländer*innen zurück: Ihre Zahl hat sich in dieser Zeit mehr als verdoppelt. Fast zwei Drittel aller sozialversicherten Jobs, die in den vergangenen zehn Jahren im Land Bremen neu entstanden sind, wurden mit Ausländer*innen besetzt. Knapp 40 Prozent der ausländischen Beschäftigten kommen dabei aus der EU.
Die Altersverteilung unterscheidet sich deutlich: Während schon jede*r vierte deutsche Beschäftigte über 55 Jahre alt ist, ist es nur jede*r zehnte ausländische. „Zuwanderung ist im demografischen Wandel von besonderer Bedeutung, schließlich verlassen viele Bremer Beschäftigte in den nächsten zehn Jahren altersbedingt ihre Jobs“, betont Heyduck.

Ausländische Beschäftigte arbeiten häufiger prekär
Zugleich arbeiten ausländische Beschäftigte besonders häufig unterhalb ihrer eigenen Qualifikation: Mehr als 40 Prozent geben an, für ihre aktuelle Tätigkeit überqualifiziert zu sein. Besonders häufig arbeiten Ausländer*innen im Bereich „Verkehr & Lagerei“, der Gastronomie, der Leiharbeit und im Reinigungsgewerbe. Sie haben besonders oft Jobs, für die kein Ausbildungsabschluss erforderlich ist. Die Gründe sind vielfältig: Erforderliche Deutschkenntnisse, komplexe Anerkennungsverfahren, der schwierige Zugang zu Netzwerken, die für die Jobsuche hilfreich sind. Auch Diskriminierungen in Einstellungsverfahren und am Arbeitsplatz spielen eine Rolle.

„Auch bei der Zuwanderung ist Bildung das Zauberwort“, sagt Heyduck.
„Wir haben zwar den „Job-Turbo“, der Zugewanderte früh in den Arbeitsmarkt integrieren soll. Doch zu viele von ihnen steigen als Helfende ein. Sie müssen jederzeit Zugang zu Qualifizierung, Anerkennung, Sprachförderung und damit zum Berufsabschluss bekommen. Wir verschenken Potenziale, wenn wir nicht möglichst viele Menschen zu Fachkräften ausbilden.“

Ein Drittel arbeitet zum Niedriglohn
Die Beschäftigung auf niedrigen Qualifikationsniveaus ist eine Ursache für die große Lohnlücke zwischen deutschen und nicht-deutschen Beschäftigten: Ausländer*innen verdienen monatlich durchschnittlich 31 Prozent – oder 1.275 Euro – weniger. Zum Vergleich: Bundesweit sind es 23 Prozent. Zugleich arbeitet mehr als ein Drittel der ausländischen Beschäftigten im Land Bremen zu einem Niedriglohn, also für weniger als 2.530 Euro brutto monatlich. Unter den Beschäftigten mit deutschem Pass betrifft dies nur etwa zehn Prozent.

Auch von Arbeitsausbeutung sind Beschäftigte mit Migrationsgeschichte häufiger betroffen: jeder/jedem Zehnten werden die Überstunden nicht ausgeglichen, sechs Prozent erhalten nicht den gesetzlichen Mindestlohn, während dies nur rund zwei Prozent der Beschäftigten ohne Migrationsgeschichte betrifft. Aufgrund ihrer Lebenslage haben sie vielfach weniger Möglichkeiten, sich zur Wehr zu setzen.

Die Forderungen der Arbeitnehmerkammer

- Um Fälle von Arbeitsausbeutung aufzudecken, müssen die Finanzkontrolle Schwarzarbeit des Zolls und die Gewerbeaufsicht personell gestärkt werden. Nur so ist es möglich, dass ab 2026 wie vorgeschrieben jährlich fünf Prozent aller Betriebe geprüft werden.

- Die auf Landesebene bestehenden Anerkennungsverfahren müssen weiterentwickelt werden, um zeitliche, bürokratische und finanzielle Hürden abzubauen. Die Finanzierung für berufsbezogene Ausgleichsmaßnahmen und Sprachförderangebote für Erzieher*innen und Lehrkräfte über Bundesmittel ist ausgelaufen. Die Landesregierung muss solche Angebote absichern und verstetigen.

- Mit der neuen bundesweiten Integrationskursverordnung geht eine massive Kürzung der Bundesmittel einher – die Möglichkeiten zum Spracherwerb sind nun stark eingeschränkt. So werden Angebote für spezielle Zielgruppen, wie Jugendintegrationskurse, gestrichen. Die Möglichkeit, Sprachkurse zu wiederholen, wird minimiert – egal, welches Sprachniveau erreicht ist. Gute Kenntnisse der deutschen Sprache sind aber die Voraussetzung für eine nachhaltige Integration auf dem Arbeitsmarkt. Wir fordern die Bremer Politik auf, sich im Bund für eine auskömmliche Finanzierung der Kurse einzusetzen. Solange diese nicht gesichert ist, müssen Landesmittel zur Verfügung gestellt werden, die allen Interessierten den bedarfsgerechten Erwerb von Deutschkenntnissen ermöglichen.

Das KammerKompakt „Bremer Beschäftigte mit Migrationsgeschichte – noch immer benachteiligt“ finden Sie auf unserer Website unter www.arbeitnehmerkammer.de/kammerkompakt
 

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