12.08.2025
Weniger Minijobs, mehr Teilzeitarbeit
Arbeitnehmerkammer legt neue Daten zur Beschäftigung von Frauen auf dem bremischen Arbeitsmarkt vor
Immer mehr Frauen im Land Bremen arbeiten sozialversichert, immer häufiger sind Frauen hier auf hochqualifizierten Positionen beschäftigt. Minijobs, die keine Absicherung bieten, aber gerade bei Frauen weit verbreitet sind, wurden in den vergangenen zehn Jahren abgebaut – der Trend zur sozialversicherten Teilzeitbeschäftigung setzt sich fort. Das zeigt eine aktuelle Analyse der Arbeitnehmerkammer. „Es ist gut, dass mehr und mehr Frauen sozialversichert arbeiten – nur leider noch zu häufig in Teilzeit und damit oft nicht existenzsichernd. Vollzeitstellen sind auch heute für Männer die Norm, für Frauen nicht“, sagt Elke Heyduck, Geschäftsführerin der Arbeitnehmerkammer. „Aber gerade in frauendominierten Branchen reichen die Löhne dann oft nicht für ein eigenständiges Leben. Unabhängigkeit ist so nicht möglich!“
Bremen steht im Ländervergleich nicht gut da
2024 waren im Land Bremen 209.750 Männer, aber nur 175.008 Frauen berufstätig. Von der günstigen Arbeitsmarktlage der letzten Jahre profitierten Männer stärker als Frauen. Zwar hat die Zahl der in Bremen erwerbstätigen Frauen in den vergangenen zehn Jahren um 18.237 zugenommen, doch arbeitet weniger als die Hälfte der Frauen in Vollzeit. Der Anteil der Frauen in sozialversicherten Teilzeitjobs ist seit 2014 von 39 auf 45 Prozent gestiegen.
Nirgendwo sind mehr Frauen auf Angehörige oder den Staat angewiesen, um ihr Leben zu finanzieren, als hier: 33 von 100 erwerbsfähigen Bremerinnen arbeiteten 2024 weder sozialversichert oder in einem Minijob noch waren sie selbstständig. Die Erwerbstätigenquote bleibt bei den Bremerinnen stabil niedrig und ist zugleich im Bundesländervergleich die niedrigste. „Bis Frauen und Männer auf dem Bremer Arbeitsmarkt gleichgestellt sind, ist noch ein langer Weg zu gehen“, so Heyduck.
Männer machen, Frauen sorgen
Nach wie vor arbeiten in Bremen die meisten sozialversicherten Frauen im Gesundheitswesen, gefolgt vom Einzelhandel und dem öffentlichen Dienst – knapp 30 Prozent der Frauen sind in diesen drei Branchen beschäftigt. Während im Fahrzeugbau eine Frau neun Männern gegenübersteht, sind im Gesundheitswesen vier von fünf Beschäftigten weiblich und auf sieben Lehrerinnen und Erzieherinnen kommen nur drei Kollegen.
Die starke Trennung der Arbeitswelt in „Männerbranchen“ und „Frauenbranchen“ bleibt also bestehen. „Noch immer gilt: Männer machen, Frauen sorgen. Doch gesehen wird diese Arbeit von Frauen selten“, sagt Heyduck. „Und übrigens: In den sogenannten typischen Frauen- oder Männerberufen ist der Fachkräftemangel am größten. Es sollte also allen ein dringendes Anliegen sein, diese Mauern zu durchbrechen.“ Branchen, in denen besonders viele Frauen arbeiten, müssen aufgewertet werden, um auf Dauer attraktiv zu bleiben und allen gute Beschäftigungsbedingungen zu bieten.“
Frauen führen immer seltener und verdienen weniger
Nicht nur in manchen Branchen, auch auf Chef*innensesseln sind Frauen in Bremen weiterhin die Ausnahme: 2025 war nur jede fünfte Führungsposition mit einer Frau besetzt. Das ist der niedrigste Wert aller Bundesländer: Deutschlandweit ist es etwa jede vierte. Alarmierend ist, dass immer weniger Frauen führen – in Deutschland wie in Bremen. Hier sank der Anteil zwischen 2021 und 2025 allerdings besonders stark. „Das liegt nicht daran, dass Frauen weniger qualifiziert sind“, so Heyduck. „Es zeigt sich wieder einmal, dass die Gesellschaft und der Arbeitsmarkt es den Frauen oft besonders schwer machen.“
Zusammengefasst: Frauen im Land Bremen sind besonders oft in Teilzeit und in Branchen mit vergleichsweise geringer Bezahlung und auch seltener als Führungskräfte beschäftigt. Das erklärt, warum hier die geschlechtsspezifische Lohnlücke mit 17 Prozent knapp über dem Bundesschnitt von 16 Prozent liegt. Im Durchschnitt verdiente eine Arbeitnehmerin in Bremen 2024 pro Stunde 4,60 Euro weniger als ein Mann.
Unterschiedliche Trends bei Frauen mit und ohne deutschen Pass
Im Gegensatz zu Männern arbeiten sozialversichert beschäftigte Frauen im Land Bremen etwas seltener in Jobs, die keine Ausbildung voraussetzen. Zugleich entstehen für Frauen immer mehr qualifizierte Jobs: Der Anteil der Frauen, die als „Spezialistin“ oder „Expertin“ tätig waren – in der Regel Akademikerinnen oder Meisterinnen – stieg in den vergangenen zehn Jahren um fast acht Prozent.
Anders sieht es bei den Frauen ohne deutschen Pass aus: 2024 arbeitete mehr als jede dritte von ihnen als Helferin. Dabei sind sie es, die in erster Linie zur positiven Beschäftigungsentwicklung von Frauen beitragen: Sie hatten mehr als die Hälfte der neuen Stellen inne. Diese Frauen arbeiten aber besonders oft prekär als Minijoberinnen oder als Helferin und sind häufiger in Bereichen mit schlechten Bedingungen tätig. Ohne sie würden viele Bereiche des öffentlichen Lebens nicht mehr funktionieren. „Frauen ohne deutsche Staatsbürgerschaft übernehmen Tätigkeiten, auf die wir alle angewiesen sind: Sie pflegen, reinigen und servieren. Unser Alltag ohne sie ist kaum vorstellbar“, sagt Heyduck. Insgesamt hatten im vergangenen Jahr 12,5 Prozent der Arbeitnehmerinnen keinen deutschen Pass.
Die Forderungen der Arbeitnehmerkammer
- Mehr Qualifizierung
Insbesondere im Gesundheits- und Sozialwesen wird die Beschäftigung als Helferin als niedrigschwelliger Einstieg in Erwerbsarbeit genutzt. Damit der Einstieg nicht zur Sackgasse wird, muss die Qualifizierung zur Fachkraft das Ziel sein – sonst verbleiben gerade ausländische Frauen in prekären Beschäftigungen. Hier ist die Landesregierung gefordert, bedarfsgerechte Unterstützung für Unternehmen sowie Arbeitnehmende anzubieten. - Mehr Sprachkurse
Bremen muss für ein bedarfsgerechtes Sprachkursangebot sorgen, damit Frauen nicht-deutscher Herkunft die Chance auf eine langfristige und qualifizierte Beschäftigung haben. Das geht nur, wenn sie auch die deutsche Sprache beherrschen. Die Landesregierung muss sich auf Bundesebene nachdrücklich dafür einsetzen, dass es genügend Angebote gibt. Die bestehenden Lücken müssen soweit wie möglich mit Landesmitteln aufgefangen werden. - Maßnahmen auf Landesebene umsetzen
Seit 2023 gibt es die Landesstrategie „Gendergerechtigkeit und Entgeltgleichheit im Erwerbsleben“. Sie enthält Maßnahmen, die die bestehenden Ungleichheiten wie den hohen Teilzeitanteil, die niedrigere Bezahlung und die geringe Führungsquote von Frauen beheben sollen. Die Umsetzung etlicher Maßnahmen stockt oder scheitert aufgrund der Haushaltslage. Für den Wirtschaftsstandort und für Fortschritte bei der Gleichstellung ist es unverzichtbar, die Strategie verbindlich umzusetzen. - Öffentliche Unternehmen als Vorbilder für Frauen in Führung
Um den Frauenanteil in den Führungspositionen öffentlicher Unternehmen zu erhöhen, haben viele Bundesländer Regelungen erlassen, die die Gleichstellung bei der Besetzung von Leitungspositionen fördern. In Bremen existieren solche Vorgaben bisher lediglich für Aufsichtsräte. Indem landesrechtlich geregelt wird, dass Unternehmen mit zwei oder mehr Geschäftsführer*innen mindestens eine dieser Positionen mit einer Frau besetzen müssen, wird der strukturellen Benachteiligung hochqualifizierter Frauen entgegengewirkt. Die Unternehmen kommen zudem ihrer Vorbildfunktion für die Privatwirtschaft nach.
Das KammerKompakt „Frauen auf dem Arbeitsmarkt – alte Muster, neue Entwicklungen“ finden Sie hier zum Download: www.arbeitnehmerkammer.de/downloads
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