Eine Luftaufnahme zeigt Bremen von oben mit der Weser rechts im Bild und dem Dom links

Zwischen Krise und Aufschwung

Wirtschafts- und Beschäftigungs­entwicklung in der Stadt Bremen

Sebastian Möller

In der anhaltenden Wirtschaftskrise geht die Schere auf dem Bremer Arbeitsmarkt weiter auseinander: Während neue Stellen für Fachkräfte entstehen, steigt die Arbeitslosigkeit unter den Geringqualifizierten. In der Bremer Industrie ist die Lage besser als die Stimmung, aber die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen bleiben schwierig.

Anhaltende Konjunktur- und Struktur­krise in Deutschland

Die wirtschaftliche Lage war 2025 im dritten Jahr in Folge für viele Beschäftigte und Unternehmen schlecht. Nach zwei Jahren der Rezession hat sich die deutsche Volkswirtschaft 2025 mit einem Wachstum von 0,2 Prozent kaum erholt. Seit 2020 gab es durch die Corona-Pandemie, den Energiepreisschock und die hohe Inflation erhebliche Wohlstandsverluste. Die Reallöhne vieler Beschäftigter liegen unter dem Niveau von 2019. Neben dem massiven öffentlichen Investitions­stau, der sich in den vergangenen Jahrzehnten angehäuft hat, halten sich in dieser angespannten Lage auch viele Unternehmen mit Investitionen zurück, wodurch sich die Wirtschaftskrise weiter verschärft. Auch der Nachfrageimpuls durch das neue Sondervermögen konnte im vergangenen Jahr noch nicht wirksam werden, da die Investitionen erst auf den Weg gebracht werden müssen.

Neben der schwachen Konjunktur befindet sich die deutsche Wirtschaft auch in einer tiefen strukturellen Krise. Das exportorientierte Wirtschaftsmodell gerät angesichts der US-amerikanischen Zollpolitik und wegen der Entwicklung Chinas stark unter Druck.1 Die deutschen Exporte nach China sind seit 2022 um ein Viertel gesunken. China ist mithilfe einer strategischen Industriepolitik und sehr hoher Innovationskraft zu einem wichtigen Konkurrenten aufgestiegen und hat sich in einigen Schlüsseltechnologien (Elektromobilität, Photovoltaik, künstliche Intelligenz) einen erheblichen Vorsprung erarbeitet. Dadurch werden Industriearbeitsplätze in Deutschland zunehmend infrage gestellt. Zahlreiche Unternehmen in Deutschland drohen den Anschluss zu verlieren. Das gefährdet nicht nur die Erreichung der Klimaziele, sondern auch die Zukunftsfähigkeit des Wirtschaftsstandorts.

Positive Beschäftigungsentwicklung trotz Wirtschaftskrise

Obwohl Bremen als starker Industriestandort mit hoher Exportquote besonders anfällig für die beschriebenen wirtschaftlichen Verwerfungen ist, war die hiesige wirtschaftliche Lage 2025 insgesamt besser als die Stimmung. Ende September meldete das Statistische Landesamt für das erste Halbjahr 2025 sogar ein Wachstum von 2,9 Prozent im Land Bremen. Die Zahl der sozialversicherten Beschäftigten ist in der Hansestadt binnen eines Jahres um 3.180 auf 302.219 gestiegen.2 Dieser Zuwachs geht stark auf den Anstieg der Zahl ausländischer Beschäftigter zurück. Mit 1,1 Prozent fällt der Beschäftigungsaufbau deutlich stärker aus als im Vorjahr. Von diesem Stellenaufwuchs haben überdurchschnittlich oft Männer profitiert: Unter den neuen Beschäftigten sind 2.432 Männer, aber nur 748 Frauen. Besonders viele neue Stellen sind bei der Energie- und Wasserversorgung, im Baugewerbe, bei wissensintensiven Dienstleistungen sowie im Gesundheits- und Sozialwesen entstanden. Stellenabbau fand insbesondere bei der Herstellung von Vorleistungsgütern, in der Logistik und bei der Leiharbeit statt.

Aber: Auch die Arbeitslosigkeit steigt

Die schlechte Nachricht ist, dass bei Weitem nicht alle Bremer*innen gut durch die Krise kommen, denn auch die Arbeitslosigkeit hat weiter zugenommen. Bremer Arbeitsuchende haben also kaum vom Beschäftigungsaufwuchs profitiert. Im Jahresdurchschnitt 2025 waren in Bremen 34.206 Menschen arbeitslos gemeldet und damit 2.129 oder 6,6 Prozent mehr als 2024. Die durchschnittliche Arbeitslosenquote stieg damit um 0,6 Prozentpunkte auf elf Prozent. Besorgniserregend ist auch die Entwicklung der gemeldeten Stellen: Durchschnittlich waren 2025 laut Bundesagentur für Arbeit in Bremen nur 5.372 offene sozialversicherten Stellen gemeldet und damit 16,1 Prozent weniger als 2024. Besonders stark betroffen von diesem Rückgang ist das verarbeitende Gewerbe. Die Schere auf dem Bremer Arbeitsmarkt geht immer weiter auseinander: Während neue Stellen für Spezialist*innen und Expert*innen entstehen, werden immer mehr Helfer*innen arbeitslos oder finden keine Anstellung. Dafür spricht auch der deutliche Beschäftigungsabbau in der Leiharbeit. Auch in der Rechtsberatung der Arbeitnehmerkammer ist die angespannte Lage auf dem Arbeitsmarkt zu spüren: Die Zahl der Beratungen zu arbeitgeberseitigen Kündigungen ist im vergangenen Jahr um fast 13 Prozent und die der Beratungen zu vom Arbeitgeber veranlassten Aufhebungsverträgen um fast 27 Prozent gestiegen. Immer weniger Beschäftigte ziehen angesichts der unsicheren Lage einen Jobwechsel in Betracht, die Mobilität auf dem Bremer Arbeitsmarkt nimmt also ab.

Balkendiagramm zur Entwicklung der sozialversicherungspflichtigen Beschäftigung in Bremen (Stand 30. Juni, 2024–2025) nach Branchen und Geschlecht. Männer (dunkel) verzeichnen in vielen Branchen stärkere Zuwächse als Frauen (hell). Besonders hohe Zuwächse bei Männern in freiberuflichen/technischen Dienstleistungen (+692) und Baugewerbe (+467). Frauen legen stark im Gesundheitswesen (+284), Erziehung/Unterricht (+264) und öffentlicher Verwaltung (+224) zu. Rückgänge gibt es vor allem in der Leiharbeit (Männer −541, Frauen −339), außerdem im Einzelhandel (Frauen −172), Transport/Logistik (Frauen −131, Männer −102) und Vorleistungsgüterherstellung (Männer −201, Frauen −96).

Stagnation bei Handel und Gast­gewerbe

Eine große Mehrheit der Bremer Beschäftigten arbeitet in Dienstleistungsberufen. Die wirtschaftliche Lage und Beschäftigungsentwicklung sind aber je nach Branche unterschiedlich. Im stationären Einzelhandel ist die Situation wegen sinkender Kaufkraft, steigender Nebenkosten (Mieten, Energiepreise) und der Konkurrenz durch den Online-Handel seit Jahren sehr angespannt. 2025 wurden in diesem Bereich im Saldo 20 sozialversicherten Stellen und 109 geringfügige Beschäftigungsverhältnisse abgebaut. Eine gute Nachricht gab es zum Jahresende: Laut City-Initiative wurden im Dezember 2025 durchschnittlich 19 Prozent mehr Besucher*innen in der Innenstadt als im Vorjahr gezählt.3 Die Bilanz des Weihnachtsgeschäfts blieb dennoch hinter den Erwartungen des Einzelhandels zurück. Trotz eines neuen Rekords bei den Übernachtungszahlungen im ersten Halbjahr stagnierte 2025 auch die Beschäftigung im Gastgewerbe.

Besondere Aufmerksamkeit erregten im letzten Jahr die Arbeitsbedingungen bei Lieferando. Der Lieferdienst entlässt bundesweit – so auch in Bremen – angestellte Rider, gleichzeitig wird die Bildung von Betriebsräten gerichtlich angefochten. Dabei profitiert das Unternehmen von einem juristisch veralteten Betriebsbegriff, mit dem digital gesteuerte Arbeit nicht abgebildet werden kann. In Bremen wurde 150 Beschäftigten gekündigt. Der Betrieb läuft mit Subunternehmensstrukturen weiter. Die juristische und politische Auseinandersetzung für gute Arbeit und Mitbestimmung im digitalen Zeitalter muss daher dringend weitergeführt werden.

Beschäftigungsaufbau bei wissens­intensiven Dienstleistungen

Erfreulichere Entwicklungen gibt es bei den wissens­intensiven Dienstleistungen zu vermelden, die in Bremen bisher unterdurchschnittlich stark vertreten sind. Bei den freiberuflichen, wissenschaftlichen und technischen Dienstleistungen sind im letzten Jahr in Bremen 790 Stellen hinzugekommen, ein Plus von 3,1 Prozent. Im Bereich Information und Kommunikation entstanden fast 300 neue Stellen, ein Plus von 2,1 Prozent. Neue Stellen entstehen auch im Rüstungssektor, etwa bei Rheinmetall und Saab. Obwohl hier oft von der „Rüstungsindustrie“ gesprochen wird, entstehen vor allem Stellen, die den wissensintensiven Dienstleistungen zugerechnet werden können.

Auch im öffentlichen Sektor wurde Beschäftigung aufgebaut: Im Gesundheitswesen sind fast 500 neue Stellen entstanden, bei den Heimen und im Sozialwesen fast 350 und in der öffentlichen Verwaltung 265. Im Bereich der Energie- und Wasserversorgung sind vor allem bei der swb und bei Wesernetz viele neue Stellen hinzugekommen. Zudem wurden im Baugewerbe fast 500 Stellen aufgebaut, fast genauso viele, wie im Vorjahreszeitraum weggefallen waren.

Robuste Entwicklung der Bremer Industrie

Angesichts der deutschen Export- und Industriekrise hat sich das hiesige verarbeitende Gewerbe im letzten Jahr insgesamt robust gezeigt, obwohl die Herstellung von Vorleistungsgütern nach der Leiharbeit am stärksten vom Stellenabbau betroffen war. Der für Bremen so wichtige Fahrzeugbau hat trotz der großen Verunsicherung wegen steigender Zölle im ersten Halbjahr erheblich zum regionalen Wirtschaftswachstum beigetragen und Stellen aufgebaut. Zu dieser Branche zählen neben der Autoindustrie auch der Schiffbau und die Luft- und Raumfahrtindustrie. Letztere blickt auf ein turbu­lentes, aber insgesamt gutes Geschäftsjahr 2025 zurück.

Für andere Bremer Industriebetriebe war 2025 ein schwieriges Jahr, etwa für Thyssenkrupp Automation Engineering in Farge, wo im September der Abbau von etwa 400 Stellen verkündet wurde. Bei Gestra in Findorff waren im letzten Jahr 85 Arbeitsplätze in der Zerspanung in Gefahr, weil der britische Mutterkonzern eine Verlagerung vorgesehen hatte. IG Metall und Betriebsrat haben daraufhin mit den Beschäftigten ein Zukunftskonzept für den Betrieb entwickelt und konnten damit viele Stellen sichern. Hier zeigt sich, dass Mitbestimmung ein echter Standortfaktor ist.

Ein herber Rückschlag für die Zukunftsfähigkeit der Bremer Industrie war die Entscheidung von ArcelorMittal, vorerst nicht in die Dekarbonisierung der Bremer Hütte zu investieren, obwohl Bund und Land Fördermittel für die Umstellung auf grünen Stahl bereitgestellt hatten. Gerade in dieser schwierigen Situation war die Verlängerung des Zukunftstarifvertrags ein wichtiger Erfolg der IG Metall für die Beschäftigten. Für die Zukunftssicherung des Industriestandorts braucht es neben dem gewerkschaftlichen Engagement und den politischen Weichenstellungen aber auch die Investitionsbereitschaft des Unternehmens.

Fazit und Ausblick

Bremen kommt zwar bisher vergleichsweise gut durch die Krise, die Polarisierung auf dem Arbeitsmarkt nimmt aber weiter zu und das wirtschaftliche Umfeld bleibt für die Beschäftigten und die Betriebe weiter äußerst herausfordernd. In dieser Lage sind eine Qualifizierungsoffensive, öffentliche und private Investitionen und steigende Löhne durch einen Ausbau der Tarifbindung dringend nötig. Für die Entwicklungsperspektiven der hiesigen Industrie, aber auch für die Kaufkraft der Privathaushalte ist zudem eine Senkung der Strompreise von hoher Bedeutung.

Ihr Kontakt

Politikberatung

Sebastian Möller

Referent für Wirtschaftspolitik

+49 0421 36301-977

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