Unverzichtbar und unterbezahlt

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Immer mehr Medizinische Fachangestellte (MFA) im Land Bremen wandern ins Krankenhaus ab. Das ist das Ergebnis einer neuen Analyse der Arbeitnehmerkammer. In den Kliniken hat sich die Zahl der MFA seit 2015 fast verdoppelt, während sie in den Praxen nur geringfügig stieg. 

Die Gründe sind zahlreich: Hier spielen sowohl die deutlich bessere Bezahlung im Krankenhaus als auch der weniger intensive und direkte Kontakt mit Patient*innen eine Rolle. Insgesamt stieg die Zahl der MFA im Land Bremen seit 2015 um knapp 14 Prozent auf 4.622 Beschäftigte.

Ihre Gehälter liegen deutlich unter denen anderer Fachkräfte: Im Mittel verdienen sie 3.141 Euro monatlich und damit knapp 580 Euro weniger als Fachkräfte insgesamt. Zwischen den Krankenhäusern und Arztpraxen gibt es dabei einen Lohnunterschied von fast 700 Euro. „Die Löhne der Medizinischen Fachangestellten müssen steigen, gerade in den Arztpraxen. Dafür braucht es starke Tarifverträge, eine höhere Tarifbindung und bessere politische Rahmenbedingungen: Tarifsteigerungen müssen im Gesundheitssystem vollständig refinanziert und nicht, wie jüngst beschlossen, ausgebremst werden“, sagt Geschäftsführerin Elke Heyduck

Die Gesetzesänderungen verschärfen die Situation 

Momentan nehmen die Arbeitsbelastung der MFA und die Engpässe in der Versorgung überall zu. Gleichzeitig führt das bereits verabschiedete Sparpaket für die Krankenkassen zu massiven Einschnitten auf Kosten der Beschäftigten im Gesundheitssystem: Krankenhäuser bekommen Tariflohnsteigerungen nicht mehr vollständig refinanziert. Zugleich werden die Honorare der niedergelassenen Ärzt*innen begrenzt. Beides wirkt sich negativ auf die ohnehin geringen Löhne der MFA aus.

Hinzu kommt, dass die von der Bundesregierung geplanten Verschärfungen zur Krankschreibung die Arbeitsbedingungen nochmals verschlechtern könnten. Eine Mehrzahl an Patient*innen wird in den sowieso vollen Arztpraxen auflaufen, um die Krankschreibung zu erhalten. Schon jetzt ist die Belastung dort enorm hoch, zumal der Bedarf an ambulanter Versorgung steigt. Gründe dafür sind unter anderem die steigende Zahl älterer Menschen, die Zunahme chronischer Erkrankungen und komplexerer Fälle sowie die Verlagerung von Leistungen aus dem Krankenhaus in die Praxen. 

Der Beruf ist weiblich geprägt und wird vielfältiger 

2025 gab 3.717 MFA in Bremen und 905 in Bremerhaven. 97 Prozent der MFA sind Frauen, über 90 Prozent haben die deutsche Staatsangehörigkeit. Der Anteil derer, die keinen deutschen Pass haben, liegt derzeit bei acht Prozent, unter den Auszubildenden mit fast 26 Prozent aber schon deutlich höher. Jedoch gibt es weiter einen Mangel an MFA: Das Institut der deutschen Wirtschaft geht für 2027 von einer bundesweiten Fachkräftelücke von über 16.000 MFA aus. Und schon heute ist fast ein Drittel der MFA 50 Jahre oder älter. 

Verbale und körperliche Übergriffe gehören zum Arbeitsalltag

Die Arbeitnehmerkammer fordert mehr Anerkennung für MFA. Sie sind eine unverzichtbare Berufsgruppe im Gesundheitssystem – in Debatten werden sie aber häufig übersehen oder zu Helfer*innen degradiert. Der Beruf ist anspruchsvoll und vielfältig, aber auch fordernd und belastend. In der Beschäftigtenbefragung der Arbeitnehmerkammer berichten Medizinische Fachangestellte immer wieder von starren und langen Arbeitszeiten, Überstunden, Arbeitsdruck und Stresserleben. Dies ist auf das hohe Arbeitspensum und Patient*innenaufkommen zurückzuführen. Aber auch die psychische Belastung durch herausfordernde Begegnungen mit Vorgesetzten, Kolleg*innen und Patient*innen ist groß. MFA sind meist die ersten Ansprechpartner*innen – dadurch werden sie oft zur Zielscheibe von Frust über Wartezeiten oder eine unbefriedigende Versorgungssituation. Verbale und teils körperliche Übergriffe gehören für viele zum Arbeitsalltag. Eine Umfrage der Kassenärztlichen Bundesvereinigung unter MFA, Ärzt*innen und Psychotherapeut*innen zeigte schon 2023: 80 Prozent erlebten verbale, mehr als 40 Prozent sogar körperliche Gewalt – Tendenz steigend.

Die Forderungen der Arbeitnehmerkammer

  • Löhne erhöhen

Fast die Hälfte aller MFA gab in der Beschäftigtenbefragung der Arbeitnehmerkammer an, unzufrieden mit dem Gehalt zu sein. Unter allen befragten Beschäftigten war es nur jede dritte Person. Medizinische Fachangestellte müssen besser bezahlt werden, um die Zufriedenheit mit der Arbeit zu erhöhen und die Bedeutung des Berufs anzuerkennen. Dafür sind starke Tarifverträge und eine hohe Tarifbindung nötig. Tarifsteigerungen müssen im Gesundheitssystem vollständig refinanziert werden. 

  • Vereinbarkeit verbessern 

Besonders in stark weiblich geprägten Berufen wie dem der MFA zeigt die hohe Teilzeitquote, wie schwer es noch immer ist, Beruf und Familie miteinander zu vereinbaren. Starre und lange Arbeitszeiten decken sich häufig nicht mit den Betreuungszeiten. Der Ausbau von Kinderbetreuungs-, aber auch Pflegeangeboten ist wichtig, um mehr Personal zu gewinnen, den Abbau unfreiwilliger Teilzeit voranzubringen und Beschäftigte zu entlasten.

  • Arbeitsbelastungen reduzieren 

In den Praxen und Kliniken braucht es gute Organisations- und Ausfallkonzepte, wertschätzende Führung sowie Gefährdungsbeurteilungen und Gewaltschutzkonzepte. Politische Regelungen dürfen den Arbeitsdruck der MFA nicht noch weiter erhöhen – die geplanten Verschärfungen bei der Krankschreibung hätten jedoch genau diesen Effekt. 

„Der Staat muss unser Gesundheitssystem stärken. Die aktuellen Entwicklungen bewirken das Gegenteil: Die Arbeitsbelastungen werden steigen, die Löhne sinken, die Personalsituation wird sich weiter verschärfen. Das ist eine Missachtung all jener, die unsere Gesundheitsversorgung jeden Tag durch ihre wichtige Arbeit am Laufen halten“, sagt Heyduck.

Das KammerKompakt „Medizinische Fachangestellte – unverzichtbar im Land Bremen“ finden Sie hier: www.arbeitnehmerkammer.de/kammerkompakt

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