Arbeitnehmerkammer stellt neue Analyse zu Verdiensten in Bremen und Bremerhaven vor
Im Jahr 2025 konnten sich Vollzeitbeschäftigte im bundesweiten Vergleich erstmals wieder mehr leisten als 2019, dem Jahr der Corona-Krise. Für diejenigen, die im Land Bremen wohnen, gilt das jedoch nicht: Ihre Verdienste sind seit 2019 weniger stark gestiegen als im Bundesdurchschnitt – die Verbraucherpreise dagegen stärker. „Die jüngsten Lohnsteigerungen sind eine gute Nachricht. Doch die hier wohnenden Beschäftigten konnten sich von ihrem Verdienst zuletzt noch immer weniger kaufen als im Jahr 2019. Die Folgen der teuren Krisenjahre sind damit längst nicht überwunden“, sagt der Hauptgeschäftsführer der Arbeitnehmerkammer Peer Rosenthal.
Verdienste im Bundesländervergleich im oberen Drittel
Bremen verfügt über viele gut bezahlte Arbeitsplätze – das zeigt sich auch im Ländervergleich: Mit einem mittleren Bruttomonatsverdienst von 4.392 Euro bei sozialversicherten Vollzeitbeschäftigten liegt Bremen knapp über Bayern, aber unter Hamburg und Baden-Württemberg. Doch das hohe Verdienstniveau bildet die Situation der Bremer*innen nur teilweise ab: Denn die Zahl bemisst sich nur nach dem Arbeitsort – beinhaltet also auch die, die in Bremen arbeiten, aber außerhalb wohnen. Betrachtet man den Medienverdienst rein nach dem Wohnort Bremen, liegt er bei 4.028 Euro. Eine Differenz von 364 Euro und damit im Bundesländervergleich die größte. Dies zeigt die besondere Bedeutung von Pendler*innen, die einen Teil der gut bezahlten Tätigkeiten im Land Bremen ausüben, aber nicht hier wohnen.
Tarifbindung stärkt gute Bezahlung
Vollzeitbeschäftigte in tarifgebundenen Betrieben verdienen durchschnittlich 517 Euro brutto mehr im Monat als Beschäftigte in Betrieben ohne Tarifbindung. „Wo Tarifverträge gelten, sind die Verdienste im Schnitt höher und niedrige Stundenlöhne seltener. Bremen muss deshalb seinen Einfluss als Auftraggeber, Fördermittelgeber und Eigentümer konsequent für mehr Tarifbindung nutzen“, so Rosenthal.
Verdienstunterschiede auch nach Branche, Geschlecht und Arbeitsort
Wie viel Beschäftigte verdienen, unterscheidet sich auch nach Branche, Geschlecht sowie danach, ob ihr Arbeitsplatz in Bremen oder Bremerhaven liegt. Etwa 14 Prozent der Vollzeitbeschäftigten im Land Bremen verdienen weniger als die Niedriglohnschwelle von 2.811 Euro brutto monatlich. Im Gastgewerbe liegt der mittlere Verdienst mit 2.739 Euro sogar unter dieser Grenze. „Bremen hat viele gut bezahlte Arbeitsplätze. Trotzdem verdienen fast 30.000 Menschen selbst in Vollzeit nur einen Niedriglohn. Gute Bezahlung muss flächendeckend selbstverständlich werden“, sagt Rosenthal.
Auch zwischen Männern und Frauen bleibt eine deutliche Lücke: Zwar ist der Verdienstunterschied bei Vollzeitbeschäftigten seit 2019 von 17 Prozent auf fast 11 Prozent gesunken. Doch während Männer zuletzt im Median 4.588 Euro brutto im Monat erhielten, verdienten Frauen 4.094 Euro – fast 500 Euro weniger. Hinzu kommen Unterschiede zwischen den beiden Städten: In Bremerhaven liegt der mittlere Bruttomonatsverdienst bei 3.980 Euro, in der Stadt Bremen bei 4.471 Euro. Zudem verdienen rund 24 Prozent der Vollzeitbeschäftigten in Bremerhaven weniger als 3.000 Euro brutto im Monat, in Bremen sind es dagegen 17 Prozent.
Forderungen der Arbeitnehmerkammer
Einen Landesaktionsplan zur Stärkung der Tarifbindung auflegen
In diesem müssen insbesondere die Vergabe von Fördermitteln und Gewerbeflächen nach tarifbezogenen Kriterien sowie eine Stärkung tariflicher Standards in öffentlichen Unternehmen und Beteiligungen vorgesehen sein. Ein jährlicher Bericht an die Bürgerschaft soll die Umsetzung des Landesaktionsplans und die Entwicklung der Tarifbindung transparent machen.
Tariftreue bei öffentlichen Aufträgen ausweiten und durchsetzen
Die Tariftreuepflicht muss auch für Lieferleistungen gelten und sämtliche tariflichen Entgeltbestandteile erfassen. Dafür braucht es eine ausreichend ausgestattete Prüfstelle, mehr Kontrollen und spürbare Sanktionen.
Mindestlohn armutsfest machen und seine Einhaltung kontrollieren
Der Mindestlohn muss hoch genug sein, damit Vollzeitarbeit vor Armut schützt, und darf nicht nur als absolute Lohnuntergrenze dienen. Bremen soll sich deshalb auf Bundesebene für eine verbindliche Untergrenze von 60 Prozent des jeweils aktuellen Median-Bruttostundenlohns einsetzen. Besonders in Branchen mit hohem Niedriglohnrisiko müssen die Kontrollen verstärkt werden.
Das KammerKompakt „Ungleiches Bremen: Gute Verdienste – aber nicht für alle“ finden Sie hier zum Download.












