2025 pendelten fast 2.000 Beschäftigte mehr in die Stadt Bremen als noch im Vorjahr. Insgesamt waren es rund 132.500. Das zeigt eine neue Analyse der Arbeitnehmerkammer. „Die Zahlen belegen die Stärke unseres Wirtschaftsstandorts“, sagt die Geschäftsführerin der Arbeitnehmerkammer Elke Heyduck.
Die Mehrheit pendelt nach wie vor mit dem Auto – ÖPNV-Ausbau trägt in Bremen Früchte
Die Betriebe im Land Bremen sind in besonderem Maße auf Beschäftigte aus Niedersachsen angewiesen: Rund vier von zehn Beschäftigten in Bremen und Bremerhaven pendeln von außerhalb ein, die meisten wohnen im Umland. Das entspricht dem Niveau anderer Großstädte. In Bremen fahren 69 Prozent dieser Einpendelnden mit dem Auto, in Bremerhaven sogar 85 Prozent. Dagegen nutzen nur 37 Prozent derer, die in Bremen wohnen und beschäftigt sind, das Auto für ihren Weg zur Arbeit, in Bremerhaven sind es 53 Prozent. „Die jüngsten Verbesserungen im Bremer ÖPNV tragen hier erste Früchte. Wir wissen aus zahlreichen Studien, dass viel mehr Menschen auf Bus, Bahn oder Fahrrad umsteigen würden, wenn das Angebot stimmt.“ Im Gewerbegebiet Hansalinie zeigt sich aktuell: Eine bessere Taktung und Linienführung im Busverkehr ist auch in Gewerbegebieten möglich. „Und sie
ist aus umwelt-, verkehrs- und auch aus arbeitsmarktpolitischer Sicht wichtig und vielversprechend“, so Heyduck.
Pendelnde mit besserer Ausbildung
Einpendelnde arbeiten besonders häufig in Vollzeit und sind überwiegend gut ausgebildet. Drei Viertel von ihnen haben eine Vollzeitstelle; bei den Beschäftigten, die an ihrem Wohnort in Bremen oder Bremerhaven arbeiten, sind es 63 Prozent. Soweit Angaben zur Qualifikation vorliegen, haben neun von zehn Einpendelnden einen Berufs- oder Hochschulabschluss. Außerdem
pendeln deutlich mehr Männer als Frauen zur Arbeit ins Land Bremen.
Bremerhaven hat als Wohnort für Hochqualifizierte Luft nach oben
Nach Bremerhaven pendelten 2025 gut 20.050 Beschäftigte ein, was einem leichten Rückgang gegenüber dem Vorjahr entspricht. Für Hochqualifizierte ist die Stadt als Wohnort aber noch zu wenig attraktiv: Rund 60 Prozent der dort arbeitenden Akademiker*innen pendeln ein. „Bremerhaven bietet viele hochqualifizierte Jobs. Wer Fachkräfte dauerhaft an die Seestadt binden will,
muss deshalb auch ein attraktives Wohnangebot und ein gutes städtisches Umfeld bieten“, sagt Heyduck.
„Auspendeln“ nimmt zu
Zugleich steigt die Zahl der Menschen, die in Bremen oder Bremerhaven wohnen, aber außerhalb ihres Wohnorts arbeiten. Im Jahr 2025 pendelten rund 69.300 Beschäftigte aus dem Land Bremen aus. Seit 2018 ist ihre Zahl in der Stadt Bremen um 8.400 und in Bremerhaven um 2.100 gestiegen.
Forderungen der Arbeitnehmerkammer
- Mehr und bessere Busanbindungen für Gewerbegebiete
Gerade Gewerbegebiete und Häfen sind oft gut mit dem Auto, aber schlecht mit dem Bus zu erreichen. Deshalb muss die Stufe 3 „Kreuz und Quer zum Job“ der ÖPNV-Angebotsoffensive des Senats zügig umgesetzt werden. Auch die Busanbindungen an das Umland müssen verbessert werden. - Sichere und schnelle Radwege zu den Arbeitsplätzen
Auch mit dem Rad ist der Weg zur Arbeit noch oft beschwerlich und teils gefährlich. Radpremiumrouten sind daher wichtig und müssen schneller umgesetzt werden und Bremen auch mit dem Umland verbinden. Gerade in Gewerbe- und Hafengebieten fehlen sichere Radwege oft noch völlig. Insbesondere in der Hansaline und im Güterverkehrszentrum in Bremen sowie im Hafen in Bremerhaven muss die Fahrradinfrastruktur zügig verbessert werden. - Arbeitgeber beim Mobilitätsmanagement in die Pflicht nehmen
Auch die Arbeitgeber müssen ihren Beitrag zu einer guten Beschäftigtenmobilität leisten. Mit einem guten betrieblichen Mobilitätsmanagement können sie ihre Attraktivität erhöhen und Fachkräfte binden. Dazu gehören beispielsweise Jobtickets, Fahrradleasing und Fahrradpools für dienstliche Wege. - Bremerhaven muss als Wohnort für Beschäftigte attraktiver werden
Langes Pendeln ist ungesund und belastet das Familienleben. Bremen und gerade Bremerhaven brauchen attraktive Wohnangebote für Beschäftigte unterschiedlicher Einkommensgruppen. Die Seestadt ist für Fachkräfte mit mittleren bis hohen Einkommen bisher zu unattraktiv. Hier müssen entsprechende Angebote geschaffen und das Wohnumfeld städtebaulich weiter aufgewertet werden. Nachhaltige Stadtquartiere wie das Werftquartier tragen dazu ebenso bei wie der Ausbau von Grün- und
Naherholungsflächen.
Das KammerKompakt „Pendlerinnen und Pendler im Land Bremen 2025 – die Zahl steigt weiter“ finden Sie hier zum Download.













