Luft- und Raumfahrtindustrie: Mehr Jobs und gute Löhne

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Die Zahl der Beschäftigten in der bremischen Luft- und Raumfahrtindustrie ist seit 2018 um 27 Prozent gestiegen. Die Branche wuchs damit deutlich stärker als die Gesamtbeschäftigung im Land Bremen, die im gleichen Zeitraum nur um 4,5 Prozent zunahm. Das zeigt eine neue Analyse der Arbeitnehmerkammer, die anlässlich der Ministerratskonferenzder Europäischen Weltraumorganisation (ESA) erschien, die diese Woche in Bremen stattfindet. „Die Luft- und Raumfahrtindustrie ist eine der wenigen Industriebranchen in Bremen, in denen es in den vergangenen Jahren einen kräftigen Beschäftigungszuwachs gab“, sagt Dr. Tim Voss, Leiter der Politikberatung der Arbeitnehmerkammer. „Die positive Entwicklung ist aber kein Selbstläufer. Wir erwarten deshalb von der Bundesregierung eine aktive Industriepolitik und eine substanzielle Raumfahrtstrategie.“

12.000 Beschäftige in Bremen

Die Wirtschaftsförderung Bremen geht insgesamt von 12.000 Beschäftigten aus, die in 140 Unternehmen und 20 Instituten einen Jahresumsatz von über vier Milliarden Euro erwirtschaften. Den Kern der Branche bildet der Luft- und Raumfahrzeugbau: 2024 arbeiteten in Bremen 5.324 Menschen in diesem Bereich, hier werden Flugzeugteile, Raketenkomponenten und Satelliten gebaut. Die Branche ist dabei von hoher Bedeutung für die regionale Wirtschaft: Sie trägt stark zur Wertschöpfung bei und ist überdurchschnittlich forschungs- und innovationsstark. Sie bietet hoch qualifizierte und sehr gut bezahlte, mitbestimmte und zumeist tarifgebundene Arbeitsplätze.Die Luft- und Raumfahrtindustrie ist wichtig für Bremen – und Bremen ist wichtig für die deutsche und europäische Luft- und Raumfahrt. Die Branche hat sich auch dank des starken Engagements der Landespolitik gut entwickelt“, sagt Voss.

In keiner anderen Branche wird so gut verdient

2024 arbeitete jede*r zweite Beschäftigte auf Expertenniveau, wofür in der Regel ein vierjähriges Studium nötig ist. Entsprechend hoch sind die Löhne: In keiner anderen Branche im Land Bremen wird so gut verdient wie im Luft- und Raumfahrzeugbau. Die durchschnittlichen Monatsverdienste – 7.237 Euro brutto – liegen nicht nur 3.000 Euro über dem Mittel aller Branchen, sondern auch fast 2.000 Euro über dem Lohnniveau im verarbeitenden Gewerbe.

Auch die Tarifbindung in der Luft- und Raumfahrtindustrie ist sehr hoch: Laut der IG Metall galt im vergangenen Jahr in 72 Prozent aller Betriebe in Deutschland ein Flächentarifvertrag, in 14 Prozent zumindest ein Haustarifvertrag. „Die ausgeprägte Mitbestimmung hat sich gerade bei Airbus als echter Standortfaktor herausgestellt“, so Voss. „Hier haben sich die Betriebsräte und die IG Metall in den vergangenen Jahren immer wieder erfolgreich für den Erhalt und die Stärkung der Kapazitäten in Bremen eingesetzt.“

Der Frauenanteil steigt – wenngleich nur moderat

Noch immer ist die Luft- und Raumfahrtindustrie eine Männerdomäne: 2024 war in der Branche nur jede*r fünfte Beschäftigte in Bremen weiblich, der Frauenanteil also nicht einmal halb so hoch wie bei den bremischen Beschäftigten insgesamt. Auf den zweiten Blick zeigt sich, dass der Frauenanteil seit 2017 – wenn auch moderat – gestiegen ist und konstant über dem Bundesdurchschnitt liegt. Damit hat die Luft- und Raumfahrt sogar eine Vorbildfunktion für andere Industriebranchen in Bremen, in denen der Frauenanteil mit zuletzt 18 Prozent deutlich unter dem Bundesdurchschnitt von 26 Prozent liegt.

Starke Umsatzentwicklung, unsichere Zukunftsaussichten

Die Umsätze der Branche sind in den vergangenen Jahren zwar deutlich gestiegen und erreichten 2024 laut dem Bundesverband der Deutschen Luft- und Raumfahrtfahrtindustrie mit 52 Milliarden Euro einen neuen Rekordwert. Auch ist die Auftragslage für die militärische Luftfahrt angesichts der außen- und sicherheitspolitischen Lage insgesamt gut.

Aber: Die positive Entwicklung der bremischen Luft- und Raumfahrtindustrie ist nicht selbstverständlich. Die Zukunftsaussichten dieser für Bremen so wichtigen Industrie sind unsicher und von öffentlichen Investitionen und Konzernentscheidungen abhängig, die nicht in Bremen getroffen werden. Die Haushaltspläne der Bundesregierung sehen für das kommende Jahr entgegen den Versprechen aus dem Koalitionsvertrag keine Steigerung, sondern sogar eine Senkung der Raumfahrtbudgets vor. „Die Bundesregierung sendet hier ein vollkommen falsches Signal – an die Beschäftigten sowie die Betriebe. Steigende öffentliche und auch private Investitionen sind nötig, um Arbeitsplätze langfristig zu sichern“, so Voss

Die Forderungen der Arbeitnehmerkammer

  • Die Branche muss durch aktive Industriepolitik gestärkt werden

Die Branche ist ein wichtiger Innovationstreiber, sichert viele tarifgebundene und mitbestimmte Industriearbeitsplätze und ist von hoher Bedeutung für die Souveränität Europas. Daher müssen die Produktionskapazitäten durch verlässliche Rahmenbedingungen und öffentliche Aufträge gesichert werden. „Die deutschen ESA-Mittel, die als Aufträge wieder an hiesige Standorte zurückfließen, müssen auf mindestens zwei Milliarden Euro und das nationale Raumfahrtbudget auf mindestens eine Milliarde Euro erhöht werden“, so Voss.

Gewerbeflächen bedarfsgerecht bereitstellen

Die Flächenpolitik ist einer der wenigen landespolitischen Hebel in der Wirtschaftspolitik. Dieser muss konsequent genutzt werden, um den Ausbau der Luft- und Raumfahrtindustrie zu fördern: Die geplanten neuen Flächen in der Airport-Stadt Süd müssen daher fristgerecht für Ausschreibungen bei Airbus bereitgestellt werden, damit Bremen hier einen Vorteil gegenüber anderen Airbus-Standorten ausspielen kann.

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