Im Land Bremen ist nur jede zweite Mutter mit einem Kind zwischen drei und sechs Jahren auch berufstätig. Das ist das Ergebnis einer neuen Analyse der Arbeitnehmerkammer Bremen zur Vereinbarkeit von Kindern und Beruf. Zum Vergleich: Im Bundesdurchschnitt sind drei von vier Müttern mit mindestens einem Kind in der Kita berufstätig, in Bayern und Sachsen sogar vier von fünf. Bremen holte im Länder- und Stadtstaatenvergleich zwar leicht auf, liegt aber weiterhin deutlich zurück. „Betreuungsverpflichtungen sind ein wesentlicher Grund, warum Frauen keine Erwerbstätigkeit aufnehmen. Damit sich das ändert, brauchen wir eine ausreichende Kinderbetreuung– besonders hier in Bremen“, sagt Elke Heyduck, Geschäftsführerin der Arbeitnehmerkammer.
Frauen sind weiterhin hauptverantwortlich für die Kinder
Zwar hat der Ausbau der Kindertagesbetreuung in den vergangenen Jahren die Vereinbarkeit von Familie und Beruf verbessert und mehr Frauen größere wirtschaftliche Eigenständigkeit ermöglicht. Lange Zeit erschien diese Entwicklung durchweg positiv: mehr Kitas, mehr betreute Kinder, mehr Personal. Doch inzwischen stößt der Kita-Ausbau an Grenzen und die ungedeckten Bedarfe der Eltern, besonders in Bremen, werden immer offensichtlicher: Es fehlen Fachkräfte und wohnortnahe Plätze für eine verlässliche und gute frühkindliche Betreuung und Bildung.
Die Beschäftigtenbefragung der Arbeitnehmerkammer zeigt, dass es maßgeblich die Mütter sind, die hauptverantwortlich die Betreuung von Kindern unter 14 Jahren übernehmen. In Bremen arbeitet die Hälfte dieser Mütter in Teilzeit, bei den Männern sind es gerade einmal elf Prozent. Nach den Gründen für Teilzeit gefragt, wird deutlich, dass für Bremer Beschäftigte fehlende oder zeitlich nicht ausreichende Angebote der Kinderbetreuung eine wichtige Rolle spielen.
Hinzu kommt, dass Väter in Bremen noch seltener in Elternzeit gehen als anderswo in Deutschland: Im Bundesdurchschnitt ist es jeder zweite, in Bremen hingegen nehmen zwei von drei Vätern überhaupt keine Elternzeit. Das verbleibende Drittel unterbricht seine Erwerbstätigkeit mehrheitlich nur für zwei Monate. „Wir lassen Fachkräftepotenziale liegen, weil die Aufgaben zwischen Müttern und Vätern nicht gerechter verteilt werden. Viele Mütter sind allein für die Kinderbetreuung verantwortlich und können deshalb nicht arbeiten gehen“, so Heyduck. „Die politischen wie betrieblichen Rahmenbedingungen fördern die aktive Beteiligung der Väter an der Sorgearbeit noch viel zu wenig.“
60 Prozent der Bremer Mütter sind finanziell abhängig
Die geringe Erwerbstätigkeit von Frauen wirkt sich direkt auf die Höhe des Elterngeldes aus. Vor der Geburt hatten 43 Prozent der Mütter gar kein Erwerbseinkommen, sie erhielten also nur den Mindestbetrag von 300 Euro – bei den Vätern waren es lediglich neun Prozent. Insgesamt gehen rund 60 Prozent der Bremer Mütter mit so wenig Geld in eine Kinderphase, dass sie ihre ökonomische Existenz nicht selbstständig sichern können. Sie sind finanziell von ihren Partner*innen oder von Sozialleistungen abhängig. „Massiv steigende Preise für Miete, Lebensmittel und Mobilität überfordern gerade viele junge Familien. Die Sätze für das Elterngeld wurden aber seit 2007 nicht angehoben. Sie müssen dringend steigen“, fordert Heyduck.
Gute Vereinbarkeit gelingt vor allem dann, wenn Eltern verlässliche und flexible Betreuungsplätze finden. Für 2025 fehlten im Land Bremen aber allein 3.600 Plätze für die unter Dreijährigen. Bei den Kita-Kindern unter sechs Jahren sind die Betreuungslücken deutlich kleiner. In Bremen besuchen jedoch weiterhin zwölf Prozent der Kinder vor der Grundschule keine Kita. In Bundesdurchschnitt sind es nur acht Prozent. Für alle Kinder unter sechs Jahren gilt: In Bremen sind die Betreuungslücken im bundesweiten Vergleich am größten – egal, ob es um Krippen oder Kitas geht. In Ostdeutschland sowie in Hamburg und Berlin sind sie jeweils am kleinsten.
„Wir brauchen in Bremen mehr Tempo beim Kita-Ausbau, verlässliche Kitas und längere Öffnungszeiten, damit insbesondere mehr Mütter erwerbstätig sein können“, so Heyduck. „Für viele Bremer Eltern wäre ein früherer Start am Morgen oder eine zusätzliche Stunde am Nachmittag schon eine große Entlastung.“
Forderungen der Arbeitnehmerkammer
Elternzeit angleichen und Elterngeld erhöhen
Der Bund muss die Angleichung der Elternzeit von Müttern und Vätern fördern. Die Partnermonate sollten von zwei auf mindestens vier ausgeweitet werden – damit Väter mehr Verantwortung übernehmen und Müttern eine stärkere Erwerbstätigkeit ermöglicht wird. Auch die Lohnersatzrate muss von derzeit 67 auf 80 Prozent erhöht werden, wenn die frei aufteilbaren Monate gleichmäßig zwischen beiden Eltern aufgeteilt werden. Die Elterngeldsätze müssen insgesamt an die massiven Preissteigerungen seit der Einführung des Elterngeldes angepasst werden: sowohl der Mindestbetrag als auch der Höchstbetrag.
Betreuung absichern und flexibilisieren
Flexible und längere Betreuungszeiten müssen in mindestens zwei Kindertageseinrichtungen in jedem Stadtteil angeboten werden. Für mehr Zuverlässigkeit braucht es zudem verlässliche Vertretungssysteme, also eine Aufstockung vorhandener Springerpools bei den größeren Trägern sowie übergeordnete Springerpools für die kleineren Einrichtungen.











