Unterstützung für Auszubildende in der Pflege

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Der Abbruch einer Pflegeausbildung hat weitreichende Folgen – für Auszubildende, Arbeitgeber und die zu Pflegenden. Ob bezahlbarer Wohnraum fehlt oder der Einstieg in den Pflegealltag nicht wie erwartet verläuft: Die Gründe dafür sind vielfältig. Seit 2023 unterstützt das Projekt „Pflegeausbildung – Bleib dran" Auszubildende, die Ausbildung trotz solcher Probleme fortzusetzen. Das Angebot richtet sich an alle Auszubildenden in der Pflege, die einen vorzeitigen Ausbildungsabbruch erwägen. Es wurde nun um drei Jahre verlängert.

Dazu Claudia Bernhard, Senatorin für Gesundheit, Frauen und Verbraucherschutz: „Jede und jeder, die oder der die Pflegeausbildung abbricht, fehlt uns später als dringend benötigte Fachkraft. Die Gründe für einen Abbruch liegen nicht nur in der Ausbildung selbst, sondern auch in privaten Krisen, fehlendem Wohnraum oder finanziellen Sorgen. Genau hier setzt Pflegeausbildung – Bleib dran an: mit einem niedrigschwelligen, unabhängigen Beratungsangebot. Die Verlängerung des Projekts ist ein klares Signal, dass wir die Auszubildenden in dieser wichtigen Phase nicht allein lassen.“

Elke Heyduck, Geschäftsführerin der Arbeitnehmerkammer Bremen: „Wir freuen uns sehr, dass das Beratungsangebot erhalten bleibt. Die Zahl der Pflegebedürftigen nimmt in den kommenden Jahren zu, gleichzeitig gehen immer mehr Pflegebeschäftigte in den Ruhestand – jede dritte Pflegekraft im Land Bremen ist 55 Jahre oder älter. Bremen müsste jährlich 530 Menschen erfolgreich ausbilden, um die Lücke zu schließen. Damit das gelingt, müssen sich nicht nur die Ausbildungsbedingungen verbessern – auch die Arbeitsbedingungen müssen so gestaltet sein, dass die erfolgreich ausgebildeten Fachkräfte nicht vorzeitig wieder den Beruf verlassen.“

Katharina Matthes, Projektleitung Pflegeausbildung – Bleib dran, sagt: „Die Gründe für einen Ausbildungsabbruch liegen häufig nicht allein in der Ausbildung selbst. Auch fehlender oder bezahlbarer Wohnraum, finanzielle Sorgen, familiäre Belastungen oder psychosoziale Probleme können eine Ausbildung erheblich erschweren. Mit ,Bleib dran‘ bieten wir als Beratungsteam Auszubildenden im Land Bremen deshalb eine kostenlose, vertrauliche und niedrigschwellige Anlaufstelle, um solche Herausforderungen frühzeitig anzugehen. Weil wir unabhängig von Schulen und Trägern beraten, können wir neutral vermitteln und gemeinsam mit den Auszubildenden nach passenden Lösungen suchen.“

Motahareh Fazeli, Auszubildende zur Pflegefachfrau, berichtet: „Gerade am Anfang der Ausbildung wusste ich über vieles nicht gut Bescheid. Die Gespräche und die Unterstützung haben mir sehr geholfen, mich besser zurechtzufinden. Ich habe auch gelernt, wie ich mit schwierigen Situationen und mit Stress in der Ausbildung umgehen kann. Ich hatte dadurch das Gefühl, nicht alleine mit meinen Problemen zu sein und jemanden zu haben, mit dem ich offen sprechen konnte. Heute bin ich sehr froh, dass ich nicht aufgegeben habe und nun kurz vor meinem Abschluss als Pflegefachfrau stehe.“

Das Interesse an einer Pflegeausbildung ist groß. Allein im Jahr 2025 starteten 667 angehende Pflegefachkräfte ihre Ausbildung im Land Bremen (2024: 617). Damit konnten die Ausbildungszahlen seit 2020 deutlich gesteigert werden (2020: 419). Insgesamt befanden sich 2025 über 1.600 Personen in der Pflegefachausbildung und fast 200 in einer Pflegehilfeausbildung im Land Bremen. Rund 30 Prozent brachen die Ausbildung jedoch vor dem Abschluss ab. Die Quote ist im Vergleich zu anderen Berufen nicht wesentlich höher, trägt aber dazu bei, den Fachkräftemangel in der Pflege zu verstärken. Ziel der Beratungsangebot ist es, unreflektierte Abbrüche zu verhindern. Ins Leben gerufen wurde es bereits 2023 von der Senatorin für Gesundheit, Frauen und Verbraucherschutz und der Arbeitnehmerkammer Bremen. 

Die beiden Beraterinnen von Pflegeausbildung – Bleib dran bieten an allen elf Pflegeschulstandorten Beratung an – anonym und freiwillig. Sie agieren unabhängig von Schulen und Trägern: Hier liegt der Unterschied zur Schulsozialarbeit: Bleib dran ist nicht Teil des Schulsystems, sondern setzt mit seinem Fokus auf Abbruchreduktion einen eigenen Schwerpunkt. Seit Projektstart 2023 erfolgten mehr als 300 Beratungen.

Vor allem Auszubildende im ersten Ausbildungsjahr sowie Auszubildende mit Migrationshintergrund nutzen das Angebot. Anlässe für eine Beratung sind unter anderem Probleme mit der Wohnsituation, mit Finanzen, Integration und Behörden, familiäre Herausforderungen, Unklarheiten in der beruflichen Perspektive, Konflikte im Arbeitsalltag oder gesundheitliche Probleme.

Auch für Praxisanleiter:innen in den Ausbildungseinrichtungen und Lehrkräfte der Pflegefachschulen wird vor Ort konkrete Unterstützung angeboten. Für die neue Projektlaufzeit 2026 -2029 sind zudem Workshops mit Lehrkräften und Mitarbeitenden in den Betrieben eingeplant.

Zum Hintergrund

Der Bedarf an Pflegefachkräften steigt stetig. Ursachen sind vor allem demografische Entwicklungen: eine steigende Zahl an Pflegebedürftigen und Kranken, viele Babyboomer, die den Beruf verlassen, und gleichzeitig eine sinkende Zahl ausbildungsfähiger Personen. Bis 2035 droht bundesweit eine Fachkräftelücke – für Bremen wird ein Bedarf von rund 1.400 zusätzlichen Pflegefachkräften prognostiziert. 2027 veröffentlicht die Senatorin ein neues Gesundheitsberufemonitoring mit aktualisierten Zahlen.

Die Vertragslösequote von Auszubildenden in der Pflege im Land Bremen lag 2025 bei 31,3 Prozent, 2024 bei 34,6 Prozent – und das trotz steigender Ansprüche in der Ausbildung und wachsender Herausforderungen für Ausbildende und Auszubildende aufgrund eines hohen Migrationsanteils, angespannter Wohnsituation, und der Notwendigkeit, auch geringer qualifizierte Bewerber:innen einzustellen, um die Zahlen weiter zu erhöhen.

 

Ansprechpartnerinnen für die Medien: 

Kristin Viezens, Pressesprecherin bei der Senatorin für Gesundheit, Frauen und Verbraucherschutz, 
Tel.: (0421) 361-2082, E-Mail: kristin.viezens@gesundheit.bremen.de 

Nathalie Sander, Leitung Kommunikation und Medien Arbeitnehmerkammer Bremen
Tel.: (0421) 360301 71, E-Mail: sander@arbeitnehmerkammer.de

Beratungsangebot „Pflegeausbildung – Bleib dran“ wird fortgesetzt

v.l.n.r. Anja Brünig (Beraterin Pflegeausbildung Bleib dran), Elke Heyduck (Geschäftsführerin Arbeitnehmerkammer Bremen), Motahareh Fazeli (Auszubildende zur Pflegefachfrau), Claudia Bernhard (Senatorin für Gesundheit, Frauen und Verbraucherschutz), Katharina Mattes (Projektleitung Pflegeausbildung Bleib dran)

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