Die Situation auf dem Bremer Ausbildungsmarkt spitzt sich zu: So wurden für das Ausbildungsjahr 2025/26 nur noch 4.133 betriebliche Ausbildungsstellen gemeldet und damit 498 beziehungsweise 10,8 Prozent weniger als im Vorjahr. Gleichzeitig stieg die Zahl der gemeldeten Bewerberinnen und Bewerber um 5,5 Prozent auf 4.988. Auch die Anzahl der neu abgeschlossenen Verträge bei Handelskammer und Handwerkskammer ist rückläufig. „Der Rückgang an gemeldeten Stellen und neuen Ausbildungsverträgen ist ein Warnsignal. Schon jetzt bildet nur noch jeder fünfte Betrieb im Land aus. Doch wer heute an Ausbildung spart, dem fehlen morgen die Fachkräfte“, mahnt Peer Rosenthal, Hauptgeschäftsführer der Arbeitnehmerkammer Bremen. Die Betriebe fordert er auf, mehr jungen Menschen den Einstieg ins Berufsleben zu ermöglichen. Um ausbildende Betriebe besser zu unterstützen, müsse der Ausbildungsunterstützungsfonds jetzt konsequent genutzt und weiterentwickelt werden.
Auf jede offene Stelle kommen fünf noch suchende Bewerber*innen
Im Land Bremen waren Ende September noch 426 Bewerber*innen unversorgt. Ihnen standen lediglich 212 unbesetzte Ausbildungsstellen gegenüber. Auf 100 offene Stellen kamen damit rund 201 junge Menschen ohne Ausbildungsplatz und ohne Alternative. Weitere 629 Bewerber*innen suchten trotz einer Alternative weiter nach einer Ausbildung. Insgesamt waren somit noch 1.055 junge Menschen auf der Suche – rund fünfmal so viele wie offene Stellen. Besonders angespannt ist die Lage in Bremerhaven: Dort kamen auf 52 offene Stellen 114 unversorgte Bewerber*innen – rund 219 je 100 Stellen.
Lage ernster als auf den ersten Blick erkennbar
Die Zahlen der Arbeitsagentur bilden jedoch nur einen Teil des Geschehens am Ausbildungsmarkt ab. Werden auch die erfolgreichen Bewerber*innen erfasst, die sich nicht bei der Agentur registriert haben sowie die mit Wohnsitz im niedersächsischen Umland, zeigt sich ein noch ernsteres Bild: So kam das Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB) bereits 2025 zu dem Ergebnis, dass auf 100 geeignete Bewerberinnen und Bewerber nur 67 Ausbildungsplätze kamen. Diese Lage dürfte sich nun deutlich verschärfen – neue Zahlen für das aktuelle Ausbildungsjahr legt das BIBB voraussichtlich im Dezember vor. Dabei gilt: Sowohl das BIBB als auch die Agentur für Arbeit berücksichtigen in ihren Statistiken nur diejenigen Bewerberinnen und Bewerber, die offiziell als ausbildungsreif eingestuft sind. „Wir haben nicht zu wenig geeignete junge Menschen für die Berufsausbildung – das ist ein moderner Mythos. Wer jetzt nicht ausbildet, riskiert nicht nur die Zukunft junger Menschen, sondern untergräbt das wirtschaftliche Fundament von morgen“, mahnt Peer Rosenthal.
Ausbildung ermöglichen und Abschlüsse sichern
Für junge Menschen ist eine Berufsausbildung das Eintrittsticket in den Arbeitsmarkt und damit die Aussicht auf ein gesichertes Einkommen und Aufstiegschancen – auch für diejenigen mit niedrigeren Bildungsabschlüssen. Betriebe dürfen sich nicht ihrer Verantwortung für die duale Berufsausbildung entziehen: Schon jetzt hat das Land Bremen bundesweit die höchste Quote von jungen Menschen ohne Berufsabschluss. Auch daher muss es gelingen, Ausbildungsabbrüche möglichst zu vermeiden und dafür zu sorgen, dass unterstützende Angebote besser angenommen werden. Auch braucht es einen Ausbau von Azubi-Wohnheimen, damit der Einstieg in Ausbildung nicht am Mietmarkt scheitert. Zudem müssen Bremen und Bremerhaven die Angebotslücke am Ausbildungsmarkt schließen und Plätze der außerbetrieblichen Ausbildung ausbauen.












