Klimakrise und soziale Ungerechtigkeit
Der Klimakrise schreitet spürbar voran, nicht nur in anderen Weltregionen, sondern auch in Bremen und Bremerhaven. Daraus ergeben sich erhebliche gesundheitliche, soziale und wirtschaftliche Gefahren. Die Folgen der Klimakrise sind sehr ungerecht verteilt: Obwohl die Emissionen besonders von Reichen verursacht werden, leiden einkommensschwache Menschen und andere vulnerable Gruppen besonders stark unter den Folgen. Damit ist die Klimakrise vor allem auch eine Gerechtigkeitskrise.
Viele Menschen sind verunsichert
Eine ambitionierte Klimaschutzpolitik und eine wirksame Anpassung an die absehbar nicht mehr vermeidbaren Folgen des Klimawandels gehören damit ganz weit oben auf die politische Agenda. Um der Klimakrise erfolgreich entgegenzuwirken, muss sich unsere Lebens- und Arbeitswelt tiefgreifend verändern. Es braucht einen grundlegenden Wandel der Produktions- und Konsummuster – eben eine echte sozial-ökologische Transformation. Diese Veränderungen verunsichern viele Menschen, vor allem wenn die Kosten ungerecht verteilt und Arbeitsplätze bedroht werden. Klimapolitik muss deshalb immer beides sein: ökologisch wirksam und sozial gerecht.
Unsere Forderungen
- Die Bremer Klimaziele müssen bis 2038 erreicht werden. Auch im Bund muss der Weg zur Klimaneutralität konsequent gegangen werden.
- Der Ausbau der Erneuerbaren Energien muss noch ambitionierter vorangetrieben werden.
- Industriearbeitsplätze müssen durch die Umstellung auf grüne Technologien erhalten werden. Dafür braucht es private und öffentliche Investitionen sowie verlässliche Rahmenbedingungen.
- Angesichts steigender Stromverbräuche müssen die Strompreise sinken. Das kann unter anderem durch einen öffentlichen Ausbau und Betrieb der Übertragungsnetze sowie eine entsprechende Entlastung bei den Netzentgelten erreicht werden.
- Transformation braucht wirksame Mitbestimmung: Beschäftigte müssen betriebliche Veränderungen aktiv mitgestalten können.
- Weiterbildung muss gestärkt werden, um in der Transformation berufliche Abstiege zu verhindern und Umstiege auf Fachkraftniveau zu ermöglichen.
- Klimaschutz und Klimaanpassung müssen sozial gerecht gestaltet werden. Dafür sollen Sozialchecks und ein Monitoring der sozialen Auswirkungen klimapolitischer Maßnahmen eingeführt werden. Steigende CO2-Kosten sollen durch ein sozial gestaffeltes Klimageld ausgeglichen werden.
- Öffentliche Förderprogramme für die Energie-, Wärme- und Verkehrswende müssen so gestaltet werden, dass auch Haushalte mit geringem Einkommen davon profitieren können.
- Mithilfe von Genderbudgeting soll sichergestellt werden, dass Geschlechterungleichheiten bei der Transformation nicht reproduziert oder gar verstärkt werden.
- Die Kreislaufwirtschaft muss gezielt gefördert werden, um den Ressourcenverbrauch zu senken und Chancen für regionale Wertschöpfung – etwa im Schiffs- und Batterierecycling – zu nutzen.
Nachhaltigkeit: 17 Ziele und ein Donut
Der Begriff der Nachhaltigkeit ist in aller Munde. Aber was heißt das eigentlich? Vereinfacht gesagt bedeutet Nachhaltigkeit, heute so zu wirtschaften, dass auch künftige Generationen noch gut leben können. Dass dies aktuell nicht der Fall ist, wird immer wieder am Erdüberlastungstag deutlich, an dem der Verbrauch natürlicher Ressourcen die Menge übersteigt, die innerhalb eines Jahres nachwachsen können. Das ist in Deutschland mittlerweile schon Anfang Mai eines jeden Jahres der Fall.
Ein gutes Leben für alle
Nachhaltigkeit hat nicht nur eine ökologische, sondern auch eine soziale und eine wirtschaftliche Dimension. 2015 hat sich die Weltgemeinschaft in der Agenda 2030 auf 17 Ziele der nachhaltigen Entwicklung, die Sustainable Development Goals (SDGs) geeinigt, die jeweils mit konkreten Unterzielen und Indikatoren versehen sind. Diese Ziele beschreiben eine umfassende sozial-ökologische Transformation hin zu einem guten Leben für alle. Sie sind dabei nicht nur eine verbindliche Richtschnur für die Entwicklungszusammenarbeit, sondern gelten auch hier in Deutschland und Bremen. Der Senat der Freien Hansestadt Bremen berichtet regelmäßig über seine Aktivitäten zur Erreichung der SDGs.

Die 17 Ziele für nachhaltige Entwicklung der Vereinten Nationen.
Modell der Donut-Ökonomie
In den vergangenen Jahren hat in diesem Zusammenhang auch das Modell der Donut-Ökonomie an Bedeutung gewonnen. Dabei wird Nachhaltigkeit anhand eines Donuts dargestellt: Der innere Kreis des Donuts stellt soziale Untergrenzen dar, die nicht unterschritten werden dürfen. Der äußere Kreis zeigt die planetaren Grenzen, die nicht überschritten werden dürfen. Zwischen den beiden Grenzen des Donuts liegt der sichere und gerechte Raum für menschliches Handeln und Wirtschaften. Dieser Raum muss der Zielkorridor für gute Wirtschafts-, Sozial- und Klimapolitik sein. Bisherige Formen des Wirtschaftens führen zu einer teilweise deutlichen Überschreitung vieler planetarer Grenzen und zu einer Unterschreitung einiger sozialer Grenzen. Hier muss politisch gegengesteuert werden und genau darum geht es bei der sozial-ökologischen Transformation. Ein gutes Leben für alle ist möglich.

Doughnuteconomics.org
Energiewende und Strompreise
Um der Klimakrise entgegenzuwirken, kommt es vor allem darauf an, die Energieerzeugung von fossilen auf erneuerbare Energiequellen umzustellen. Energie- und Wärmewende sind zentrale Hebel, um die Treibhausgasemissionen zu senken, da über 80 Prozent der Emissionen durch das Verbrennen von fossilen Energieträgern entstehen. Kohle, Gas und Öl müssen also schrittweise durch Strom vor allem aus Solaranlagen und Windrädern ersetzt werden.
Wirtschaftliche Resilienz
Neben ihrer Klimaschädlichkeit haben fossile Energieträger einen weiteren Nachteil: Sie schaffen einseitige Abhängigkeiten von Rohstoffimporten und sind anfällig für starke Preisschwankungen. So hat der Energiepreisschock nach dem Beginn des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine 2022 viele Privathaushalte und energieintensive Betriebe hart getroffen. Aufgrund des Iran-Krieges steigen gegenwärtig die Preise an der Tankstelle und im Supermarkt erneut spürbar an. Die Energiewende ist daher auch aus Gründen der Bezahlbarkeit und der wirtschaftlichen Resilienz von großer Bedeutung und wird mittelfristig die Energiekosten spürbar senken. Schon jetzt sind Wind und Sonne die mit Abstand günstigsten Stromquellen.
Wirksame staatliche Eingriffe
Die Umstellung des Energiesystems ist aber auch mit Kosten verbunden, vor allem weil die Übertragungsnetze aufwendig ausgebaut werden müssen. Die Kosten dafür tragen bisher die Stromkunden, wodurch nicht nur die Kaufkraft der Privathaushalte und die gesellschaftliche Akzeptanz für die Energiewende sinken, sondern auch die Dekarbonisierung der Industrie gefährdet wird. Es braucht deshalb wirksame staatliche Eingriffe, um die Strompreise für Haushalte und Industrie zu senken und andererseits den Ausbau von erneuerbarer Stromerzeugung sowie der Stromnetze und -speichern zu beschleunigen.
Strompreisentwicklung in der sozial-ökologischen Transformation
Dekarbonisierung der Industrie
Um die Klimaziele zu erreichen, müssen in der Industrie fossile Energieträger durch erneuerbaren Strom und grünen Wasserstoff ersetzt werden. Dabei handelt es sich einerseits um eine aufwendige und kostenintensive technologische Transformation. So muss im Stahlwerk etwa die bisherige Hochofenroute durch Direktreduktionsanlagen (DRI) und Elektrolichtbogenöfen (EAF) ersetzt werden. Das geht mit vielen grundlegend neuen Prozessen und Qualifikationsanforderungen für die Beschäftigten einher. Daher ist die Dekarbonisierung auch eine soziale Transformation, denn sie betrifft die Belegschaft und die Gesellschaft auf vielfältige Weise, verändert Arbeitsbiografien und hat Auswirkungen auf die Identifikation der Beschäftigten mit ihrem Beruf und ihrem Arbeitsplatz.
Berufliche Abstiege vermeiden
Unter dem Begriff der sozialen Transformation verstehen die IG Metall und wir die aktive Gestaltung des Umbaus mit den Beschäftigten als Expert*innen und Betroffene. Es muss gelingen, tarifgebundene und mitbestimmte Industriearbeitsplätze zu erhalten und berufliche Abstiege zu vermeiden. Daher kommen der Weiterbildung sowie mitunter auch der nachholenden Berufs- und Grundbildung in der Transformation eine bedeutende Rolle zu.
Öffentliche Hand muss investieren
Insgesamt gilt aber: Nicht der Klimaschutz gefährdet Industriearbeitsplätze, sondern der Klimawandel, die ungebrochene Dominanz fossiler Geschäftsmodelle, die Investitionszurückhaltung vieler Unternehmen und der schwindende politische Rückhalt für die Transformation. Ohne erhebliche Investitionen der öffentlichen Hand und der Unternehmen wird die Dekarbonisierung nicht gelingen und ohne Dekarbonisierung verlieren die deutschen Industriestandorte an Wettbewerbsfähigkeit.

Nicht der Klimaschutz gefährdet Industriearbeitsplätze, sondern der Klimawandel, die ungebrochene Dominanz fossiler Geschäftsmodelle.
Potentiale der Kreislaufwirtschaft
Angesichts der Überlastung natürlicher Ressourcen muss sich nicht nur die energetische Grundlage des produzierenden Gewerbes grundlegend wandeln, sondern auch die Produktpalette selbst sowie das Nutzungsverhalten. Das lineare Wirtschaften, in dem Ressourcen verbraucht werden, muss zunehmend einem zirkulären Wirtschaften weichen, in dem die Ressourcen möglichst lange im Nutzungskreislauf gehalten werden. In einer solchen Kreislaufwirtschaft sind die Konsumgüter langlebiger, reparierbar und recyclebar. Die Ziele der Kreislaufwirtschaft werden am besten in einer Kreislaufgesellschaft erreicht, in der neue (und alte) Praktiken des Teilens und Reparierens aufgewertet werden. In der Kreislaufwirtschaft liegen auch große Chancen für die Wirtschaftsstandorte Bremen und Bremerhaven, etwa in den Bereichen Schiffs-, Batterie- und Windanlagenrecycling.
Bremer Transformationskonferenz 2025
Am 19. September 2025 fand die erste Bremer Transformationskonferenz in der Bremischen Bürgerschaft statt. Gemeinsam mit elf Bremer Umwelt-, Sozial- und Wohlfahrtsverbänden haben die Arbeitnehmerkammer Bremen und der DGB die Konferenz mit dem Ziel ausgerichtet, ein starkes politisches Zeichen für eine sozial gerechte Klimapolitik zu setzen und konkrete Ideen für die sozial-ökologische Transformation in Bremen und darüber hinaus zu entwickeln. Im Vorfeld hatten sich die beteiligten Organisationen auf eine gemeinsame politische Erklärung mit dem Titel "Den Wandel gerecht gestalten" geeinigt.
Bremer Zukunftsbündnis
Aus der Transformationskonferenz ist das 2026 das Bremer Zukunftsbündnis entstanden, in dem die Arbeitnehmerkammer gemeinsam mit Gewerkschaften, Umwelt-, Sozial- und Wohlfahrtsverbänden Fachveranstaltungen u.a. zur Mobilitätsarmut, zur sozial gerechten Wärmewende, zum Arbeitsschutz im Klimawandel und zum Thema Arbeitszeit in der sozial-ökologischen Transformation organisiert. Am 27.10.2026 wird in einer Abendveranstaltung mit Katja Kipping (Der Paritätische) und Olaf Bandt (BUND) eine gemeinsame Erklärung des Bündnisses mit konkreten Forderungen vorgestellt."
Publikationen
Weiterführende Links
Die Zukunft in den Regionen gestalten - Deutscher Gewerkschaftsbund (DGB)
Start - Ziele für Nachhaltige Entwicklung - Agenda 2030 der UN
Aktionsplan Klimaschutz der Freien Hansestadt Bremen
Startseite - Anpassung an die Folgen des Klimawandels im Land Bremen
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