Beschäftigtenbefragung 2025

Das infas Institut für angewandte Sozialwissenschaft hat 2025 zum fünften Mal 3.300 Beschäftigte im Land Bremen befragt.

Seit 2017 führt das Meinungsforschungsinstitut infas in unserem Auftrag alle zwei Jahre eine repräsentative Befragung der Beschäftigten in Bremen und Bremerhaven durch. Das Ziel: Wir möchten mehr über die Arbeitsbedingungen unserer Mitglieder wissen. Wie viele Überstunden machen sie und werden diese auch abgegolten? Warum arbeiten sie in Teilzeit? Haben sie die Möglichkeit sich weiterzubilden? Und ist ihr Arbeitsplatz sicher? Diese und viele andere Themen sind Gegenstand der Befragung. Die Ergebnisse zeigen auf, was die Politik tun kann, um die Arbeitsbedingungen im Land Bremen zu verbessern.

Koordinaten der Arbeit 2025

Im Frühjahr 2025 fand die Befragung das fünfte Mal statt. Sie hat gezeigt, dass die Arbeitsbelastungen in den vergangenen zwei Jahren stark zugenommen haben und viele Befragte aus gesundheitlichen Gründen oder wegen zu hoher Arbeitsbelastung in Teilzeit arbeiten. Diese Ergebnisse liefern gute Argumente und handfeste Zahlen, mit denen wir uns in die aktuellen Debatten zur Arbeitszeit einbringen können. Es wurde deutlich, dass die Forderungen nach einer Verlängerung der Arbeitszeit oder einem späteren Renteneintritt für viele Beschäftigte an der Realität vorbeigehen, weil die Belastungen bereits jetzt hoch sind.

Zentrale Ergebnisse

40 Stunden im Vollzeitjob

Die Beschäftigten in Bremen und Bremerhaven arbeiten im Durchschnitt 40 Stunden, wenn sie einen Vollzeitjob haben – das ist eine Stunde mehr als vertraglich verabredet. Jede*r Zehnte von ihnen hat sogar noch einen Nebenjob. Beschäftigte mit Nebenjob arbeiten im Schnitt 46 Stunden pro Woche.

Überstunden gehören für viele unserer Mitglieder zum Arbeitsalltag. Besonders häufig werden sie in Krankenhäusern und Kindergärten geleistet. Fast jede/r Fünfte sagt außerdem, dass Überstunden selten oder gar nicht abgegolten werden. Vor allem Befragte aus dem Großhandel, dem Bereich wissenschaftliche Dienstleistungen und aus Kindergärten und Vorschulen sind betroffen.

Illustration einer erschöpften Person mit gesenktem Kopf, neben ihr ein Stapel von Papierstapeln. Über dem Kopf sind Blitzsymbole als Zeichen von Stress zu sehen. Daneben eine Uhr mit Pluszeichen als Symbol für zusätzliche Arbeitszeit. Rechts steht der Text: „Viele leisten Überstunden. Jeder zweite Beschäftigte leistet regelmäßig Überstunden, jeder Fünfte mehr als drei pro Woche.“

Arbeitsbelastung nimmt zu

Nicht nur Überstunden belasten die Befragten. Auch Stress und Arbeitsdruck nehmen zu. Das beklagen vor allem Beschäftigte in Krankenhäusern und Arztpraxen. Mehr als die Hälfte fühlt sich hierdurch in hohem oder sehr hohem Maße belastet. Das hat Auswirkungen auf die Gesundheit.

llustration einer gestressten Person mit gesenktem Kopf, die zwischen zwei hohen Stapeln von Papier bzw. Akten sitzt. Über dem Kopf sind rote Ausrufezeichen und Blitzsymbole als Zeichen von Stress dargestellt. Rechts daneben steht in großer Schrift „50 %“ sowie der Text: „Jede*r Zweite klagt darüber, dass Stress und Arbeitsdruck zugenommen haben.“

Auswirkungen auf die Gesundheit

Fast die Hälfte der Befragten gibt an, dass sich die Arbeit negativ auf die Gesundheit auswirkt – 2023 waren es noch 40 Prozent. Dieser Anstieg lässt sich über alle Altersgruppen hinweg beobachten. Besonders häufig wird das von Beschäftigten im Gesundheits- und Sozialwesen und im Verkehrs- und Logistiksektor beklagt. Beschäftigte, die Nachtarbeit leisten oder an Sonn- und Feiertagen arbeiten, sind ebenfalls besonders betroffen.

Während in den vorherigen Befragung 2023 vor allem Männer sagten, dass ihre Arbeit die Gesundheit negativ beeinflusst, sind es nun mehr Frauen.

Illustration mit Symbolen für Arbeit und Gesundheit: eine Aktentasche, Zahnräder und ein Schraubenschlüssel sowie eine rote Spritze. Rechts daneben steht in großer Schrift „50 %“ und der Text: „der Befragten sagen, ihre Arbeit wirke sich negativ auf den Gesundheitszustand aus.“

Rente mit 70? Keine gute Idee!

Knapp 30 Prozent der Befragten sagen, dass sie ihre Arbeit nicht zur Rente ausüben können.

Das sind mehr als in den Befragungen zuvor (2023: 26 Prozent, 2021: 23 Prozent). Diese Befürchtung haben vor allem Beschäftigte aus den Branchen Nahrungs- und Genussmittelindustrie, Gastgewerbe und Bau. Bei den 15–24-Jährigen glaubt sogar nur jede*r Zweite, bis zum regulären Rentenalter durchhalten zu können.

Besonders beunruhigend: Werden diese Beschäftigten gefragt, wie lange sie vermutlich arbeiten können, geben sie im Durchschnitt das Alter von 53 an.

Bereits jetzt gehen 85 Prozent der Befragten nicht davon aus, von ihrer Rente gut leben zu können. In vielen Fällen wird diese Sicherungslücke auch nicht angemessen durch betriebliche oder private Zusatzvorsorge geschlossen werden können.

Foto von Peer Rosenthal
Nein zur Anhebung des Rentenalters:
„Eine weitere Anhebung des Rentenalters würde für viele schlicht eine Rentenkürzung bedeuten. Viele müssten Abschläge in Kauf nehmen, weil sie es gesundheitlich nicht bis zur Rente schaffen".
Peer Rosenthal
Hauptgeschäftsführer der Arbeitnehmerkammer Bremen

Teilzeit: Vor allem Ältere arbeiten weniger

Fast ein Drittel der Befragten arbeitet in Teilzeit. Hier spielen familiäre Gründe eine Rolle, aber auch andere: Fast jede/r zweite Teilzeitbeschäftigte arbeitet nicht in Vollzeit, weil die Arbeitsbelastung dann zu hoch wäre, jede/r Dritte aus gesundheitlichen Gründen.

Anders als in der öffentlichen Debatte häufig behauptet, sind es gerade nicht die jungen Beschäftigten, die weniger Stunden leisten: Je älter die Befragten, desto höher ist der Teilzeitanteil. Bei den 55- bis 67-Jährigen liegt er bei 37 Prozent.

Die Pflege von Angehörigen belastet die Gesundheit

20 Prozent der Befragten haben pflegebedürftige Angehörige. Jede*r achte Beschäftigte im Land Bremen kümmert sich neben seiner Erwerbstätigkeit selbst um die Pflege von Angehörigen. Wie bei der Kinderbetreuung sind es auch hier vor allem Frauen, die diesen Spagat schaffen müssen. Der Männeranteil ist allerdings höher, als bei der Kinderbetreuung.

Vor allem von Befragten, die sich überwiegend allein um die Pflege kümmern, ist der Gesundheitszustand deutlich schlechter als im Durchschnitt.

Was auffällt: Beschäftigte mit Pflegeverantwortung können Job und familiäre Verpflichtungen noch schlechter unter einen Hut kriegen als diejenigen mit Kindern. Zudem fühlen sie sich durch die mangelnde Rücksichtnahme stärker belastet.

Foto von Elke Heyduck
Ein wachsender Teil der Beschäftigten kümmert sich um pflegebedürftige Angehörige. Wir brauchen ein Umdenken in den Betrieben und deutlich mehr professionelle Pflegeangebote, um die Beschäftigten zu entlasten.
Elke Heyduck
Geschäftsführerin

Ausländische Beschäftigte fürchten Jobverlust

Laut Beschäftigtenbefragung sind fast 80 Prozent in (sehr) hohem Maße mit ihrer Arbeit identifiziert. Fast drei Viertel sagen, dass sie mit ihrer Arbeit einen wichtigen Beitrag für die Gesellschaft leisten. Und trotz der angespannten wirtschaftlichen Lage sorgen sich nur sechs Prozent der Beschäftigten von ihrem Arbeitgeber gekündigt zu werden. Alarmierend ist allerdings, dass jeder vierte ausländische Beschäftigte befürchtet, seinen Arbeitsplatz zu verlieren – 2023 waren es noch 15 Prozent.

Mehr als zwei Drittel sind zufrieden mit ihrem Gehalt. Allerdings: Jeder zehnte Beschäftigte im Land Bremen arbeitet zum Mindestlohn oder verdient sogar noch weniger. Der mit Abstand größte Anteil der Mindestlohnempfänger*innen arbeitet im Gastgewerbe (42 Prozent), aber auch in der Nahrungs- und Genussmittelindustrie ist der Anteil überdurchschnittlich hoch (17 Prozent).

Forderungen der Arbeitnehmerkammer

Keine Abkehr vom Acht-Stunden-Tag:
Die aktuelle Wachstumsschwäche liegt nicht an mangelnder Arbeitsbereitschaft der Beschäftigten. Das Arbeitszeitvolumen in Deutschland ist zudem auf einem Höchststand. Lange Arbeitstage werden sich zusätzlich negativ auf die Gesundheit der Beschäftigten auswirken. Zudem erschweren sie die Vereinbarkeit von Beruf und Familie.

Überstunden bezahlen:
Wer Überstunden leistet, muss diese entlohnt oder in Freizeit abgegolten bekommen. Dies ist entsprechend gesetzlich zu regeln.

Keine Rente mit 70:
Viele Beschäftigte können schon aktuell aus gesundheitlichen Gründen nicht bis zum regulären Rentenalter arbeiten und steigen vorzeitig aus dem Erwerbsleben aus. Statt also die Regelaltersgrenze anzuheben, sollten sich Arbeitgeber um eine bessere Gesundheitsförderung im Betrieb kümmern.

Bessere Pflegeinfrastruktur:
Um Beschäftigte zu entlasten, die ihre Angehörigen selbst pflegen, müssen die Versorgungsengpässe geschlossen werden. Es müssen professionelle Angebote ausgebaut werden, insbesondere in der Kurzzeitpflege und in der ambulanten Versorgung. Hier müssen die Kommunen eine stärkere Rolle spielen bei der Planung, damit passende Angebote je nach Bedarf in den Quartieren entstehen können.

Lohnersatzleistung für pflegende Angehörige:
Um pflegende Angehörige besser abzusichern und zu unterstützen, braucht es eine steuerfinanzierte Lohnersatzleistung. So können vorübergehende Verdienstausfälle zumindest in Teilen ausgeglichen werden. Die Lohnersatzleistung sollte zeitlich begrenzt sein und eine Erwerbsarbeit in Teilzeit ermöglichen, damit Beschäftigte nicht längerfristig aus dem Beruf austreten.

Die jetzt existierenden Gesetze zur Freistellung von Angehörigen mit Pflegeverpflichtungen sind komplex und schwer anzuwenden. Die Gesetze müssen auf Bundesebene in ein einziges und für die Betroffenen handhabbares Gesetz überführt werden.

Koordinaten der Arbeit 2025

Der Bericht gibt einen Überblick über die Ergebnisse und stellt zudem Zusammenhänge her zwischen den Arbeitsbedingungen, der Zufriedenheit und den Sorgen von Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern. Dabei lässt er wichtige Handlungsbedarfe erkennen.

 

Cover der Koordinaten der Arbeit im Land Bremen 2025

Schwerpunktthema „Demokratie und Arbeit“

In jeder Befragung gibt es ein Schwerpunktthema, das wir uns genauer ansehen. In diesem Jahr ging es um die Frage, ob sich gute Arbeitsbedingungen positiv auf demokratische Haltungen auswirken und ob Menschen, die in ihrem Betrieb mitgestalten können, zufriedener mit der Demokratie und weniger ausländerfeindlich sind. Hierfür haben wir das Else-Frenkel-Brunswik-Institut (EFBI) mit einer Sonderauswertung beauftragt. Das EFBI forscht schon seit langem zum Zusammenhang von Demokratieerleben im Betrieb und Demokratiezufriedenheit. Weil wir den Katalog der Beschäftigtenbefragung um Fragen zu demokratischen Haltungen erweitert haben, konnte erstmals der Einfluss von Arbeitsbedingungen ermittelt werden. 

Foto von Dr. Johannes Kiess, Projektleiter und stellvertretender Direktor des EFBI
Wir konnten jetzt viel detaillierter als bisher Zusammenhänge zwischen Arbeitswelt und Demokratie erforschen.
Dr. Johannes Kiess
Projektleiter und stellvertretender Direktor des EFBI

Zentrale Ergebnisse

Diese Auswertung hat viel Positives zutage gebracht: 

  • 89 Prozent der Beschäftigten würden wählen gehen, wenn nächsten Sonntag Wahl wäre und ebenso viele halten die Teilnahme an Wahlen für ein hohes Gut und eine Bürgerpflicht. 
  • Über 70 Prozent sind zufrieden mit der Demokratie, 20 Prozent sind eher unzufrieden. 
Foto von Elke Heyduck
Das sind gute Zahlen, die zeigen, dass wir ein stabiles demokratisches Fundament in der Bremer Arbeitswelt haben.
Elke Heyduck
Geschäftsführerin der Arbeitnehmerkammer Bremen

Aber es gibt auch die weniger guten Nachrichten: 

  • Mit dem tatsächlichen Funktionieren der Demokratie sind nur gut 40 Prozent zufrieden. 
  • Außerdem sagen fast 40 Prozent der Menschen sagen, dass sie sowieso keinen Einfluss haben auf das, was die Regierung tut.

Die Studie des EFBI ist zu dem Ergebnis gekommen, das gute Arbeitsbedingungen dazu beitragen können, dass sich Beschäftigte wirtschaftlich und auch politisch weniger abgehängt fühlen. Dies hat zur Folge, dass die Demokratiezufriedenheit steigt und die Ausländerfeindlichkeit sinkt. Einen besonders starken Einfluss hat hierbei die Zufriedenheit mit dem Einkommen. Faire Löhne sind also nicht nur gut für die Beschäftigten, sie können auch dazu beitragen die Demokratie zu stärken.

Wir brauchen deshalb mehr Tarifverträge und Betriebsräte. Außerdem muss die Politik entschieden gegen Lohndumping und Union-Busting vorgehen und dafür sorgen, dass die Einhaltung von Mindestlöhnen und dem Arbeitsgesetz besser kontrolliert wird und Verstöße entschieden geahndet werden.

Gute Arbeitsbedingungen sichern die Demokratie

Auswertung der Beschäftigtenbefragung, die das Else-Frenkel-Brunswik-Institut (EFBI) an der Universität Leipzig im Auftrag der Arbeitnehmerkammer erstellt hat. 

Cover der Sonderauswertung: "Gute Arbeitsbedingungen sichern die Demokratie"

Über die Beschäftigtenbefragung

Das infas Institut für angewandte Sozialwissenschaft legt mit der Studie „Koordinaten der Arbeit“ 2025 zum fünften Mal eine Repräsentativerhebung von im Land Bremen beschäftigten Arbeitnehmenden vor. Die vorherigen Erhebungen fanden in den Jahren 2023, 2021, 2019 und 2017 statt. Neben den in Bremen wohnenden Beschäftigten wurden die Einpendler*innen aus Niedersachsen, Hamburg und weiteren Bundesländern einbezogen.

Die Erhebung wurde als Telefon- und Onlinebefragung zwischen Februar und Mai 2025 durchgeführt. Auf Basis der repräsentativen Stichprobenziehung konnten 3.337 Interviews realisiert werden. Diese bilden die im Land Bremen beschäftigten Arbeitnehmenden bezogen auf unterschiedliche Strukturmerkmale vollständig und repräsentativ ab. Die Studienergebnisse geben also Auskunft über die gesamte Arbeitnehmerschaft mit Arbeits- oder Ausbildungsverhältnis im Land Bremen und ermöglichen daher Rückschlüsse auf politische Handlungsbedarfe.

Weitere Sonderauswertungen (2025)

KammerKompakt: Digitalisierung in Bremen
Sonderauswertung der Beschäftigtenbefragung, 2025

Vorherige Beschäftigtenbefragungen

Koordinaten der Arbeit im Land Bremen 2023
Koordinaten der Arbeit im Land Bremen 2021
Koordinaten der Arbeit im Land Bremen 2019
Koordinaten der Arbeit im Land Bremen 2017

Geschäftsführung

Dr. Marion Salot

Referentin der Geschäftsführung

0421/36301-66

Politikberatung

Dr. Regina Becker

Referentin für quantitative Analysen

0421/36301-510