Zwei junge Frauen in der Küche ihrer Wohngemeinschaft, eine von ihnen macht gerade Hausaufgaben

Mehr günstiger Wohnraum für Auszubildende

Ergebnisse einer Umfrage der Arbeitnehmerkammer: Viele Auszubildende können sich das Wohnen kaum leisten

Viele Auszubildende können sich das Wohnen kaum leisten. Das zeigen Ergebnisse einer Umfrage der Arbeitnehmerkammer. Bremen und Bremerhaven brauchen mehr Wohnungsangebote, die auf Auszubildende zugeschnitten sind – dafür müssen neue Wohnheime gebaut werden.

Hohe Mieten und fehlende Wohnungen sind ein sozialpolitisches Dauerthema. Auch die Arbeitnehmerkammer hat sich in der Vergangenheit wiederholt damit beschäftigt. Gerade für Menschen mit geringen Einkommen kann das Wohnen zur Armutsfalle werden – dazu gehören auch die Auszubildenden. Allerdings ist über ihre Situation wenig bekannt. Die Arbeitnehmerkammer hat daher im Herbst 2025 eine Online-Umfrage durchgeführt, um zu analysieren, wie stark die Auszubildenden durch hohe Wohnkosten belastet sind und wie sie gern wohnen würden.

Zahlen der Bundesagentur für Arbeit zeigen: Das mittlere Bruttomonatsentgelt von Auszubildenden im Land Bremen (Auszubildendenvergütung) lag 2024 bei etwa 1.150 Euro. Das entspricht etwa 990 Euro netto und liegt für einen Singlehaushalt deutlich unterhalb der Armutsgefährdungsgrenze. Als zu hoch gelten laut der Europäischen Union alle Warmmieten, die 40 Prozent des verfügbaren Haushaltseinkommens übersteigen. Laut dem Statistischen Bundesamt geben Auszubildende aber im Durchschnitt 41 Prozent des Einkommens fürs Wohnen aus. Die meisten sind also zu stark belastet. In Großstädten mit hohen Mieten dürfte der Anteil noch höher liegen.

Auszubildende müssen die Möglichkeit haben, an ihrem Ausbildungsort eine angemessene und bezahlbare Wohnung zu finden. In Bremen ist dies aber immer schwieriger. Dem durchschnittlichen Auszubildenden stehen nach der oben genannten Definition für die Warmmiete maximal 396 Euro zur Verfügung, gemessen an der reinen Ausbildungsvergütung. Eine Wohnung zu diesem Preis zu finden ist in den meisten Stadtteilen kaum möglich: 2024 lagen die mittleren Angebotskaltmieten in Bremen bei 10,59 Euro pro Quadratmeter. Das ist mit dem Gehalt von Auszubildenden kaum zu bezahlen. Die meisten Auszubildenden sind daher auf weitere Einkünfte angewiesen: Unterhaltszahlungen, Beihilfen, Sozialleistungen oder auch Nebenjobs.

Balkendiagramm zur Wohnkostenbelastung von Auszubildenden. Wer nicht mehr bei den Eltern wohnt, ist deutlich häufiger stark belastet. Anteil mit Wohnkosten von über 40 Prozent des Einkommens: alleinlebend 73 Prozent, mit Partnerin 58 Prozent, WG 43 Prozent, noch bei Eltern lebend 5 Prozent, alle außer bei Eltern lebend 59 Prozent, insgesamt 27 Prozent. Anteil mit über 50 Prozent: alleinlebend 39 Prozent, mit Partnerin 42 Prozent, WG 12 Prozent, noch bei Eltern lebend 4 Prozent, alle außer bei Eltern lebend 31 Prozent, insgesamt 15 Prozent.

Viele Auszubildende können sich das Wohnen kaum leisten

Die Ergebnisse der eingangs erwähnten Online-Befragung unter Auszubildenden zeigen, dass Auszubildende mit eigenem Haushalt – egal, ob sie allein, gemeinsam mit dem oder der Partner*in oder in einer Wohngemeinschaft leben – häufig zu viel für ihre Wohnung zahlen, also mehr als 40 Prozent des Nettohaushaltseinkommens für Miete und Nebenkosten aufwenden müssen. Bei Alleinlebenden trifft dies auf 73 Prozent der Haushalte zu, 39 Prozent von ihnen sind sogar besonders stark belastet und geben mehr als die Hälfte des Einkommens fürs Wohnen aus. Auch bei Auszubildenden, die mit dem oder der Partner*in zusammenleben, sind die Werte hoch: Bei sechs von zehn sind es mehr als 40 Prozent, bei vier von zehn sogar mehr als 50 Prozent. Etwas geringer fallen die Zahlen bei jenen Auszubildenden aus, die in einer Wohngemeinschaft leben.

Die meisten Befragten – 59 Prozent – wohnen allerdings noch bei ihren Eltern. Für sie stellen sich die finanziellen Herausforderungen des Wohnens häufig noch nicht: Sieben von zehn müssen sich überhaupt nicht an den elterlichen Wohnkosten beteiligen. Der Rest leistet meist nur einen geringen Beitrag – lediglich bei fünf Prozent liegen die Kosten oberhalb der 40-Prozent-Marke.

Vor allem Alleinlebende sind zu stark belastet

Interessant ist auch die räumliche Betrachtung: Bei den Auszubildenden, die nicht mehr bei den Eltern leben, sind in Bremen 60 Prozent zu stark belastet. In Bremerhaven sind es sogar 63 Prozent – trotz des niedrigeren Mietenniveaus. Das verwundert auf den ersten Blick. Tatsächlich verfügen Auszubildende in Bremerhaven aber über geringere mittlere Einkommen als jene in Bremen. Gemäß der Bundesagentur für Arbeit erhalten vergleichsweise viele Auszubildende in Bremerhaven eine sehr geringe Vergütung von maximal 800 Euro, während in Bremen relativ viele 1.200 Euro und mehr verdienen. Dies dürfte insbesondere an der Branchenstruktur liegen: Der starke industrielle Kern Bremens, aber auch die große öffentliche Verwaltung einer Landeshauptstadt führen in vielen Fällen zu besseren Ausbildungsvergütungen. Am geringsten ist der Anteil übermäßig belasteteter Haushalte bei Auszubildenden, die weder in Bremen noch in Bremerhaven, also in der Regel im Umland wohnen: Hier sind es 53 Prozent.

Viele Auszubildende sind auf zusätzliche Geldquellen angewiesen. 66 Prozent derjenigen, die nicht mehr bei den Eltern wohnen, gaben an, weitere Einkommen zu haben, teilweise aus mehreren Quellen. 34 Prozent bekommen eine oder mehrere Sozialleistungen. Einige davon richten sich direkt an Auszubildende: Die Berufsausbildungsbeihilfe (BAB) wird Bedürftigen bei einer betrieblichen Ausbildung gewährt. Für rein schulische Ausbildungen greifen die Leistungen des Bundesausbildungsförderungsgesetzes (BAföG), da hier keine Ausbildungsvergütung gezahlt wird. Auszubildende mit Schwerbehinderung können mitunter Ausbildungsgeld beziehen. Die wichtigste Sozialleistung ist allerdings das Kindergeld. Wohngeld spielt dagegen nur eine untergeordnete Rolle, da andere Leistungen wie die Berufsausbildungsbeihilfe zuerst greifen. 30 Prozent der Befragten bekommen private Zuwendungen (etwa von den Eltern), 19 Prozent haben einen Nebenjob.

Balkendiagramm zur Unzufriedenheit mit der Wohnsituation von Auszubildenden nach Wohnform. Insgesamt sind 30 Prozent unzufrieden. Am häufigsten betrifft das Auszubildende in einer WG mit 37 Prozent, gefolgt von mit Partner*in Wohnenden mit 34 Prozent, Alleinlebenden mit 32 Prozent und bei den Eltern Wohnenden mit 27 Prozent. Als Gründe werden je nach Wohnform vor allem zu hohe Wohnkosten, eine zu kleine Wohnung, ein schlechter Zustand der Wohnung, ein zu weiter Weg zu Betrieb oder Schule sowie bei den Eltern Wohnenden der Wunsch genannt, nicht mehr bei den Eltern zu wohnen.

Azubi-Befragung: Ein Drittel ist mit der Wohnsituation unzufrieden

Jede*r dritte mit Wohnsituation unzufrieden – Wohnungen in schlechtem Zustand

Im Rahmen der Befragung wurde auch erfasst, wie zufrieden Auszubildende mit ihrer Wohnsituation sind. 30 Prozent der Befragten sind unzufrieden, wobei es keine deutlichen Unterschiede zwischen den unterschiedlichen Wohnformen gibt. Am zufriedensten sind diejenigen, die noch bei den Eltern wohnen (27 Prozent).

Allerdings unterscheiden sich die Gründe für die Unzufriedenheit. Bei den Eltern Wohnende sagen überwiegend, dass sie nicht mehr im Elternhaus leben wollen, etwa aus dem Wunsch nach Unabhängigkeit oder aufgrund eines schlechten häuslichen Klimas. Tatsächlich vermerkten einige Befragte, dass es Konflikte in der Familie gibt. Alleinlebende gaben vor allem an, dass die Wohnung zu teuer sei. Dies deckt sich mit der festgestellten hohen Wohnkostenbelastung. Für diejenigen, die mit dem oder der Partner*in zusammenleben, ist die Wohnung vergleichsweise oft zu klein.

Die Befragten hatten auch die Möglichkeit, in einem freien Eingabefeld weitere Angaben zu machen. Viele kritisieren die zu hohen Mieten in Bremen, zum Teil auch in Bremerhaven. Mehrfach wurde angegeben, dass bezahlbarer Wohnraum, wenn überhaupt auffindbar, oft verschimmelt oder anderweitig in einem schlechten baulichen Zustand sei. Es wurde darüber hinaus mehrfach beklagt, dass viele Eigentümer*innen ungern an Auszubildende vermieten. Mehrere der Befragten erklärten, seit Längerem ohne Erfolg auf Wohnungssuche zu sein, Einzelne nehmen ungewollt lange Pendelstrecken in Kauf. Für viele der Befragten macht die zu geringe Ausbildungsvergütung eine eigene Haushaltsführung aus ihrer Sicht kaum möglich. Die Beantragung und Bewilligung von Sozialleistungen wie Berufsausbildungsbeihilfe oder Wohngeld wird teils als kompliziert und ungerecht empfunden. Eine Befragte wies auf ihre spezifische schwierige finanzielle Situation als alleinerziehende Auszubildende hin. Mehrere Auszubildende begrüßten das neue Wohnheim und wünschten sich explizit mehr solcher Angebote.

Befragung Ende 2025

Insgesamt haben 476 Auszubildende an der Befragung teilgenommen. Davon kamen 72 Prozent aus Bremen und 22 Prozent aus Bremerhaven. Die restlichen sechs Prozent konnten keiner der beiden Städte zugeordnet werden. Der Befragungszeitraum war Oktober bis Dezember 2025.

Wohnheime für Auszubildende in Bremen

Das erste Wohnheim für Auszubildende in Bremen eröffnete im Herbst 2025 am Ellener Hof im Stadtteil Osterholz. Es wird durch das neu gegründete „Azubiwerk“ betrieben und bietet neben Wohnraum auch eine sozialpädagogische Begleitung für die Auszubildenden.6 Zudem haben das Azubiwerk und das Wohnungsunternehmen Gewoba im Dezember 2025 für den Standort Q45 im ehemaligen Bundeswehrhochhaus einen Vertrag abgeschlossen. 20 der dort entstehenden Wohnungen sollen zukünftig an Auszubildende vermittelt werden. Die Errichtung weiterer Wohnheime in Bremen wird diskutiert. Allerdings kann das Angebot bisher nicht den Bedarf decken.

In Bremerhaven gibt es bisher noch wenig Ambitionen, ein solches Wohnheim zu bauen, da der Wohnungsmarkt dort als nicht angespannt gilt und Wohnraum generell günstiger ist. Allerdings – das belegt die Mieter- und Eigentümerbefragung der Arbeitnehmerkammer – sind gerade auch in der Seestadt die Angebotsmieten in den vergangenen zehn Jahren deutlich stärker gestiegen als die Einkommen. Daher wird sich zukünftig auch hier die Frage nach bezahlbarem Wohnraum für Auszubildende stellen.

Politikberatung

Dr. Dominik Santner

Referent für Wirtschafts- und Infrastrukturpolitik

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