Wie sind Vermögen verteilt?
Eine amtliche Statistik über das gesamte private Nettovermögen im Land Bremen (oder Deutschland) gibt es nicht. Aber anhand bekannter Daten lässt sich ein Eindruck gewinnen, um welche Dimensionen es bei der Debatte um eine Vermögensteuer geht. Das Deutsche Institut für Wirtschafts forschung (DIW) kommt zu dem Ergebnis, dass das Nettovermögen in Deutschland 2026 noch ungleicher verteilt ist als bislang vermutet:
Welche Konzepte gibt es?
Mit genauen Zahlen lässt sich bisher nicht rechnen. Da die Vermögensteuer seit 1997 nicht mehr erhoben wird, fehlen statistische Grundlagen. „Die Datenlage ist ziemlich schlecht“, sagt Rösch. Aus diesem Grund seien alle Berechnungen mit Vorsicht zu genießen.
Konzepte für eine Neuauflage unterscheiden sich zudem in der Ausgestaltung erheblich – und damit auch die berechneten Summen. Das Forum Ökologisch-Soziale Marktwirtschaft (FÖS) zum Beispiel hat eine Steuer von zwei Prozent auf Vermögen von mehr als 100 Millionen Euro als Grundlage genommen und Einnahmen von 257 Millionen Euro für Bremen ausgerechnet. Die Partei Die Linke verspricht sich mit ihrem Ansatz – der bis zu zwölf Prozent Besteuerung ab einer Milliarde Euro Vermögen vorsieht – sogar 1,1 Milliarden Euro Einnahmen.
Was könnte Bremen mit dem Geld machen?
Welchen Unterschied eine Vermögensteuer bereits mit Einnahmen von 250 Millionen Euro jährlich für Bremen ausmachen könnte, zeigt sich im Bildungsbereich. Den Sanierungsstau an allgemeinbildenden Schulen beziffert die Verwaltung auf etwa 810 Millionen Euro, bei den dazugehörigen Spielgeräten sind es 225.000 Euro. Das Problem ließe sich nicht auf einen Schlag lösen, aber doch abmildern. Das gelte genauso für den Gesundheitsbereich oder den öffentlichen Nahverkehr. „Menschen mit geringem Einkommen profitieren von Investitionen in die Infrastruktur besonders“, sagt Rösch. Eine Vermögensteuer trifft also eine vergleichsweise kleine, vermögende Gruppe – doch alle profitieren davon, wenn das Geld entsprechend eingesetzt wird.
Rösch verweist ferner darauf, dass der Bund Vermögende in den vergangenen Jahrzehnten bei Themen wie Abgeltungs- oder Erbschaftssteuer geschont habe, während die Allgemeinheit mit der Mehrwertsteuerhöhung und die CO2-Bepreisung zusätzlich belastet wurde. Allein im Jahr 2025 vermehrten deutsche Milliardär*innen ihr Vermögen laut Oxfam preisbereinigt um 30 Prozent. Die Reallöhne blieben dem Statistischen Bundesamt zufolge mit einer Steigerung um 1,9 Prozent weit darunter. Damit lagen sie noch immer unter dem Niveau von 2019 – dem Jahr vor Beginn der Corona-Pandemie.
Gleichzeitig sei der öffentliche Finanzierungs- und Investitionsbedarf erheblich gestiegen – etwa für die Sanierung von Straßen und Brücken, für bezahlbaren Wohnraum sowie für Klimaschutz und die Anpassung an Klimafolgen, zählt Rösch auf. Auch die Zuteilung des Sondervermögens durch den Bund ist aus Sicht Röschs „ein Tropfen auf dem heißen Stein“, der Sanierungsstau lasse sich dadurch nicht abfedern.
Gibt es Konsequenzen für die Wirtschaft?
Gegenargumente wie fehlende Puffer für Wirtschaftskrisen, abnehmende Investitionskraft, drohender Mittelabfluss ins Ausland oder bürokratischer Aufwand oder findet Rösch wenig überzeugend: „Das Mehraufkommen übersteigt den Aufwand deutlich“, sagt er. Steuerfahnder und Betriebsprüfer finanzierten sich beispielsweise selbst. „Man muss selbstverständlich die Arbeitsplatzsicherheit auf dem Schirm haben“, betont Rösch. Als Beispiele nennt er neben den großzügigen Freibeträgen die Möglichkeit zur Stundung oder Härtefallregelungen. So wären auch Unternehmen in ertragsschwachen Jahren geschützt.
Doch die grundlegende Ungerechtigkeit sollte aus seiner Sicht beseitigt werden: „Arbeit und Konsum tragen einen großen Teil des Steuer- und Abgabenaufkommens“, sagt Rösch und spricht von einer unverständlichen Schieflage: „Sehr große private Vermögensbestände werden dagegen seit fast drei Jahrzehnten nicht mehr allgemein besteuert.“ Seit fast 30 Jahren lasse der Staat ein Potenzial verstreichen – zugunsten einer kleinen Gruppe und zulasten der Allgemeinheit.