In Bremens letzter professionell geführter Drechslerei trifft Tradition auf Moderne. Schon im Eingangsbereich dringt der Duft von verarbeitetem Holz in die Nase. Klassische Drechselbänke für die Handarbeit stehen im Stadtteil Häfen neben neuen computergesteuerten Werkzeugmaschinen. Das Team von Meister Hans-Peter Schöner, der den Betrieb 2010 gegründet und die Räume an der Ferdinand-Porsche-Straße 2018 bezogen hat, fertigt hier Unikate ebenso wie Serienarbeiten: von Treppengeländerstäben über Dekorationsartikel wie Windspiele bis hin zu Holzdummys für den Kampfsport.
Über jedem Gerät hängt ein Absaugschlauch, die Holzspäne werden über ein verzweigtes Rohrsystem in einem Behälter gesammelt und zu Brickets gepresst. Ein passender Holzofen erzeugt in den kalten Wintermonaten die Wärme in der Halle nachhaltig und reduziert so die Gaskosten auf ein Minimum.
Die Atmosphäre in der Werkstatt hat Lehrling Anton Golovtchenko vom ersten Moment an zugesagt. „Ich fand das gleich schön: die Arbeiten, die Späne. Da war Leben im Betrieb“, beschreibt er den Moment des Kennenlernens. Nachdem er den theoretischen Teil des Wirtschaftsabiturs in der Tasche hatte, sah er seine berufliche Zukunft in einem Handwerksbetrieb. „Ich habe den Beruf erst vor Kurzem kennengelernt“, erzählt er.
Ohne große Vorstellungen davon zu haben, fand sich der 20-Jährige schnell in Schöners dreiköpfigem Team ein. Nach den ersten Monaten im Unternehmen schätzt er den abwechslungsreichen Alltag mit der Mischung aus Handarbeit und modernen Fertigungsverfahren. „Ich mache fast jeden Tag etwas anderes“, sagt Golovtchenko zufrieden. Jüngst drehte er einen Kreisel für einen Kunden per Hand. Pakete verpacken und Holz zuschneiden gehören ebenso zu den Aufgaben.
Großen Spaß bereitet ihm, von Hand zu drehen und Einzelstücke mit dem Werkzeug zu bearbeiten, um die Holzstücke in die gewünschte Form zu bringen. „Das ist etwas Einzigartiges und Besonderes. Für mich ist das das eigentliche Drechseln“, sagt er über die Tradition eines der ältesten Gewerke. Notwendig seien Gefühl, Übung und Erfahrung. An der Buche fühlt sich der Auszubildende bisher am sichersten. Das Holz ist hart, glatt und relativ günstig. „Wenn ich etwas versaue, ist es nicht so schlimm“, sagt der Auszubildende und schmunzelt. Auch mit Nussbaum und dem tropischen Padoukholz arbeitet er gern: „Das lässt sich ganz angenehm drehen und sieht schön aus.“
Zudem eignet sich Golovtchenko bei den Projekten Materialkunde an, die ihm auch Meister Schöner vermittelt: Kiefer und Fichte sind eher harzig, Teak hat eine ölige Oberfläche. Neben Hand und Augen arbeitet beim Drechseln auch die Nase mit. „Beim Drehen schneidet man das Holz ab, und der Geruch kommt raus. Das ist immer ganz schön“, sagt er.
Für die Lehre nimmt der angehende Drechsler ein herausforderndes Programm auf sich. Denn Ausbildungen zum Drechsler gibt es nur noch selten. Golovtchenko muss deswegen blockweise zwischen dem Betrieb in Bremen und der Berufsschule in Bad Kissingen in Bayern pendeln.
In seiner Klasse werden alle drei Lehrjahre zusammen unterrichtet – sieben Schüler zählt der Kurs. Doch statt möglicher Belastungen hebt der 20-Jährige lieber die Vorzüge hervor: „Es ist schön, mal wegzukommen. Der Schulalltag ist komplett anders. Dann komme ich entspannter zurück.“ Ganz nebenbei tragen Schöner und Golovtchenko dazu bei, dass ein Traditionshandwerk auch in Bremen noch eine Zukunft hat.



