Ausbildung

Handarbeit: Der Bäcker

Im Bremer Viertel lebt die Backtradition. Vom Getreide bis zur fertigen Ware bestimmt Bäcker Jonatan Lange den Ablauf. Was später bei Effenberger im Laden ausliegt, dafür bürgt der Wahlbremer: „Ich habe alles einmal angefasst.“

Bäcker Jonatan Lange backt Brot

Bäcker Jonatan Lange bei der Arbeit

Für Effenberger als Arbeitgeber hat sich Lange bewusst entschieden. Die Traditions-Vollkornbäckerei, ein Familienbetrieb in dritter Generation, gibt es seit fast 70 Jahren. Der Bäckergeselle schätzt hier gleich mehrere Dinge: Das beginnt mit der ersten Tür, die der 30-Jährige öffnet – die zum Mühlenraum. Hier wird das angelieferte Getreide aus der Region, teils mit Bio-Siegel, selbst gemahlen. „Das ist besser für die Qualität. Bei Mehl geht die Qualität verloren, wenn es zu lange lagert“, erklärt Lange. Zudem könne er damit sortenreine Brote garantieren.

Im Backraum benötigt der Bäckergeselle nur wenige Arbeitsmittel. Eine Knetmaschine und ein alter Holztisch reichen, um aus Mehl und weiteren Zutaten die Teiglinge herzustellen. „Der Teig wird klassisch von Hand rundgewirkt. Dadurch wird er fluffiger“, sagt Lange. Fehlt noch das wichtigste Hilfsmittel: „Das Herzstück sind die Stikkenöfen.“ Auf einem fahrbaren Wagen (Stikken) schiebt Lange in einem der letzten Arbeitsschritte die gestapelten Bleche in die menschenhohen Öfen.
Diesen klassischen Ablauf schätzt Lange. Dafür stellt er sich gern frühmorgens in den Backraum, liefert vormittags selbst an Großkunden aus oder kommt nachmittags noch einmal, um das Mehl zu mahlen.

An Homeoffice oder Gleitzeit ist handwerkstypisch nicht zu denken. „Jeder Beruf hat seine Vor- und Nachteile“, will sich Lange nicht beklagen. Daran habe er sich nach zwölf Jahren im Beruf ebenso gewöhnt wie an den Sauerteig, um den er sich alle acht Stunden kümmern muss. „Dafür habe ich jetzt frei“, sagt der 30-Jährige bei dem Treffen an einem Vormittag und kontert: „Und ich habe direkt das Erfolgserlebnis – wie bei einem Videospiel. Nach fünf Stunden sehe ich, was ich geschafft habe.“ Zudem könne er sich in die Produktentwicklung einbringen.
Den passionierten Bäcker würde daher freuen, wenn sich mehr junge Menschen für das Handwerk begeistern. Bei Effenberger haben sie drei Jahre nach dem aktuellen Auszubildenden gesucht, ein*e Nachfolger*in ist noch nicht gefunden.

Gleichzeitig kennt Lange den Handlungsbedarf in der Branche. Bis vor fünf Jahren hat er als Frau gelebt und sagt: „Ich kenne beide Seiten.“ Bei früheren Arbeitsstätten habe er sexistische Erfahrungen gemacht – und wie viele andere keine Lust auf dumme Sprüche.

Für Lange, der auch eine Ausbildung als Konditor hat, überwiegen trotzdem die Vorteile des Berufs. „Er bietet super viele Möglichkeiten“, sagt er. Berufserfahrung hat der 30-Jährige bereits in Neuseeland und Spanien, in Hamburg, Stuttgart und auf Norderney gesammelt. Mit dem Fokus auf Regionalität und Nachhaltigkeit sowie der selbstbestimmten, klassischen Arbeit hat er bei Effenberger sein berufliches Glück gefunden. „Ich bin super gern Bäcker“, sagt Lange.

Der*die Bäcker*in

Die Ausbildung zum*zur Bäcker*in dauert in der Regel drei Jahre. Sie ist in Industrie und Handwerk möglich. Lehrlinge erhalten im ersten Jahr etwa 1.000 Euro brutto. Eine Vorbildung ist nicht zwingend erforderlich. Betriebe wünschen aber in der Regel einen Hauptschul- oder mittleren Bildungsabschluss.

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