Der Name steht groß und deutlich an der Tafel. Der Blick der jungen Lehrerin als sie vor die Klasse tritt: angespannt, ernst. Doch das legt sich im Laufe des Unterrichts. Der Anfang ist immer aufregend. Ob im Büro, am Fließband oder auf dem Bauernhof – der erste Arbeitstag kann ganz unterschiedlich aussehen. Gleichzeitig sind die Emotionen wahrscheinlich bei allen Menschen ähnlich. Der Fotograf Frank Schinski fängt diese in seiner Serie Der erste Arbeitstag ein. Seine Bilder sind seit kurzem als Ausstellung im Foyer der Arbeitnehmerkammer zu sehen.
Frank Schinski, geboren 1975 in Prenzlau, kennt sich aus mit der Arbeitswelt. Nach einer Maurerlehre entschied er sich später, sein Abitur nachzuholen und Fotografie zu studieren. Sein Abschlussprojekt an der Fachhochschule Hannover: Der letzte Arbeitstag. Dass er auch Menschen an ihrem ersten Arbeitstag begleitet, war daher nur eine Frage der Zeit. Oder mehr: Der ZEIT. Denn die Zeitung fragte ihn schließlich für das Projekt an.
Entstanden ist daraus eine Serie, die viele Geschichten und eine zugleich erzählt: Die Geschichte eines ersten Arbeitstages. Die Ausstellung zeigt jede porträtierte Person in drei Bildern, zu verschiedenen Zeiten ihres ersten Arbeitstages. Aus verschiedenen Perspektiven, in verschiedenen Situationen, mal wie eine Momentaufnahme und mal mit direktem Blick in die Kamera. Doch immer mit Emotionen, die man vielleicht vom eigenen ersten Arbeitstag kennt. Dabei könnten die abgebildeten Berufe nicht unterschiedlicher sein: Da ist der Tagelöhner, der vor dem Jobcenter sitzt und auf Arbeit für den heutigen Tag hofft. Daneben die Bilder eines jungen Marinesoldaten, der mit Seesack seinen ersten Dienst antritt. Und ein Bild weiter ist die Richterin, die ihre Akten sammelt und ihre erste Verhandlung führt.
Jeder dieser Menschen hat eine Geschichte. Doch diese bleibt verborgen. Keines der Bilder hat einen Titel, kein kleines Kärtchen neben den Porträts verrät etwas über die abgebildeten Menschen oder den Beruf. „Mit Absicht“, erklärt Frank Schinski. Mit seinen Bildern strebe er eine „Allgemeingültigkeit“ an: Wenn die Menschen seine Bilder betrachten, können sie sich selbst darin wiederfinden. Deshalb war es ihm auch wichtig, ein breites Spektrum an Berufen einzufangen – vom Bürojob bis zur Arbeit auf einem Bauernhof. Gleichzeitig laden die Aufnahmen auch ein, Fragen zu stellen und zu reflektieren. Was sagt es aus, wenn die einzige Farbe in einem sonst grauen Büro von einem Bildschirm kommt?
Für Frank Schinski war Fotografie schon immer ein Weg sich die Welt zu erschließen und damit auch Dinge in den Fokus zu rücken, die sonst im Alltag verloren gehen. „Die Alltagsbühne“ nennt er das. Ganz subtil offenbaren sich die Themen, die auf den ersten Blick nur Menschen in ihrem Alltag zeigen, wie auch in seiner Serie Deutschland macht Pause. Wer seine Bilder betrachtet, sieht vielleicht den Alltag. Doch wer anfängt sich Fragen zu stellen, sieht vielleicht noch mehr. Welche Fragen das sind – das lässt sich ab sofort in der Ausstellung herausfinden.
Die Ausstellung ist noch bis zum 25. September 2026 im Foyer der Arbeitnehmerkammer Bremen (Bürgerstr. 1) kostenlos zu sehen.



