Branchen, Ausbildung

Bücherjob mit LKW-Führerschein

Lisa Réum arbeitet als Fachangestellte für Medien und Informationsdienste (FaMI) im Bücherbus der Stadtbibliothek Bremen. Sie bringt Bücher dorthin, wo es keine Zweigstelle gibt.

Eine Frau bedient an dem Ausleihe-Schalter eines Bücherbusses

Lisas Réums Zweigstelle der Stadtbibliothek ist zwölfeinhalb Meter lang – außen, wohlgemerkt. Drinnen ist der Bücherbus nicht so geräumig, aber genauso belebt wie die stationären Filialen: Kleine Kinder, Eltern und ältere Menschen leihen Bücher aus, geben Medien zurück oder schmökern. Nach wenigen Stunden, wenn die Ausleihe vorbei ist, fährt Réum den 18-Tonner zur nächsten Haltestelle.

Eigentlich hatte die 29-Jährige einen anderen Weg eingeschlagen. Nach dem Abitur studiert sie fünf Jahre Germanistik. „Ich wusste nur: Richtung Bücher, irgendwie Verlag wäre ganz nett.“ Nebenbei arbeitet sie in einer Buchhandlung und merkt, dass ihr vor allem der Kontakt mit Menschen gefällt. Bei der Entscheidung zwischen Buchhändlerin und FaMI fällt die Wahl auf die Bibliothek. „Beim Beraten ist es ein bisschen zwangloser. Im schlimmsten Fall nimmt die Person ein Buch mit, stellt fest, oh nee, gefällt mir nicht, und bringt es wieder zurück.“

Nach ihrem Abschluss wechselt Réum in die Busbibliothek. Um den Bücherbus fahren zu können, macht sie zunächst den Pkw- und anschließend den Lkw-Führerschein. Dass der Bibliotheksbus zwölfeinhalb Meter lang ist, schreckt sie nicht ab.

Lisa Réums Arbeitstag beginnt im Magazin in Gröpelingen. Bevor es losgeht, werden Lücken in den Regalen aufgefüllt und Bücher für die jeweilige Haltestelle zusammengestellt. An Schulhaltestellen dominieren Kinder- und Erstlesebücher. An anderen Stopps werden mehr Bücher für Erwachsene ausgeliehen. „Man muss die Menschen vor Ort kennen und wissen, was sie interessiert.“

Dann geht es auf Tour. Ausleihen, Rückgaben, Beratung, Bestellungen bearbeiten – und zwischendurch Bücher einsortieren. An besonders vollen Haltestellen sind sie zu dritt unterwegs. Dann übernimmt eine Person die Rückgabe, eine die Ausleihe, während die dritte versucht, Bücher wieder an ihren Platz zu bringen. Man müsse stressresistent und flexibel sein, sagt Réum, aber genau das macht den Beruf für sie interessant. An jeder Haltestelle begegnet ihr ein anderes Publikum. Viele kennt das Team inzwischen persönlich, manche seit Jahren.

„Entgegen vielen Vorurteilen lesen Kinder viel“, sagt Réum. Bei der Eröffnung einer Haltestelle an der Gartenstadt Werdersee sitzen die Kinder einer Grundschule auf der Mauer und rufen: „Wir wollen Bücher.“ Ganz ohne Digitalisierung kommt der Beruf trotzdem nicht aus. E-Books und die Onleihe werden stärker genutzt – häufig ergänzend zum Buch. Die Arbeit in der Bibliothek verändert sich mit den Gewohnheiten ihrer Kundschaft.

Was sollte man mitbringen? Offenheit, Organisationstalent und Begeisterung für Medien. Eine „Leseratte“ muss man nicht sein. „Manche sagen, man sollte seefest sein, weil der Bus manchmal ganz schön wackelt.“

Fachangestellte*r für Medien und Informationsdienste, Fachrichtung Bibliothek

Die Ausbildung dauert drei Jahre. In Bremen erfolgt die praktische Ausbildung in der Staats- und Universitätsbibliothek, der Stadtbibliothek Bremen und dem Landesinstitut für Schule. Der Ausbildungsvertrag wird mit dem Aus- und Fortbildungszentrum des Landes Bremen (AFZ) geschlossen.

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