
Nachbericht:
Sexualisierte Belästigung und Gewalt sind in der Arbeitswelt leider noch viel zu häufig Teil des Arbeitsalltags.
Darüber haben wir bei dieser gemeinsamen Veranstaltung mit der ZGF Bremen und der Landeskoordinierungsstelle Istanbul-Konvention der Senatorin für Gesundheit, Frauen, Verbraucherschutz Bremen gesprochen.
Es wurde klar: Wir brauchen verbindliche Strukturen, klare Zuständigkeiten und echte Unterstützung für Betroffene – vor allem für Frauen! Prävention darf nicht vom guten Willen einzelner abhängen.
Besonders wertvoll waren die unterschiedlichen Perspektiven der Referent*innen:
- Michael Gümbel (Perspektive Arbeit & Gesundheit, Hamburg) machte deutlich, wie groß die Lücken in Betrieben und Behörden sind – trotz AGG, Arbeitsschutzgesetz und ILO-Übereinkommen 190.
- Antje Jess (Landesfrauenrat) und Ann Kathrin Müller stellten die Initiative „Not my job / Nicht mein Job“ vor – ein beeindruckendes Engagement gegen sexuelle Belästigung in der Gastronomie.
- Auf dem Podium diskutierten außerdem Dr. Kathrin Stern, Julia Seekamp, Anna Martinez und Ann Kathrin Müller über konkrete Wege zu mehr Schutz im Land Bremen.
Was jetzt außerdem aus unserer Sicht wichtig ist:
Zentrale Anlaufstelle schaffen:
Eine überbetriebliche Ansprech- und Beratungsstelle für Fälle sexualisierter Belästigung muss entstehen – niedrigschwellig, qualifiziert und dauerhaft finanziert. Die geplante Landesantidiskriminierungsstelle sollte diese Aufgabe übernehmen.
Unterstützungsangebote ausbauen:
Beratungsstellen für besonders betroffene Gruppen – etwa für Migrant*innen, queere Menschen oder Menschen mit Behinderung – brauchen mehr Ressourcen. Auch Unternehmen sollen Zugang zu Beratung und Unterstützung bei Prävention und Umgang mit Gewaltfällen erhalten.
Gewerbeaufsicht stärken:
Aufsichtsbeamte müssen geschult werden, um sexualisierte Belästigung systematisch in Gefährdungsbeurteilungen einzubeziehen. In sensiblen Branchen wie Pflege, Gastronomie oder Bildung braucht es verpflichtende Schutzkonzepte.
Landesgleichstellungsgesetz überarbeiten:
Zuständigkeiten und Verantwortlichkeiten von Führungskräften müssen klar geregelt werden. Dazu gehören regelmäßige Schulungen und verbindliche Verfahren im Umgang mit Fällen sexualisierter Belästigung.
Prävention im Betrieb:
„Bei uns gibt es das nicht" ist ein Mythos, den man aus vielen Betrieben hört. Damit wird vermieden sich dem schwierigen Thema zu stellen. Dabei ist eine gute Prävention das wichtigste Mittel gegen Belästigung und Diskriminierung.
Dazu gehört eine Arbeitskultur, die auf Respekt und Wertschätzung basiert, präventive Strategien für besonders gefährdende Situationen und ein klar definiertes betriebliches Vorgehen, mit dem Betroffene unterstützt werden, die auch allen Beschäftigten bekannt sein sollten.
Nur mit klaren Strukturen, Verantwortung und Solidarität schaffen wir Arbeitswelten, in denen Beschäftigte sicher und respektvoll arbeiten können.
Unser Hauptgeschäftsführer Peer Rosenthal brachte es auf den Punkt: „Ein Betrieb, der sexuelle Belästigung nicht ernst nimmt, verletzt seine Fürsorgepflicht.“
Positionspapier der Arbeitnehmerkammer
"KammerFokus: Schutz vor sexualisierter Gewalt und Belästigung am Arbeitsplatz: Handlungsmöglichkeiten und Handlungsbedarfe" (pdf)
Webseite der Initiative "Not my Job / nicht mein Job" gegen Sexismus und Belästigung in der Gastronomie
Not My Job - Präsentation
Programm (17:00-19:00)
Begrüßung
Peer Rosenthal (Hauptgeschäftsführer der Arbeitnehmerkammer)
Impulsvortrag: Sexuelle Belästigung in der Arbeitswelt bekämpfen: politischer Handlungsbedarf und Handlungsansätze für Akteure im Land
Michael Gümbel, Beratungsstelle Perspektive Arbeit & Gesundheit Metropolregion Hamburg
Praxisimpuls: „Not my job / Nicht mein Job“ Initiative gegen sexuelle Belästigung in der Gastronomie im Land Bremen
Antje Jess, Landesfrauenrat & A. Müller, Initiatorinnen der Initiative
Podiumsdiskussion: Perspektiven für einen besseren Schutz vor Gewalt und Belästigung bei der Arbeit im Land Bremen
- Michael Gümbel, Perspektive Arbeit & Gesundheit Hamburg
- Dr. Kathrin Stern, Zentralstelle der Landesfrauenbeauftragten Bremerhaven
- Julia Seekamp, ADA – Antidiskriminierung in der Arbeitswelt e.V.
- Anna Martinez, Notruf – Psychologische Beratung bei sexualisierter Gewalt e.V.
- Ann Kathrin Müller, Initiative „Not my Job/ Nicht meine Arbeit“
Moderation: Dr. Kai Huter
Wir laden Sie herzlich ein, den Austausch bei einem anschließenden Get-Together zu vertiefen.
Anmeldung über den Anmeldebutton!
Ort:
Arbeitnehmerkammer Bremen
Kultursaal
Bürgerstr. 1
28195 Bremen
Eine Kooperationsveranstaltung der Arbeitnehmerkammer Bremen, der Zentralstelle der Landesfrauenbeauftragten (ZGF) und der Landeskoordinierungsstelle Istanbul-Konvention bei der Senatorin für Gesundheit, Frauen und Verbraucherschutz.
Impulsvortrag: Sexuelle Belästigung in der Arbeitswelt bekämpfen: politischer Handlungsbedarf und Handlungsansätze für Akteure im Land
Michael Gümbel, Beratungsstelle Perspektive Arbeit & Gesundheit Metropolregion Hamburg


