
Wie wirkt sich KI auf Macht, Mitbestimmung, Arbeitsbedingungen und Kompetenzen aus? Und wie gestalten wir eine gerechte digitale Arbeitswelt?
Darüber haben wir im Januar 2026 in der Arbeitnehmerkammer diskutiert. Einige zentrale Aussagen im Überblick:
Jürgen Geuter, alias „tante“, betonte:
„Die Ludditen hatten Recht: Bei Technologien geht es um Machtverschiebungen“.
Auch beim Thema KI sehe er eine Machtverschiebung – hin zu einer Handvoll Tech-Konzerne. In der anschließenden Podiumsdiskussion machte er ebenso deutlich, dass die aktuelle politische Situation eine Chance sei, um diese Machtverschiebungen etwas abzubremsen. Er machte jedoch ebenso klar: Es gehe nicht um Technologieverhinderung, sondern um ein nicht nur produktitvätsgetriebenes Nachdenken über die tatsächliche Sinnhaftigkeit von KI.
Dr. Detlef Gerst (IG Metall) beleuchtete in seinem Vortrag die praktischen Auswirkungen von verschiedenen Formen von KI in Betrieben.
Er zeigte auf:
- KI bildet ein vielschichtiges Handlungsfeld für die Mitbestimmung.
- Damit Beschäftigten ihre Handlungsspielräume erhalten bleiben, gilt es eine ganze Reihe von Gestaltungsfaktoren zu berücksichtigen.
- Ohne starke Betriebsräte wird es nicht gehen.
Franziska Richter (Universität Bremen) ging in ihrem Vortrag auf die Bedeutung von Kompetenzen in Zeiten von KI ein und stellte die Frage ob KI zu Up- oder De-Skilling führt. Sie plädierte für einen strukturierten Aufbau von Digitalisierungs- und KI-Kompetenzen, um selbstbestimmt mit den Möglichkeiten, die vor allem generative KI einzelnen Beschäftigten bietet, umzugehen.
In der anschließenden Podiumsdiskussion, moderiert von Daniel Kühn (Berater für Digitalisierung der Arbeitswelt), brachte Kai Stührenberg (Staatsrat für Häfen bei der Senatorin für Wirtschaft, Häfen und Transformation) weitere Perspektiven ein. Mit Blick auf eine aufgaben- und menschenzentrierte Umsetzung von KI betonte Stührenberg: „Es geht nicht darum: KI – Ja oder Nein? Sondern: KI wie?“
Dafür bedürfe es einer Strategie: „Wo wollen wir eigentlich hin, wo wollen wir KI einsetzen, wo setzen wir Prioritäten – und vor allem: Wie nehmen wir die Menschen mit?“
Veranstaltungstext & Programm:
Künstliche Intelligenz verändert unsere Arbeitswelt fundamental, sowohl im Großen als auch im Kleinen. KI ist längst mehr als ein technisches Werkzeug: Sie beherrscht die öffentliche Diskussion, erschließt oder begründet neue Wirtschaftszweige und Berufsbilder. KI-Algorithmen prägen betriebliche Abläufe und stellen damit neue Anforderungen an Betriebspartner und Beschäftigte. Die neue Technologie verschiebt somit die Machtstrukturen unserer Arbeitswelt.
In dieser Veranstaltung beleuchten wir KI als Machttechnologie aus drei Perspektiven: Wir analysieren KI-Ideologien und ihre gesellschaftlichen Implikationen. Dabei zeigen wir auf, welche Herausforderungen KI für die betriebliche Mitbestimmung bedeutet und diskutieren neue Kompetenz- und Qualifikationsanforderungen für Beschäftigte. Wie diese Perspektiven in der Bremer Innovationspolitik Berücksichtigung finden können, diskutieren wir im Anschluss.
Die Veranstaltung richtet sich an Betriebsräte, Gewerkschaftsmitglieder, Beschäftigte und alle, die KI nicht nur als technische Innovation verstehen wollen, sondern ihre Auswirkungen auf Macht, Mitbestimmung und Arbeitsbedingungen kritisch hinterfragen möchten.
Programm
14 Uhr
Begrüßung
Peer Rosenthal, Hauptgeschäftsführer der Arbeitnehmerkammer Bremen
14:15 Uhr
Die Ludditen hatten recht
Jürgen Geuter/tante, Publizist und Research Director, ART+COM
15:00 Uhr
KI im Arbeitsprozess: Ein vielschichtiges Handlungsfeld für die Mitbestimmung
Dr. Detlef Gerst, Ressorleitung Zukunft der Arbeit, IG Metall
15:30 Uhr
Pause
15:45 Uhr
Upskilling oder Deskilling – Kompetenzen entwickeln in Zeiten von KI
Franziska Richter, Referentin für digitale Transformation und Hochschuldidaktik, Universität Bremen
16:15 Uhr
Podiumsdiskussion „Humangerechte Arbeitswelt durch oder trotz KI? Was braucht es, wer gestaltet die Umsetzung?“
Mit den Referent:innen sowie Kai Stührenberg, Staatsrat für Häfen bei der Senatorin für Wirtschaft, Häfen und Transformation
Moderation: Daniel Kühn, Arbeitnehmerkammer Bremen
Inhaltliche Fragen beantwortet:
Daniel Kühn
Tel. 0421 36301 955
d.kuehn@arbeitnehmerkammer.de


