Pressemitteilung

06.10.2017

Alleinerziehend – Leben und Arbeiten im Land Bremen

Eine Befragung der Arbeitnehmerkammer

Einen existenzsichernden Arbeitsplatz, mehr Chancen bei Einstellungsverfahren, Vereinbarkeit von Beruf und Familie – das wünschen sich Alleinerziehende in Bezug auf Arbeit im Land Bremen am stärksten. Das ergibt eine aktuelle Befragung der Arbeitnehmerkammer.

In Bremen ist fast jeder dritte Haushalt eine Ein-Eltern-Familie und diese Familienform wächst. Ungefähr die Hälfte der rund 18.000 Alleinerziehenden in Bremerhaven und Bremen ist auf Arbeitslosengeld II angewiesen oder muss aufstocken. 

Die Arbeitnehmerkammer hat gemeinsam mit dem Senator für Arbeit und den Jobcentern Bremen und Bremerhaven rund 1.300 Alleinerziehende im Leistungsbezug zur ihrer Situation befragt. "Die Probleme Alleinerziehender sind inzwischen Thema politischer Diskussionen. Wir wollten die Alleinerziehenden in Bremen aber selber zu Wort kommen lassen, um herauszufinden, wo sie sich Unterstützung erwarten", betonte Ingo Schierenbeck, Hauptgeschäftsführer der Arbeitnehmerkammer Bremen heute (Freitag) bei der Vorstellung der Befragungsergebnisse. Dabei wird deutlich: Die Hälfte der Befragten ist oft am Limit, viele fühlen sich auch im Berufsleben benachteiligt. 

Warum es wichtig ist, die Bremer Alleinerziehenden in den Fokus zu nehmen, zeigt der Bundesländervergleich: Bremen ist mit einer Quote von nur 61 Prozent erwerbstätiger Alleinerziehender Schlusslicht. Bei den Hilfequoten ist der Zwei-Städte-Staat trauriger Spitzenreiter: fast 54 Prozent der Alleinerziehenden sind auf Grundsicherungsleistungen angewiesen. Bei Alleinerziehenden mit mehr als einem Kind sind es sogar über 80 Prozent. Und auch der Anteil der arbeitslosen Alleinerziehenden ohne Berufsabschluss ist in Bremen mit über 69 Prozent im Vergleich am höchsten.

Wenn die Qualifikation fehlt

Die Befragung bestätigt, dass vielen Alleinerziehenden eine berufliche Qualifikation fehlt. "Das ist seit Jahren ein viel zu hoher Wert, denn selbst wer ohne abgeschlossene Ausbildung eine Arbeit findet, verdient in der Regel deutlich schlechter und oft nicht ausreichend", betonte Esther Schröder, Referentin für Gleichstellungspolitik bei der Arbeitnehmerkammer.

Nach Auffassung der Arbeitnehmerkammer braucht Bremen deshalb eine Berufsbildungsoffensive. "Ein Berufsabschluss ist zunehmend von Bedeutung, um existenzsichernd arbeiten zu können", betonte Ingo Schierenbeck. Deshalb müsse es künftig mehr passfähige Angebote von Ausbildung, Fortbildung und Umschulung geben sowie mehr Bildungsangebote in Teilzeit.

Ein weiterer Befund der Befragung: Viele fühlen sich sowohl bei Bewerbungsverfahren als auch generell im Berufsleben diskriminiert. "Das zeigt, dass unsere Arbeitswelt noch völlig unzureichend auf den Spagat zwischen Beruf und Familie ausgerichtet ist", sagte Schröder. In diesem Zusammenhang sei es auch wichtig, den Kita-Ausbau weiter voranzutreiben. 

Wenn der Kindes-Unterhalt ausbleibt

Erschwerend kommt für über 71 Prozent der Befragten hinzu, dass auch der Unterhalt für die Kinder vom getrennt lebenden Elternteil ausbleibt. "Das ist ein viel zu hoher Anteil und macht noch einmal deutlich, wie viele  Alleinerziehende unter finanziellem Druck stehen", mahnte Esther Schröder. Nur 44 Prozent derer, die keinen Unterhalt bekommen, beziehen den sogenannten Unterhaltsvorschuss als staatliche Ersatzleistung. Alleinerziehende bräuchten deshalb mehr Unterstützung von staatlichen Stellen wie Jugendämtern und Gerichten, um ihren Rechtsanspruch auf Unterhalt durchzusetzen.

"Wir fordern Bremen auf, ein Experten-Netzwerk zu installieren, das Problemlösungen erarbeitet. Alleinerziehende brauchen eine bessere Lebens- und Arbeitsperspektive", fasste Ingo Schierenbeck zusammen.

Wo sind Sie als alleinerziehende Mutter / alleinerziehender Vater schon mal benachteiligt / diskriminiert worden?

 

Erwerbstätigenquote Alleinerziehende im Vergleich der Bundesländer in Prozent

 

Arbeitslose Alleinerziehende ohne Beruf 2015 in Prozent

 

Hilfequoten nach Typ der Bedarfsgemeinschaft Bremen 2015 in Prozent

 

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  • Alleinerziehend – ein Kaleidoskop von Lebens- und Arbeitssituationen

    Eine Befragung von alleinerziehenden erwerbsfähigen Leistungsberechtigten im Land Bremen 

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