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© 2025 Arbeitnehmerkammer Bremen

20.06.2025

Wohnen darf nicht arm machen - Arbeitnehmerkammer legt Ergebnisse der neuen Mieter- und Eigentümerbefragung vor

In Bremen müssen etwa drei von zehn Haushalten zu viel Geld für Kalt- und Warmmiete ausgeben, in Bremerhaven sind es zwei von zehn. Vor allem Menschen mit geringen Einkommen trifft es hart: Hier geben vier von fünf Haushalten in Bremen mehr als 40 Prozent ihres Einkommens für Miete und Nebenkosten aus. Das belegt die aktuelle Mieter- und Eigentümerbefragung der Arbeitnehmerkammer. „Gerade Menschen mit wenig Geld sind auf bezahlbaren Wohnraum angewiesen. Aber auch Beschäftigte mit mittleren Einkommen leiden unter steigenden Wohnkosten. Deshalb ist es wichtig, in Bremen attraktive und bezahlbare Angebote für möglichst viele Menschen zu sichern und zu entwickeln“, sagt Elke Heyduck, Geschäftsführerin der Arbeitnehmerkammer.

Die Mieten steigen stärker als die Einkommen

Als „zu hoch“ gelten laut EU-Definition alle Kaltmieten, die 30 Prozent sowie Warmmieten, die 40 Prozent des verfügbaren Haushaltseinkommens übersteigen. Menschen, die mehr für Miete und Nebenkosten zahlen, als sie sich leisten können, müssen schmerzhafte Einschnitte in anderen Lebensbereichen in Kauf nehmen. In Bremen geben insgesamt 33 Prozent, in Bremerhaven 25 Prozent der zur Miete wohnenden Haushalte über 40 Prozent ihres verfügbaren Einkommens für Miete und Nebenkosten aus.

In den vergangenen zehn Jahren sind die Angebotsmieten im Land Bremen deutlich stärker gestiegen als die Einkommen. Die Arbeitnehmerkammer lässt die Angebotsmieten regelmäßig durch das Institut empirica ermitteln. „Das heißt nichts anderes, als dass eine Fachkraft, die nach Bremen ziehen will, eine deutlich höhere Mietsteigerung erfahren wird, als sie in den letzten Jahren Lohnsteigerungen hatte“, warnt Heyduck. „Hohe Mieten erschweren damit auch die Fachkräftesicherung.“

Hinzu kommt, dass seit Jahren deutlich mehr Wohnungen aus der Sozialbindung fallen, als neue, geförderte Wohnungen gebaut werden. Weil die Baukosten und die Zinsen steigen, führt Neubau nicht automatisch zu einer Entlastung durch niedrigere Mieten. Das gilt insbesondere für den freifinanzierten Wohnungsbau, der eher zu steigenden Mieten beiträgt. Günstige Neubauwohnungen sind heute nur noch im geförderten Wohnungsbau verfügbar und werden vor allem durch Genossenschaften oder kommunale Unternehmen wie die Gewoba oder die Stäwog angeboten.

Für ärmere Haushalte sind die Mietkosten stärker gestiegen

Die höchsten mittleren Kaltmieten werden in Bremen-Mitte gezahlt: 10,44 Euro pro Quadratmeter. Es folgen Schwachhausen, die Östliche Vorstadt, die Neustadt, Findorff und Walle (inklusive Überseestadt). Am niedrigsten sind die Mieten in Blumenthal, wo der Quadratmeter im Durchschnitt 6,49 Euro kostet. Trotz der hohen Mieten ist die Belastung in den innenstadtnahen Stadtteilen eher moderat – denn hier leben zumeist Menschen mit vergleichsweise hohem Einkommen. So sind etwa in der Östlichen Vorstadt nur 17 Prozent, in Schwachhausen etwa 19 Prozent der Haushalte zu stark belastet. Anders sieht es in weniger wohlhabenden Stadtteilen aus – in Burglesum, Huchting und Gröpelingen zahlt mindestens die Hälfte der Haushalte zu viel Geld fürs Wohnen, in Woltmershausen sind es sogar 58 Prozent.

In Bremerhaven sind die Mieten im Vergleich dazu niedrig. In keinem Stadtteil liegt die mittlere Kaltmiete pro Quadratmeter über 6,50 Euro. Den größten Anteil übermäßig belasteter Haushalte hat Bremerhaven-Mitte – dort ist es jeder dritte. Dennoch sind auch in der Seestadt vor allem arme Menschen stärker von Wohnarmut betroffen: Sieben von zehn der ärmsten Haushalte zahlen mehr fürs Wohnen, als sie sich leisten können.

Die Bremer*innen bewerten ihr Wohnumfeld sehr unterschiedlich

In den weniger wohlhabenden Stadtteilen wird auch das Wohnumfeld deutlich kritischer beurteilt als in reicheren Stadtteilen. So sind in Blumenthal nur 32 Prozent mit dem Freizeitangebot für Kinder und Jugendliche zufrieden, in Borgfeld sind es 91 Prozent. Die Belastung durch den Verkehr wird in Huchting von 56 Prozent der Haushalte negativ bewertet, in Borgfeld nur von 24 Prozent. In Huchting sind nur 28 Prozent, in Gröpelingen 38 Prozent mit der Sicherheit im Stadtteil zufrieden, in Findorff, Oberneuland und Borgfeld hingegen über 85 Prozent. Am stärksten sind die Unterschiede bei der Bewertung der Sauberkeit. In Gröpelingen sind nur sechs Prozent der Haushalte zufrieden, in Borgfeld sind es hingegen 96 Prozent. „Stadt und kommunale Unternehmen stehen in der Pflicht, das Wohnumfeld in der Fläche ansprechend zu gestalten. Die Ortsbeiräte sollten Stadtteilkonferenzen organisieren, um die jeweiligen Probleme zu diskutieren und vor Ort Lösungen zu erarbeiten“, so Heyduck. „Hier können auch wenige Mittel viel bewirken.“ Insbesondere Gröpelingen, Huchting oder Blumenthal könnten profitieren.

Die Forderungen der Arbeitnehmerkammer

  • Bauen schneller und günstiger machen

Neubauten müssen günstiger werden und schneller entstehen, damit insbesondere Menschen mit geringen Einkommen entlastet werden. Wir begrüßen, dass der Bremer Senat mit dem „Bremer Weg“ Bauvorgaben reduzieren, die Planungen entbürokratisieren und beschleunigen will. „Der Bremer Weg muss nun zügig umgesetzt werden, um wirken zu können“, so Heyduck.

  • Mehr Geld für geförderten Wohnungsbau

Mit dem neuen Wohnraumförderprogramm 2025 stellt Bremen über 128 Millionen Euro an Zuschüssen und Darlehen bereit. Die Förderung durch den Bund steigt in diesem Jahr, verglichen mit 2024, um elf Prozent. Allein zur Finanzierung der Zuschüsse wird Bremen in den kommenden Jahren jährlich etwa 15 Millionen Euro zur Kofinanzierung bereitstellen müssen. Zum Vergleich: 2024 waren es 9,6 Millionen Euro. „Der Bau geförderter Wohnungen darf auch in Zeiten knapper Kassen nicht am Finanzierungsvorbehalt scheitern“, so Heyduck. „Wir sind froh, dass Bremen im kommenden Doppelhaushalt diese Mittel einplant. Die Förderung muss auch über 2026 hinaus erhalten bleiben.“ Zur Absicherung des kommunalen Wohnungsbaus sollte geprüft werden, ob die Gewinne der kommunalen Unternehmen zweckgebunden werden – für die Schaffung günstiger Wohnungen. Die Gewinne, die Gewoba und Brebau an Bremen abführen, reichen zwar nur für einen Teil der Fördersummen, könnten aber zumindest staatliche Zuschüsse absichern. Zudem muss der Ankauf privater Wohnungen Teil der Geschäftsstrategie kommunaler Unternehmen werden.

  • Mehr Wohnraum für Auszubildende

Auszubildende können sich als Geringverdienende kaum eine eigene Wohnung leisten. Mit Blick auf die Fachkräftebedarfe ist es wichtig, auch für sie bezahlbare Angebote zu entwickeln. Am Ellener Hof entsteht derzeit Bremens erstes Azubi-Wohnheim, weitere Standorte sind im Gespräch. Diese sollten durch soziale Beratungsangebote ergänzt werden. Der Bau von Azubi-Wohnheimen kann seit 2022 vom Bund gefördert werden. „Diese Förderung wird in Bremen bisher noch zu wenig genutzt. Das muss sich ändern“, so Heyduck. Auch die Betriebe sollten mehr in die Finanzierung einbezogen werden, zum Beispiel über den Erwerb von Belegrechten in Wohnheimen. Wer etwa in der Pflege arbeitet, hat es besonders schwer. „Deshalb muss für die Gesundheitsberufe ein eigenes Wohnheim entstehen – zum Beispiel in der Nähe des Klinikums Mitte als wichtigem Ausbildungsstandort“, so Heyduck.

  • Probleme bei der Auszahlung des Wohngelds lösen

Obwohl die Bremer Wohngeldstelle 2024 zwischenzeitlich Rückstände erfolgreich abarbeiten konnte, ist es seit Jahresbeginn wieder zu einem Bearbeitungsrückstau von bis zu sechs Monaten gekommen. Dies trifft Antragsberechtigte hart, da sie als Geringverdienende in der Regel nicht auf Rücklagen zugreifen können. Viele müssen sie sich verschulden. „Damit die Menschen nicht in die Schuldenfalle geraten, müssen die Wohngeldstellen dauerhaft so aufgestellt sein, dass zügig alle Anträge bearbeitet und Gelder schnell ausgezahlt werden“, so Heyduck.

Informationen zur Studie

Die Befragung der Arbeitnehmerkammer wurde 2024 nach 2013, 2014, 2016 und 2019 zum fünften Mal durchgeführt, in Kooperation mit dem Statistischen Landesamt. Sie ist anonym und richtet sich an Mieter*innen und Menschen, die im selbst genutzten Eigentum leben. Insgesamt wurden 12.045 Personen angeschrieben, 1.758 Haushalte folgten der Bitte um Teilnahme, wobei mit 1.449 etwa vier Fünftel davon auf Bremen und mit 309 ein Fünftel auf Bremerhaven entfallen. Wie schon in der letzten Studie wird der vorgelegte Bericht durch Zahlen des Instituts empirica ergänzt. Dafür wurde die empirica Preisdatenbank ausgewertet, die Zahlen zu den Angebotsmieten in Mehrfamilienhäusern beinhaltet.

Download

Den Bericht „Wohnungspolitik und Wohnsituation im Land Bremen 2025“ finden Sie hier zum Download: www.arbeitnehmerkammer.de/downloads

Veranstaltungen

Welche Wohnungspolitik brauchen wir in Bremerhaven?
Montag, 23. Juni, 17 bis 19 Uhr,
Arbeitnehmerkammer (Geschäftsstelle Bremerhaven), Barkhausenstraße 16
Welche Wohnungspolitik brauchen wir in Bremerhaven?

Welche Wohnungspolitik brauchen wir in Bremen?
Mittwoch, 25. Juni, 17 bis 19 Uhr,
m|centrum, Martinsclub Bremen, Buntentorsteinweg 24/26
Welche Wohnungspolitik brauchen wir in Bremen?


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