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12.04.2023

Über die Hälfte würde umsteigen!

Studienergebnisse zu Mobilität von Beschäftigten in Bremer Gewerbegebieten liegen vor

Rund ein Viertel aller Fahrten mit dem Pkw innerhalb der Stadt Bremen entfällt auf Arbeitswege. Und auch aus dem Umland pendeln viele Beschäftigte zu ihrem Arbeitsort nach Bremen mit einem (eigenen) Auto. Klimaschonende Mobilität muss daher immer auch die Bedarfe der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer beachten.

Die Arbeitnehmerkammer Bremen hat gemeinsam mit der Handelskammer, der Senatorin für Wirtschaft, Arbeit und Europa sowie der Senatorin für Klimaschutz, Umwelt, Mobilität, Stadtentwicklung und Wohnungsbau eine Beschäftigten- und Unternehmensbefragung in zwei der größten Bremer Gewerbegebiete – dem Güterverkehrszentrum (GVZ) und dem Gewerbepark Hansalinie (GPH) – in Auftrag gegeben. Die am Institut Arbeit und Wirtschaft (iaw) erstellte Studie untersuchte das Mobilitätsverhalten der Beschäftigten, die Potenziale zum Umstieg auf klimafreundliche Verkehrsmittel und analysierte Erreichbarkeit und Verkehrsinfrastruktur, um Handlungsbedarfe und -empfehlungen ableiten zu können. Zusammengenommen stehen die beiden größten bremischen Gewerbegebiete aktuell für rund 517 Hektar Gewerbefläche, knapp 14.000 Beschäftigte und circa 280 Betriebe. Mit einer Teilnahme von fast 1.000 Beschäftigten und 70 Betrieben war der Rücklauf bei den Befragungen mehr als zufriedenstellend.

  • In beiden Gewerbegebieten (Hansalinie und GVZ) dominiert für den Arbeitsweg die Nutzung des Pkw mit knapp 52 Prozent. Es folgt der ÖPNV mit etwa 30 Prozent und das Fahrrad mit circa zehn Prozent. Fahrgemeinschaften werden nur von drei beziehungsweise fünf Prozent gebildet. Die Verteilung der Verkehrsmittel ist in beiden Gebieten fast identisch.
  • Immerhin 56 Prozent aller Pkw-Nutzerinnen und Pkw-Nutzer können sich einen Umstieg bei ihrer Verkehrsmittelwahl vorstellen. Dabei gibt es saisonale Unterschiede: Außerhalb der Wintermonate signalisieren die Pkw-Nutzerinnen und Pkw-Nutzer eine Umsteigebereitschaft auf den Bus (50 Prozent), das E-Bike (39 Prozent) und das Fahrrad (34 Prozent).
  • Die Anbindung mit dem ÖPNV wird von 45 Prozent im GVZ und 64 Prozent in der Hansalinie als schlecht eingestuft. Als gut bewerten sie zwölf Prozent im GVZ und nur zwei Prozent in der Hansalinie.
  • Gegen die ÖPNV-Nutzung sprechen vor allem die langen Fahrtzeiten (GVZ 64 Prozent; Hansalinie 62 Prozent) und die schlechte Verbindung (GVZ 54 Prozent; Hansalinie 77 Prozent).
  • In der Hansalinie wird zudem häufig die Entfernung der Haltestelle zum Arbeitsplatz genannt (40 Prozent).
  • Beiden Gewerbegebieten fehlt bislang eine ausreichende Verknüpfung mit dem Regionalbusnetz, obwohl fast 50 Prozent der Beschäftigten aus den umliegenden Kommunen einpendeln und 40 Prozent einen Arbeitsweg von über 20 Kilometern haben.

 

Die Unternehmensbefragung zeigt, dass mobilitätsbezogene Themen wie die Erreichbarkeit ihres Standortes sich zwar auf die Attraktivität für Arbeits- und Fachkräfte sowie auf die Zufriedenheit der Mitarbeitenden auswirkt, allerdings sind bislang nur einzelne größere Unternehmen aktiv geworden, um dies zu verbessern.

Elke Heyduck, Geschäftsführerin Arbeitnehmerkammer Bremen:

Die Studie zeigt en détail, welche Nachbesserungen nötig sind, um den Beschäftigten den Umstieg auf klimafreundliche Verkehrsmittel zu ermöglichen – von der Ausstattung der Haltestellen mit Unterständen über den Ausbau von geschützten Radwegen in Nebenstraßen und Fahrbahnmarkierungen und natürlich den Ausbau des ÖPNV in den Gebieten. Dafür muss die BSAG in den Stand versetzt werden, die geplante Angebotsoffensive „Kreuz, quer und zum Job“ und neue Expressbuslinien umzusetzen. Die Anbindung an ein Regionalbussystem muss zügig mit den Umlandgemeinden in Angriff genommen werden. Die Studie zeigt außerdem: In den Gebieten braucht es Mobilitätsgespräche mit allen relevanten Akteuren, um die Defizite nach und nach zu beheben. Die Betriebe sind aufgefordert, ein Jobticket anzubieten, das noch günstiger ist als das 49-Euro-Ticket, um zusätzliche Anreize zu schaffen. Auch die Entwicklung einer Mobilitäts-App wird vorgeschlagen sowie ein von den Betrieben zu schaffendes gebietsweites Bikesharing – das alles sind gute Vorschläge, die in der nächsten Legislatur angegangen werden müssen.

Olaf Orb, Geschäftsführer Handelskammer Bremen – IHK für Bremen und Bremerhaven

Die Erreichbarkeit von Gewerbegebieten ist ein wichtiger Standortfaktor. Die aktuelle Verkehrsplanung berücksichtigt dies mitunter zu wenig. Umso wichtiger sind daher die Hinweise aus der nun vorliegenden Studie, denn offensichtlich gibt es einen von Arbeitgebern und Arbeitnehmern gleichermaßen formulierten Bedarf an besseren und alternativen Mobilitätsangeboten. Aus Sicht der Handelskammer bietet sich in diesem Handlungsfeld die Möglichkeit, ganz allgemein etwas für den Klimaschutz zu tun. Darüber hinaus eröffnen sich auf betrieblicher Ebene einerseits Möglichkeiten zur Steigerung der Mitarbeiterzufriedenheit, andererseits aber auch für eine positivere CO2-Bilanzierung der Unternehmen. Zu dieser kann die Mitarbeitermobilität beitragen.

Dr. Dirk Kühling, Abteilungsleiter Wirtschaft bei der Senatorin für Wirtschaft, Arbeit und Europa:

Die Ergebnisse der Studie sind nicht überraschend. In den großen Gewerbegebieten dominiert für den Arbeitsweg bislang die Autonutzung. Das wollen wir ändern. Möglich ist das aber nur, wenn sich die Angebote deutlich verbessern: Die Erreichbarkeit mit dem Rad, gute, schnelle und möglichst umsteigefreie ÖPNV-Verbindungen und die einfache Bildung von Fahrgemeinschaften per App. Und für Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die weiter auf das Auto angewiesen sind, muss auch in Gewerbegebieten der schnelle und flächendeckende Ausbau der Ladeinfrastruktur für Elektrofahrzeuge erfolgen.

Gunnar Polzin, Abteilungsleiter Verkehr bei der Senatorin für Klimaschutz, Umwelt, Mobilität, Stadtentwicklung und Wohnungsbau

Das Forschungsprojekt verdeutlicht noch einmal den dringenden Handlungsbedarf beim Ausbau nachhaltiger Mobilität und zeigt, dass wir mit den bereits geplanten und teilweise begonnenen Maßnahmen im ÖPNV und Radverkehr auf einem guten Weg sind. Besonders hervorzuheben ist das deutlich erkennbare Umsteigepotenzial der Beschäftigten auf klimaschonende Verkehrsmittel – dafür sind Verbesserungen bei den Punkten Erreichbarkeit und Ausstattung der Infrastruktur im ÖV und Radverkehr erforderlich. Um dies zu erreichen, begrüßen wir die Zusammenarbeit der beteiligten Akteure: Kooperation und Bündelung von Wissen und Ressourcen sind notwendig, um Maßnahmen zeitnah auf den Weg zu bringen und für Akzeptanz bei allen Beteiligten zu sorgen.

Für weitere Nachfragen zu den Befragungen wenden Sie sich bitte an:

Dr. Guido Nischwitz                                 
Institut Arbeit und Wirtschaft (iaw) 
Abt. III Regionalentwicklung           
Tel. 0421 – 218 61735                         
gnischwitz@uni-bremen.de                    

Dr. Dominik Santner
Arbeitnehmerkammer Bremen

Referent für Wirtschaftspolitik
 Tel. 0421 – 36301 974
 d.santner@arbeitnehmerkammer.de

Wir bedanken uns bei den teilnehmenden Beschäftigten und Unternehmen in den befragten Gewerbegebieten sowie den Gewerkschaften IG Metall und ver.di, die uns den Zugang zu Betriebsräten und Beschäftigten ermöglicht haben!

 

Ergebnisse im Detail (Auswahl):

Hansalinie

  • Umsetzung einer neuen, schnelleren Linienführung und Taktung bei der Linie 42; Ausbau der Anbindung am Wochenende, Einführung eines 20-Minuten-Takts (werktags).
  • Frühzeitige Planung einer adäquaten Busanbindung für die ab 2023 erfolgende Erweiterung des Gewerbeparks Hansalinie (Bauabschnitt 3).
  • Modernisierung und Ausbau des zentralen „Zubringer“-Radweges auf dem angrenzenden Hemelinger Hafendamm.
  • Schaffung einer direkten Radverbindung Gewerbepark Hansalinie–Bahnhof Mahndorf.
  • Prüfung einer Ertüchtigung der an den Gewerbepark Hansalinie angrenzenden landwirtschaftlichen Wege: unter anderem Beschilderung, Beleuchtung und Wintertauglichkeit.
  • Flächendeckende Ausstattung der vorhandenen und neuen Haltestellen mit Fahrgastunterständen.

GVZ

  • Sicherung der Verstetigung und gegebenenfalls Erhöhung der Taktfrequenz der neuen Expressverbindung 63S.
  • Umsetzung der geplanten Metrobuslinie E: GVZ–Tabakquartier– Hbf.–Überseestadt.
  • Flächendeckende Ausstattung mit Fußwegen, um die Bushaltestellen sicher erreichen zu können (zum Beispiel Senator-Blase-Straße).
  • Flächendeckende Ausstattung der vorhandenen und neuen Haltestellen mit Fahrgastunterständen.
  • Verbesserung der Anbindung des GVZ an die benachbarten Stadtteile, insbesondere Huchting.

Beide Gebiete

  • Die wichtigsten Umstiegspunkte sollten gesicherte Abstellmöglichkeiten für Fahrräder vorhalten und gegebenenfalls Ausgangspunkt für ein Bikesharing-Angebot sein.
  • Ausbau und gegebenenfalls Ausweisung von geschützten Radwegen in allen Nebenstraßen, um ausgeprägte Gefahrenbereiche zu entschärfen.
  • Schaffung von Fahrbahnmarkierungen (Erhöhung der Sichtbarkeit) in Querungsbereichen der Radwege.
  • Initiierung und Durchführung von Mobilitätsgesprächen in den Gewerbegebieten. In einem überschaubaren Teilnehmerinnen- und Teilnehmerkreis sollen die zentralen Akteure eines Gewerbegebietes zusammengeführt werden mit der Zielsetzung, einen Erfahrungsaustausch zu Anbindung und Infrastrukturausstattung sowie zu bereits umgesetzten (zum Beispiel betrieblichen) Maßnahmen einzuleiten.
  • Einführung eines betriebsübergreifenden Bikesharing-Systems für ein Gewerbegebiet, das ebenfalls eine Anbindung an die wesentlichen Umstiegspunkte gewährleistet. Hier kann auf die Expertise und die Erfahrungen von AzweiO
    (AZWEIO – Achim – Ottersberg – Oyten) zurückgegriffen werden.
  • Die Umsetzung eines Pilotvorhabens „Mobilitäts-App Hansalinie“, modellhaft für eine Umsetzung in ganz Bremen. Auch hier bietet sich ein Blick zum Projekt AzweiO und eine regionale Kooperation im Gewerbepark Hansalinie an. In einer Mobilitäts-App können verschiedene Angebote (zum Beispiel on demand, Bikesharing, Fahrgemeinschaften) betriebsübergreifend und gemeinsam für ein Gebiet gebündelt und angeboten werden.

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