21.01.2025
Pflegeausbildung erfolgreicher machen!
Neue Studie zur Ausbildungsqualität in der Pflege in Bremen
Fast 40 Prozent der Bremer*innen, die seit 2020 in die Ausbildung zur Pflegefachkraft gestartet sind, konnten sie nicht erfolgreich beenden. Etwa ein Drittel der Auszubildenden denkt „häufig“ oder sogar „täglich“ über einen Abbruch nach. Das zeigt eine dreijährige Studie des Instituts Arbeit und Wirtschaft (iaw), die von der Arbeitnehmerkammer Bremen in Auftrag gegeben wurde. Der Grund: die hohen Lernanforderungen und die psychische Belastung im Job. Damit hat die 2020 eingeführte generalistische Ausbildung in der Pflege höhere Abbruchquoten, als sie in den früher getrennten Ausbildungen in der Alten-, Kranken- und Kinderkrankenpflege üblich waren: Dort schwankten sie eher zwischen 20 und 30 Prozent. „Wir brauchen bessere Bedingungen, die deutlich mehr Auszubildenden als bisher den Weg in den Beruf ermöglichen. Nur so können wir dem Fachkräftemangel in der Pflege effektiv begegnen“, sagt Elke Heyduck, Geschäftsführerin der Arbeitnehmerkammer Bremen.
Hintergrund der Reform: mehr Flexibilität und bessere Arbeitsqualität
Die generalistische Pflegeausbildung soll praxisnäher sein, die Qualität verbessern und die Attraktivität der Pflege durch mehr Flexibilität steigern. Besonders die Altenpflege sollte gestärkt werden, da sie hinsichtlich der Arbeitsbedingungen und der Bezahlung deutlichen Nachholbedarf hatte. Heute durchlaufen alle Auszubildenden in der Pflege eine gemeinsame Ausbildung. Nach drei Jahren erwerben sie den Berufsabschluss „Pflegefachfrau“ oder „Pflegefachmann“. Die neue Ausbildung bietet die Möglichkeit, verschiedene Pflegebereiche kennenzulernen und später individuell zu entscheiden, in welchem Bereich man arbeiten möchte.
Die Integration aller Pflegebereiche macht die Ausbildung aber komplexer und führt dazu, dass Auszubildende mit unterschiedlichen schulischen Voraussetzungen bisweilen an ihre Grenzen stoßen. Das birgt das Risiko, dass Ziele verfehlt werden, wenn es keine ausreichende Unterstützung gibt.
Pro Jahr müssten in Bremen etwa 530 Pflegefachkräfte erfolgreich ausgebildet werden, wenn der künftige Fachkräftebedarf durch Auszubildende aus dem Stadtstaat gedeckt werden soll. Erfolgreich beendet haben im ersten Jahr die Ausbildung nur 316 Personen. Zwischen 2020 und 2023 haben im Schnitt 575 Auszubildende pro Jahr in Bremen begonnen. Dabei ist der Anteil von Auszubildenden ohne deutschen Pass zwischen 2013 und 2023 von knapp acht auf 26 Prozent gewachsen. Zwar stiegen die Auszubildendenzahlen in den letzten Jahren – aber nicht im notwendigen Ausmaß: Die Ausbildungsplätze waren nur zu 90 Prozent ausgelastet.
Die wichtigsten Erkenntnisse der Studie
Die Studie des iaw, die zwischen Sommer 2021 und Sommer 2024 durchgeführt wurde, bezieht die Perspektiven der Auszubildenden, der Lehrkräfte und der Praxisanleitungen ein. Die Ergebnisse in Kürze:
- Die Ressourcen sind systematisch ungleich verteilt: Größere Einrichtungen verfügen in der Regel über mehr Personal und mehr materielle Möglichkeiten. Sie können eine bessere praktische Anleitung der Auszubildenden sicherstellen, ihre Praxisanleiter*innen komplett freistellen und haben auch eine bessere digitale Ausstattung. Die kleineren Einrichtungen kämpfen dagegen häufig mit begrenzten Möglichkeiten. Besonders die ambulante und die stationäre Langzeitpflege schneiden im Vergleich zu den Krankenhäusern schlechter ab.
- Die Auszubildenden stehen vor großen Herausforderungen: Gerade Auszubildende mit niedrigeren Schulabschlüssen oder größeren Sprachschwierigkeiten lernen oft in Betrieben oder Einrichtungen, die ihnen weniger Hilfe und Unterstützung bieten können.
- Die Pflegebereiche sind unterschiedlich attraktiv: Nach Abschluss der Ausbildung zieht es viele Auszubildende in die Krankenhäuser, während die Langzeitpflege weniger attraktiv erscheint. Dies verschärft die bestehenden Engpässe in der ambulanten und stationären Langzeitpflege weiter.
Die Forderungen der Arbeitnehmerkammer
Um die Ausbildungsqualität nachhaltig zu verbessern und Abbruchquoten zu senken, schlägt die Arbeitnehmerkammer verschiedene Maßnahmen vor:
- Die Praxisanleitung in den Betrieben muss gestärkt werden: Die Praxisanleitung begleitet die Auszubildenden in den Einrichtungen und sorgt dafür, dass sie nicht nur „mitlaufen“, sondern eine gute Einführung in die Praxis bekommen. Eine gute Praxisanleitung ist somit entscheidend für die Ausbildungsqualität – zu oft ist diese noch nicht sichergestellt. Hier sind die Betriebe gefragt, diese verlässlicher umzusetzen. Zentrale Praxisanleiter*innen, die nicht in den Dienstplan eingebunden sind, bieten hier Vorteile.
- Die Auszubildenden brauchen mehr Unterstützung: Eine bezahlbare Wohnung finden, die Sprache lernen, Krisen bewältigen, den Einstieg in den Pflegealltag meistern – die Pflegeschüler*innen haben oft zu kämpfen. Deswegen brauchen sie frühzeitige Unterstützung vor und während der Ausbildung. Die Studie fordert gut erreichbare Angebote ein, die ihnen auch außerhalb der Ausbildung Hilfestellung geben. Wie groß der Bedarf ist, zeigt das Beratungsangebot „Pflegeausbildung – bleib dran“, das von der Arbeitnehmerkammer und der Senatorin für Gesundheit, Frauen und Verbraucherschutz finanziert wird und auf drei Jahre angelegt ist. Zu den häufigsten Themen zählen Wohnen, Finanzen, Behördenangelegenheiten, familiäre Probleme und der Praxisalltag.
- Die Pflegeschulen brauchen sozialpädagogische Betreuung: Zusätzlich zu „Bleib dran“ muss eine feste sozialpädagogische Betreuung an allen Pflegeschulen Unterstützung bieten und so den Ausbildungserfolg sichern. Dieses an Berufsschulen bewährte Modell der Schulsozialarbeit wird bereits in anderen Bundesländern erfolgreich umgesetzt.
- Die Pflegehilfe-/assistenzausbildung muss aufgewertet werden: Der vorliegende Gesetzentwurf für eine bundeseinheitliche, 18-monatige Pflegeassistenzausbildung wurde nicht verabschiedet.Pflegehilfe-/
-assistenzkräfte werden aber immer häufiger in der Pflege eingesetzt. Die Landesregierung ist zwischenzeitlich gefordert, eine hochwertige und durchlässige Ausbildung zur Pflegeassistenzkraft zu etablieren und sich im Bund weiterhin für eine einheitliche Regelung einzusetzen: Mindestens 18, besser 24 Monate sollten der bundesweite Standard sein, damit Fachkräfte wirksam entlastet werden können.
Die Studie finden Sie hier zum Download: www.arbeitnehmerkammer.de/downloads
Sie wird am Mittwoch, 29. Januar, 17 Uhr bei der Veranstaltung „Ausbildung stark machen – für die Pflegekräfte von morgen“imKultursaal der Arbeitnehmerkammer Bremen vorgestellt und mit Akteur*innen aus der Praxis sowie der Senatorin für Gesundheit, Frauen und Verbraucherschutz diskutiert. Um Anmeldung bis zum 26.01.2025 wird gebeten unter: anmeldung@arbeitnehmerkammer.de
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