16.09.2024
Autobranche muss die Kurve kriegen
Arbeitnehmerkammer legt neue Fakten und Forderungen zur Automobilwirtschaft im Land Bremen vor
Die Automobilbranche ist in schwierigem Fahrwasser, hat aber nicht zuletzt in Bremen nach wie vor einen sehr hohen Stellenwert: Fast 30.000 Menschen arbeiten in der Automobilindustrie und -logistik sowie im Autohandel und in den Kfz-Werkstätten. Das zeigt das neue KammerKompakt der Arbeitnehmerkammer. „Der Umbruch in der Automobilbranche verunsichert Verbraucher und Beschäftigte. Wir brauchen deshalb betriebliche Stabilität, Sicherheit für die Beschäftigten und eine kluge und zuverlässige Mobilitätspolitik für Deutschland“, sagt Geschäftsführerin Elke Heyduck.
Jeder elfte Arbeitsplatz hängt vom Auto ab
Mercedes ist mit rund 11.500 Beschäftigten der mit Abstand größte private Arbeitgeber in der Region. Gemeinsam mit zahlreichen Zulieferbetrieben bildet das Werk den Kern der bremischen Automobilindustrie. Auch wenn die Flexibilität im Werk – dort können sowohl Verbrenner- als auch Elektroautos gebaut werden – ein großer Pluspunkt ist, kann der zunehmende Wettbewerbsdruck in der Branche auch Auswirkungen auf Bremen haben. Die VW-Krise zeigt, wie wichtig es gerade für die deutschen Autohersteller ist, international bei der Elektromobilität nicht den Anschluss zu verlieren. Hier gibt es aus Sicht der Arbeitnehmerkammer großen Nachholbedarf: „Die Absatzschwächen dürfen nicht dazu führen, dass wichtige Zukunftsinvestitionen auf die lange Bank geschoben oder gar gestrichen werden“, fordert Heyduck.
Viele Firmen nehmen derzeit Abstand von geplanten Investitionen in die Elektromobilität, auch im Autoterminal Bremerhaven macht sich der schleppende Absatz von E-Autos bemerkbar, hinzu kommen Unsicherheiten durch handelspolitische Konflikte mit China. Die unstete Förderpolitik des Bundes und die Debatte um das Verbrenner-Aus sind aus Sicht der Arbeitnehmerkammer beschäftigungs- wie klimapolitisch sehr problematisch. „Wir brauchen vor allem auch politische Stabilität, damit der Fahrplan in Sachen Mobilität und Energie für Unternehmen und Verbraucher klar ist und Investitionen ermöglicht“, so Heyduck.
Fachkräfte dominieren in der Bremer Autobranche
Die Automobilwirtschaft in Bremen ist immer noch stark männerdominiert, nur jede/jeder zehnte Beschäftigte arbeitet in Teilzeit. Anders als in der Luft- und Raumfahrtindustrie gibt es hier wie auch in der Logistik viele Jobs mit eher niedrigem Anforderungsniveau: Jede/jeder Vierte arbeitet als Helferin oder Helfer. 60 Prozent der Beschäftigten verfügen andererseits über eine Berufsausbildung. Zwar wird in der Autoindustrie mit 29 Euro in der Stunde überdurchschnittlich verdient, im Autohandel mit 20,45 Euro hingegen nur unterdurchschnittlich. Außerdem gibt es nach wie vor einen hohen Anteil an Leiharbeit und Fremdvergaben – viele Menschen, die im Mercedes-Werk arbeiten, gehören also nicht zur Stammbelegschaft.
Vor dem Hintergrund zunehmender Arbeitsplatzunsicherheit bei den Herstellern und Zulieferbetrieben wird Weiterbildung immer wichtiger. In der bremischen Autoindustrie und Logistik arbeiten viele Beschäftigte ohne Berufsabschluss. „Eine abgeschlossene Berufsausbildung ist aber der Schlüssel zu gut bezahlter Arbeit mit Perspektiven und schützt vor Arbeitslosigkeit“, so Heyduck. Die Bemühungen für abschlussorientierte Qualifizierungen müssen daher aus Sicht der Arbeitnehmerkammer deutlich erhöht werden. Dafür gibt es mit dem Qualifizierungschancengesetz Fördermöglichkeiten bei der Agentur für Arbeit – und auch landesseitig steht ein Qualifizierungsbonus zur Verfügung, der von der Arbeitnehmerkammer finanziell unterstützt wird.
Die Forderungen der Arbeitnehmerkammer
- Die Hersteller und Werkstätten der Automobilwirtschaft müssen gezielt in die Weiterbildung ihrer Belegschaften investieren. Gemeinsam mit den Unternehmen, Betriebsräten, Gewerkschaften, Verbänden und Kammern muss die Landesregierung für eine Verstetigung des erfolgreichen „Weiterbildungsverbunds Fahrzeugindustrie für Bremen“ sorgen. Er ist momentan nur bis Jahresende gesichert.
- Im Reparaturgewerbe in Bremerhaven und Bremen macht sich der Umstieg auf E-Mobilität noch wenig bemerkbar. Doch auch, wenn dort das Geld zurzeit noch mit Verbrennern verdient wird, muss gerade im Kfz-Handwerk umfangreich und vorausschauend qualifiziert werden, damit die Beschäftigungsfähigkeit der Mitarbeiter erhalten wird. Hier steht der Großteil des Wandels noch bevor.
- Damit das Land Bremen von der Transformation der Automobilbranche und der notwendigen Verkehrswende besser profitieren kann, braucht es am Standort Bremen mehr Forschung und Entwicklung. So können attraktive und zukunftssichere Arbeitsplätze entstehen. „Der Bremer Senat darf in seinen Bemühungen um ein Stück vom Forschungskuchen nicht nachlassen“, sagt Heyduck.
- Betriebliche Mitbestimmung muss im Zuge der Transformation aus- statt abgebaut werden. Betriebsräte und Beschäftigte müssen in allen Betrieben frühzeitig in wichtige Entscheidungen einbezogen werden.
- Der Frauenanteil in der Automobilwirtschaft ist nach wie vor sehr gering: Nur zwei von zehn hier Beschäftigten sind weiblich. Die bestehenden Förderprogramme müssen daher kritisch evaluiert und verbessert werden. „Wenn Frauen gezielt für Ausbildungsstellen und Führungspositionen gewonnen und flexiblere Arbeitszeitmodelle eingeführt werden, profitieren am Ende alle davon“, so Heyduck.
Das KammerKompakt „Bremische Automobilwirtschaft unter Transformationsdruck“ finden Sie auf unserer Website unter www.arbeitnehmerkammer.de/kammerkompakt
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