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© 2025 Arbeitnehmerkammer Bremen

16.04.2025

Ausbildung stärken, Unterstützung verbessern​​

​​​​​​​Arbeitnehmerkammer legt neue Daten zur Lage auf dem bremischen Ausbildungsmarkt vor

korrigierte Fassung vom 23. April 2025

In Bremen wird immer weniger ausgebildet. Das ist das Ergebnis einer neuen Analyse der Arbeitnehmerkammer, die aktuelle Daten für das Bundesland ausgewertet hat. Zwar ist die Zahl der neuen Ausbildungsverträge 2024 im Vergleich zum Vorjahr nur leicht zurückgegangen – von 5.535 auf 5.517. Doch das Ausbildungsangebot sinkt trotz aller Debatten rund um den Fachkräftemangel schon seit vielen Jahren: Seit 2008 sind in Bremen gut 1.000 Ausbildungsplätze verloren gegangen. „Die Lage am Ausbildungsmarkt ist sehr ernst“, sagt Peer Rosenthal, Hauptgeschäftsführer der Arbeitnehmerkammer. „Wir brauchen dringend mehr Ausbildungsplätze und mehr erfolgreiche Berufsabschlüsse. Die duale Ausbildung ist für junge Menschen noch immer das Eintrittsticket in die Arbeitswelt. Gleichzeitig garantiert sie den Betrieben den nötigen Fachkräftenachwuchs.“

Für 100 Ausbildungsinteressierte gab es 2024 nur noch 69 Plätze

Nach dem 30. September 2024 waren deutlich mehr Jugendliche auf der Suche, als es unbesetzte Ausbildungsplätze gab: Auf 100 Ausbildungsinteressierte kamen im vergangenen Jahr nur noch 69 Ausbildungsplätze. Das entspricht einem langjährigen Trend: Von 2009 bis 2024 gab es jährlich im Schnitt etwa 570 mehr noch suchende Bewerber*innen als freie Ausbildungsplätze. Für die bremische Wirtschaft ist diese Schieflage problematisch, schließlich verlassen viele Beschäftigte altersbedingt in den nächsten zehn Jahren den Arbeitsmarkt.

Fast jeder zehnte Bewerber möchte Kraftfahrzeugmechatroniker für PKW-Technik werden, in der Beliebtheit folgen der Elektroniker für Energie-/ Ge­bäudetechnik und der Anlagenmechaniker für Sanitär-, Heizungs- und Klimatechnik. Die Top 3 der Bewerberinnen sind die Medizinische Fachangestellte, die Kauffrau für Büromanagement und die Verkäuferin – mehr als jede dritte Bewerberin kam auf einen dieser drei Berufe.

Allerdings bildete 2023 nur noch gut jeder fünfte Betrieb aus, 2009 war es noch etwa jeder vierte. Auch wenn Großbetriebe sich seit 2018 wieder etwas mehr engagieren, fängt das den Verlust von Ausbildungskapazitäten bei kleinen und mittleren Unternehmen nicht auf. Gravierend ist vor allem der Rückgang bei den Kleinstbetrieben, die weniger Bewerbungen bekommen und sehr kostensensibel bei der Ausbildungsentscheidung sind. Sie brauchen deshalb mehr Anreize und eine bessere Unterstützung. Gerade diese Betriebe fördert der Ausbildungsunterstützungsfonds.

Ausbildungsverhältnisse werden immer häufiger vorzeitig aufgelöst

Auffällig ist in der jüngsten Vergangenheit, dass Vertragslösungen deutlich zugenommen haben. Wurde 2009 in Bremen knapp jeder vierte Ausbildungsvertrag gelöst, war es 2023 schon jeder dritte. Die Quote lag dabei über dem Bundesdurchschnitt (29,5 Prozent). Vertragslösungen bedeuten nicht immer einen Ausbildungsabbruch, viele der Betroffenen wechseln nur den Betrieb oder den Beruf. Dennoch ist die steigende Zahl gelöster Verträge besorgniserregend, denn sie sind sowohl für Auszubildende als auch für Betriebe eine Fehlinvestition.

Wer keinen Berufsabschluss hat, bleibt häufig schlecht bezahlt, prekär beschäftigt oder arbeitslos. Im Bundesvergleich ist Bremen schon länger trauriger Spitzenreiter bei der Zahl der ungelernten 25- bis 34-Jährigen: In Bremen hat jede*r dritte von ihnen keinen Berufsabschluss, bundesweit ist es nur eine*r von fünf. Fehlende Ausbildungsstellen treffen gerade Jugendliche mit niedrigen Bildungsabschlüssen schwer.

Eine „Ausbildungsgarantie“, die keine ist

Zwar gibt es seit 2024 eine „Ausbildungsgarantie“ des Bundes, die allen jungen Menschen den Zugang zu einer qualifizierenden Ausbildung ermöglichen soll. Jugendliche, die keinen betrieblichen Ausbildungsplatz gefunden haben, sollen außerbetrieblich ausgebildet werden. Die Voraussetzung: Sie haben sich erfolglos beworben und die Berufsberatung genutzt, konnten aber nicht vermittelt werden und leben in einer Region, in der es zu wenig Ausbildungsplätze gibt. Im Land Bremen wurden dadurch für das aktuelle Ausbildungsjahr nur etwa 30 zusätzliche Plätze geschaffen. „Die Ausbildungsgarantie schließt viele junge Menschen auch in Bremen weiterhin aus. Sie muss so weiterentwickelt werden, dass sie mehr unversorgten jungen Menschen einen Abschluss ermöglicht“, sagt PeerRosenthal. Dass es einen großen Bedarf für außerbetriebliche Ausbildungen gibt, zeigen auch die Ausbildungsverbünde in Bremen und Bremerhaven. Seit 2020 haben dort fast 1.000 junge Menschen gelernt, die keine andere Möglichkeit hatten. Die befristet angelegten Verbünde können seit dem Wegfall ihrer Finanzierung durch europäische Mittel aber niemanden mehr aufnehmen.

Die Forderungen der Arbeitnehmerkammer:

In der bremischen Berufsbildung braucht es angesichts der Strukturkrise einen Aufbruch.

  1. Das positive Urteil des Staatsgerichtshofs zum bremischen Ausbildungsunterstützungsfonds ist ein gutes Signal, nun muss er wie geplant umgesetzt werden. „Das Gesetz ist kein Allheilmittel, aber ein wichtiger Baustein, um die duale Ausbildung zu stärken“, so PeerRosenthal. „Es ist das Gebot der Stunde, dass nun alle Akteure an einem Strang ziehen, um Betriebe und Auszubildende in der Ausbildung zu unterstützen und für eine moderne, leistungsfähige Infrastruktur zu sorgen.“ Es muss sowohl in die allgemeine Schulbildung als auch die berufliche Bildung investiert werden. Wer die Verantwortung der Unternehmen, Fachkräfte auszubilden gegen das Schulsystem ausspielt, nimmt in Kauf, dass die Jugendlichen, die jetzt eine Ausbildung brauchen, auf der Strecke bleiben und der Fachkräftemangel sich weiter zuspitzt.
  1. Betriebe müssen sich stärker auf den Weg machen, Menschen mit niedrigen Schulabschlüssen eine erfolgreiche Ausbildung zu ermöglichen – und dabei von der Politik unterstützt werden. Die Ausbildungsbedingungen in den Unternehmen müssen verbessert werden, damit mehr junge Menschen zu Fachkräften werden. An den beruflichen Schulen muss Bremen eine Ausbildungsberatung einrichten, zu der auch psychosoziale Beratung gehört. Bei Hochschulen ist dies gang und gäbe, die Berufsbildung darf nicht benachteiligt werden. Auch die Angebote der Berufsorientierung müssen verbessert werden, etwa durch Qualitätsstandards für Praktika und individuelle Beratung, zudem braucht es mehr Sprachkurse für Auszubildende, die Unterstützung benötigen. Betriebe, die allein nicht ausbildungsberechtigt wären, müssen bei Verbundausbildungen unterstützt werden.
  1. Bremen muss sich dafür einsetzen, dass die neue Bundesregierung die Ausbildungsgarantie reformiert, sodass mehr junge Menschen erreicht werden.

Das KammerKompakt „Ausbildung stärken, Unterstützung verbessern“ finden Sie hier zum Download: www.arbeitnehmerkammer.de/downloads

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