Mehre junge Menschen stehen auf einem Konzert im roten Licht

Soziale Lagen

Statistiken zu Arbeitslosigkeit, Armut und Wohnkosten.

Im Jahr 2023 war in der Stadt Bremen mehr als jeder vierte Haushalt (27 Prozent) von Armut betroffen. In Bremerhaven war es sogar jeder dritte Haushalt (33 Prozent). Die Grenze der Einkommensarmut liegt laut EU-Standard bei 60 Prozent des mittleren gewichteten Einkommens. Dieses mittlere Einkommen lag 2023 für einen Ein-Personen-Haushalt bei 2.079 Euro netto, die Armutsgrenze damit bei 1.247 Euro. In Bremen ist die Armutsquote von 2021 bis 2023 nicht weiter gestiegen. In einigen Großstädten ist ein Rückgang zu beobachten: In Duisburg, Leipzig, Frankfurt, Hannover, Düsseldorf und Köln ist der Anteil der armutsgefährdeten Menschen im selben Zeitraum gesunken.
Im Vergleich der Bundesländer gelten in Hamburg, Berlin, Hessen, Nordrhein-Westfalen und Bayern zwischen acht und zehn Prozent der Bevölkerung als reich – gemessen am Einkommen. In Bremen ist der Anteil der Einkommensreichen mit fast acht Prozent nur geringfügig kleiner. Als einkommensreich gelten Personen und Haushalte, die 2024 mehr als 200 Prozent über dem nationalen mittleren Monatseinkommen von 2.213 Euro (netto) für einen Ein-Personen-Haushalt liegen. Das waren im selben Jahr alle Haushalte mit einer alleinwohnenden Person, die mehr als 4.426 Euro für sich allein zur Verfügung hatten. Es ist jedoch realistischer, Personen, die für sich allein über diese Summe pro Monat verfügen können, als wohlhabend zu charakterisieren. Wirklicher Reichtum ist kaum allein über ein gutes Einkommen zu erreichen, sondern vor allem über Vermögen (Immobilien, Aktien, Unternehmen).
2023 waren deutlich mehr Menschen im Land Bremen von Einkommensarmut betroffen (29 Prozent), als arbeitslos gemeldet waren oder Leistungen zur Mindestsicherung bekommen haben. Das hat verschiedene Ursachen: Viele Beschäftigte arbeiten im Niedriglohnsektor oder in Teilzeit und bleiben trotz ihrer Erwerbstätigkeit unterhalb der Armutsgrenze. Sie sind trotz Arbeit arm. Auch wissen viele Menschen mit wenig Geld nicht, dass ihnen Sozialleistungen wie Wohngeld, Kinderzuschlag und Unterhaltsvorschuss zustehen – oder sie scheuen den Kontakt mit „Ämtern“ beziehungsweise den bürokratischen Aufwand. Achtung: Aufgrund einer Umstellung bei der Erhebung des Mikrozensus sind die Daten zu Einkommensarmut und Mindestsicherung vor 2020 nicht mit den Daten nach 2020 vergleichbar!
Der Großstädtevergleich zeigt, dass in den wachsenden und besonders wohlhabenden Städten wie Frankfurt am Main, Nürnberg, München und Stuttgart jede*r zweite Einwohner*in eine Migrationsgeschichte hat. Auch hat sich der Anteil an Menschen mit Migrationsgeschichte in den letzten Jahren in allen Großstädten mit über 500.000 Einwohnenden erhöht, gerade auch in Bremen. Dennoch liegt Bremen ungefähr im Mittelfeld – deutlich niedrigere Anteile kennzeichnen ostdeutsche Großstädte wie Leipzig und Dresden.
Die Angebotsmieten sind in den vergangenen Jahren deutlich stärker gestiegen als die Einkommen. Sowohl in Bremen als auch in Bremerhaven wurden 2023 Mietwohnungen im Schnitt 40 Prozent teurer angeboten als noch 2014. Im gleichen Zeitraum sind die Einkommen nur um etwa 20 Prozent gestiegen. Bezahlbaren Wohnraum zu finden wird somit immer schwieriger. Dies betrifft in besonderem Maße junge Menschen, da diese besonders häufig umziehen. Gleichzeitig haben sie meist noch geringe Einkommen. Für Auszubildende, Studierende, aber auch junge Familien und alle anderen, die eine neue Wohnung finden müssen, wird die Miete zunehmend teuer.
Wohnen ist für viele Menschen im Land Bremen zu teuer. Zwar gelten Bremen und Bremerhaven im Vergleich zu anderen Städten wie Hamburg oder Berlin als günstig. Dennoch zahlen in Bremen 33 Prozent und in Bremerhaven 24 Prozent der Mieterhaushalte mehr als 40 Prozent des Nettohaushaltseinkommens für ihre Warmmiete. Dieser Grenzwert von 40 Prozent gilt nach EU-Definition als maximal vertretbare Belastung durch warme Wohnkosten. Bei einem höheren Wert droht Wohnarmut. Insbesondere Haushalte mit geringen Einkommen sind davon betroffen. Unter den ärmsten 20 Prozent der Mieterhaushalte zahlen in Bremen acht von zehn und in Bremerhaven sieben von zehn mehr, als sie sich leisten können – während wohlhabendere Haushalte nur selten betroffen sind. Die aktuelle Studie zur Mieter- und Eigentümerbefragung 2024 finden Sie als Download im beigestellten Infokasten.
Dass ärmere Haushalte besonders unter ihren Wohnkosten leiden, zeigt sich in der Stadt Bremen auch räumlich. In Stadtteilen mit einem hohen Anteil armer Menschen sind die Belastungsquoten besonders hoch: So sind in Woltmershausen 58 Prozent der Mieterhaushalte zu stark belastet. Auch in Burglesum, Huchting und Gröpelingen trifft dies auf etwa die Hälfte der Haushalte zu. Auf der anderen Seite sind in den wohlhabenden Stadtteilen nur wenige Haushalte betroffen. In der Östlichen Vorstadt sind nur etwa 17 Prozent, in Schwachhausen etwa 19 Prozent der Haushalte zu stark belastet. In Bremerhaven gibt es keine großen Unterschiede zwischen den Stadtteilen. Der Anteil zu hoch belasteter Haushalte liegt zwischen 23 Prozent (Geestemünde) und 32 Prozent (Mitte).

Mietendenbefragung 2025

Befragung
Weitere Informationen zum Thema Wohnen finden Sie zum Download in unserer Mieter- und Eigentümerbefragung "Wohnungspolitik und Wohnsituation im Land Bremen 2025".

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