Ein junger Mann schraubt an einem technischen Gerät

Ausbildung und Weiterbildung

Statistiken zu Ausbildungsplätzen, Abbrüchen und Teilnahme an Weiterbildungen.

Nach wie vor gibt es im Land Bremen nicht genug Ausbildungsstellen für alle Jugendlichen, die an einer Ausbildung interessiert sind. 2025 kamen nur 67 Ausbildungsstellen auf 100 geeignete Bewerber*innen. Dieses Ungleichgewicht ist problematisch für all die jungen Menschen, die ohne Ausbildungsplatz bleiben, und auch für die Bremer Wirtschaft, die in vielen Bereichen mit Fachkräfteengpässen kämpft. Deshalb soll der Bremische Ausbildungsunterstützungsfonds diesem Ungleichgewicht entgegensteuern. In diesen Fonds zahlen alle Arbeitgeber im Land Bremen ein (sofern sie nicht per Gesetz von der Zahlung befreit sind), ausbildende Betriebe bekommen einen Teil ihrer Ausbildungskosten aus dem Fonds erstattet. Außerdem werden über den Fonds Unterstützungsangebote finanziert, damit mehr junge Menschen eine Ausbildung machen und erfolgreich abschließen können.
Das Ausbildungsangebot im Land Bremen sinkt seit vielen Jahren, insbesondere im Zuge unterschiedlicher Krisen. So führte die Corona-Pandemie 2020 zu einem massiven Einbruch des Ausbildungsangebots. Doch auch in Zeiten einer guten Konjunktur stieg die Zahl der abgeschlossenen Ausbildungsverträge nicht wieder auf das vorherige Niveau an. 2025 liegt die Zahl der abgeschlossenen Ausbildungsverträge mit 5.460 noch weit unter der, die das Land Bremen vor der Pandemie hatte: Seit 2019 sind hier 318 Ausbildungsplätze verloren gegangen, seit der Finanzkrise 2008 sogar 1.029. Nicht abgebildet ist Zahl der Ausbildungsabsolvent*innen. Auch diese entwickelt sich rückläufig und ist noch deutlich niedriger als die Zahl der abgeschlossenen Ausbildungsverträge – 2024 gab es insgesamt 3.633 Absolvent*innen der dualen Berufsausbildung.
Im Land Bremen gibt es viele Ausbildungsverträge, die vorzeitig beendet werden: 2024 war knapp ein Drittel betroffen. Dabei bedeuten solche Vertragsauflösungen nicht automatisch auch einen Ausbildungsabbruch: Manche Auszubildende wechseln nur den Betrieb oder den Beruf. Dennoch droht bei vielen jungen Menschen bei einer Beendigung des Ausbildungsvertrags auch ein Abbruch der Ausbildung. Die hohe Zahl von Vertragslösungen ist deshalb besorgniserregend. Ausbildungsabbrüche sollten möglichst verhindert werden – durch Beratungs- und Unterstützungsangebote sowohl für die Betriebe als auch für die Auszubildenden.
Die Messlatte dafür, ob genug Fachkräftenachwuchs ausgebildet wird, ist die Ausbildungsquote. Sie ist im Land Bremen inzwischen auf 4,8 Prozent gesunken – auf 100 Beschäftigte kommen nicht einmal mehr fünf Auszubildende. Das ist deutlich zu wenig, um die wachsende Zahl der Fachkräfte zu ersetzen, die in den kommenden Jahren aus Altersgründen ausscheiden wird. Die Grafik zeigt, wie Unternehmen jeder Größe ihre Ausbildungsaktivitäten nach 2009 infolge der Finanzkrise, doch auch in der anschließenden langen Wachstumsphase, reduziert haben. Am stärksten war der Rückgang bei den Kleinstbetrieben, die bessere Unterstützung brauchen, um wieder mehr auszubilden. Das Engagement von Großbetrieben war lange am geringsten, hat seit 2019 aber erfreulicherweise wieder etwas zugenommen. Auch mittlere Betriebe haben wieder mehr Auszubildende als Teil ihrer Belegschaft, aber immer noch weniger als vor Beginn der Pandemie.
Die Ausbildungsbetriebsquote beschreibt den Anteil der Ausbildungsbetriebe an allen Betrieben. Im Land Bremen bildet nur noch gut jeder fünfte Betrieb aus. Vor etwas mehr als zehn Jahren war es noch jeder vierte Betrieb. 2024 gab es im Land Bremen etwa 15.900 Betriebe mit sozialversicherungspflichtig Beschäftigten. Etwa 3.200 davon waren Ausbildungsbetriebe.
Im Land Bremen ist die Zahl der Jugendlichen, die nach dem Beginn des Ausbildungsjahres noch auf der Suche nach einem Ausbildungsplatz sind, im letzten Jahr leicht gesunken. Dennoch waren fast 1.000 geeignete Ausbildungsbewerber*innen nach Ende September immer noch auf der Suche nach einer Ausbildung. Diese Versorgungsprobleme dominieren am bremischen Ausbildungsmarkt gegenüber dem Problem unbesetzter Ausbildungsstellen und sind in den letzten fünfzehn Jahren auf einem hohen Niveau. Dennoch blieben Ende September 245 Ausbildungsplätze unbesetzt, immerhin über 100 weniger als im Vorjahr. Diese Besetzungsprobleme hatten aufgrund der Corona-Pandemie zuletzt zugenommen, seit 2023 zeichnet sich hier aber wieder eine leichte Erholung ab.
Die Schwierigkeiten auf dem bremischen Ausbildungsmarkt haben gravierende Folgen. Mehr als jede*r Vierte zwischen 25 und 34 Jahren im Land Bremen hat keinen beruflichen Abschluss und gilt somit als ungelernt. Dieser Wert – die Ungelerntenquote – liegt im Land Bremen mit 28,4 Prozent deutlich höher als in allen anderen Bundesländern. Junge Menschen ohne Berufsabschluss haben ein weitaus größeres Risiko, arbeitslos zu werden. Daher ist es wichtig, dass sie über Nachqualifizierungen noch nachträglich einen Abschluss erwerben. Außerdem muss das Land Bremen viel in die Unterstützung im Übergang zwischen Schule und Beruf investieren.
Mehr als ein Drittel der Beschäftigten im Land Bremen hat in den letzten beiden Jahren nicht an einer Schulung, Fort- oder Weiterbildung teilgenommen. Den größten Anteil daran machten lediglich ein- bis zweitägige Schulungen aus. Zudem gibt es in der Teilnahme einen deutlichen Gender Gap: Bei fast jedem dritten Mann dauerte die wichtigste Schulung länger als fünf Tage, aber nur bei jeder fünften Frau. Angesichts der vielfältigen Wandlungsprozesse in der Arbeitswelt benötigen Beschäftigte zum Teil Anpassungsqualifizierungen, um ihre bisherige Tätigkeit weiter ausführen zu können. Wo Jobs wegfallen, werden langfristige und abschlussbezogene Weiterbildungen nötig, wie zum Beispiel Umschulungen. Die Analyse der Weiterbildungsbedarfe und die Förderung der Weiterbildung der Beschäftigten muss eine hohe Priorität genießen, bisher benachteiligte Zielgruppen müssen stärker gefördert werden.
Menschen mit niedrigen Bildungsabschlüssen profitieren deutlich seltener von Weiterbildung. Von den Menschen ohne Berufsabschluss haben in den letzten beiden Jahren nur knapp zwei Fünftel an einer Weiterbildung teilgenommen. Dabei wäre gerade für diese Menschen Weiterbildung besonders wichtig. Insbesondere das Nachholen eines Berufsabschlusses könnte für sie zu einem höheren Einkommen führen und zu mehr Beschäftigungssicherheit beitragen.

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Dr. Marie-Luise Zarief

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