Trotz des Mehrwerts Zugewanderter und des sich verstärkenden Fachkräftemangels gibt es bei der Anerkennung ihrer Qualifikationen deutlich Luft nach oben: Die Verfahren sind teils intransparent, komplex, dauern lange und die für eine Anerkennung notwendigen Sprachkurse und Ausgleichsmaßnahmen sind nicht ausreichend vorhanden.
Unsere Forderungen
Wir fordern eine Vereinfachung der bestehenden Anerkennungsverfahren, für die das Land Bremen oder der Bund zuständig sind. Sie müssen transparenter, einfacher und schneller werden und die Bedarfe der Menschen in den Blick nehmen. Sprachkurse und berufsbezogene Ausgleichsmaßnahmen müssen niedrigschwellig zugänglich sein, wo sie für eine Anerkennung notwendig sind. Hier braucht es deutliche Bekenntnisse der Regierungen in Bund und Land, die vorhandenen Angebote auszubauen und langfristig abzusichern. Dazu gehört auch die Finanzierung einer unabhängigen Anerkennungsberatung.
Qualifizierung finanziell absichern
Auch die Absicherung des eigenen Lebensunterhalts während der Anerkennungsmaßnahmen muss besser gewährleistet werden, etwa durch finanzielle Unterstützungen während möglicher Anpassungslehrgänge oder eine vorläufige Berufszulassung. Nicht zuletzt sollte das Angebot an berufsbegleitenden Berufs- und Fachsprachkursen im Land Bremen ausgeweitet werden. Zudem müssen Kurse auch so angeboten werden, dass sie mit Sorgeverpflichtungen kompatibel sind.
Lohnlücken schließen
Viele ausländische Beschäftigte bringen Fertigkeiten mit, die auf dem bremischen Arbeitsmarkt benötigt werden, für die Anerkennung eines Berufsabschlusses jedoch durch Berufs- und Fachsprachkurse ergänzt werden müssen. Durch eine bessere Anerkennung könnte auch ein Teil der Lohnlücke geschlossen werden, die zwischen Arbeitnehmenden mit ausländischem und deutschem Pass besteht: Im Jahr 2023 verdienten Ausländer*innen monatlich 1.275 Euro weniger als deutsche Beschäftigte.
Teilhabe und Gleichbehandlung stärken
Die Anerkennung von ausländischen Abschlüssen ist eine zentrale Stellschraube für gleiche Teilhabechancen und die Gleichbehandlung am Arbeitsmarkt – sie befördert faire Entlohnung, den Zugang zu beruflicher Weiterbildung und ist teilweise auch die Voraussetzung für einen längerfristigen Aufenthalt in Deutschland.
Bremen als Einwanderungsland
Das Land Bremen ist seit Langem Einwanderungsland mit einer Tradition internationaler Offenheit. Viele der Zugewanderten haben wertvolle Fachkompetenzen und Abschlüsse, die in Deutschland allerdings formal nicht anerkannt sind. Über 40 Prozent der ausländischen Beschäftigten im Land Bremen sind unterhalb ihrer Qualifikation tätig. Das hängt teils damit zusammen, dass sie Kompetenzen aus der Berufspraxis mitbringen, die nicht mit einem Abschluss hinterlegt sind, aber teils auch damit, dass ihre Abschlüsse in Deutschland (noch) nicht anerkannt sind.
Ohne Zuwanderung werden wir die Fachkräftelücke nicht schließen können. Die Anerkennung ausländischer Abschlüsse muss schneller gehen, es muss ausreichend Sprachkurse geben und die berufsbegleitende Qualifizierung muss flexibler gestaltet werden.
Publikationen zum Thema
Ihr Kontakt

Politikberatung
Dr. Marie-Luise Zarief
Referentin für Arbeitsmarkt- und Beschäftigungspolitik

Politikberatung
Dr. Janis Vossiek
Referent für Arbeitsmarkt- und Beschäftigungspolitik


