Mietwohnungen

Mieter- und Eigentümerbefragung 2024

Wie entwickeln sich die Mietkosten in den Stadtteilen, was sind mögliche Umzugsgründe und wie hoch ist die Zufriedenheit in den Stadtteilen? Das haben wir Mieter*innen und Eigentümer*innen gefragt.

Die Umfrage

Die Arbeitnehmerkammer führt im Land Bremen seit 2012 Mieterbefragungen durch. Seit 2019 werden auch Menschen im selbst genutzten Eigentum befragt. Für die jüngste Befragung aus dem Sommer 2024 haben wir insgesamt etwa 12.000 zufällig aus dem Melderegister gezogene Haushalte in Bremen und Bremerhaven angeschrieben, von denen letztlich etwa 1.800 teilnahmen. Die Teilnahme war auf Deutsch oder Englisch möglich. Die Ergebnisse haben wir gewichtet, um die unterschiedliche Teilnahmebereitschaft verschiedener Bevölkerungsgruppen auszugleichen. Ergänzt werden die Ergebnisse durch Zahlen zu den Angebotsmieten des Institut empirica. 

Entwicklung der Angebotsmieten

Die Angebotsmieten, also Mieten, die in Inseraten abgerufen werden, sind zwischen 2014 und 2023 um über 40 Prozent gestiegen. Für Neumieten in Bestandswohnungen wurden 2024 in Bremen im Mittel 10,34 Euro pro Quadratmeter fällig. Im Jahr 2014 lag der Wert noch bei 7,11 Euro. In Bremerhaven stieg der Wert im gleichen Zeitraum von 4,75 auf 7,01 Euro. Wohnungen im Neubau sind teurer und wurden zuletzt in Bremen im Mittel für fast 13 und in Bremerhaven für über 11 Euro vermietet. Die Angebotsmieten stiegen fast doppelt so schnell wie die Einkommen: Diese waren 2023 in Bremen nur etwa 21 Prozent und in Bremerhaven 15 Prozent höher als 2014. Am stärksten wuchsen die Angebotsmieten in eher armen Stadtteilen wie Woltmershausen, Gröpelingen oder der Vahr. 

Auch im Umland stiegen die Angebotsmieten deutlich. In Lilienthal, Lemwerder, Weyhe und Stuhr sind sie ähnlich hoch wie in Bremen. Schiffdorf und Loxstedt sind sogar teurer als das angrenzende Bremerhaven.

Stark steigende Angebotsmieten treffen besonders junge Menschen wie Auszubildende und Studierende sowie junge Familien und Menschen, die berufsbedingt umziehen müssen. Aufgrund ihrer Lebensphasen ziehen diese Gruppen deutlich häufiger um als andere Menschen. Sie können daher seltener von günstigeren Mieten in alten Mietverträgen profitieren. Daher ist es wichtig, diese Gruppen wohnungspolitisch zu adressieren. Die Arbeitnehmerkammer fordert etwa den Bau weiterer Azubi-Wohnheime.

Wohnkostenbelastung von Mieterhaushalten

Wohnkosten werden laut EU-Definition als leistbar betrachtet, wenn maximal 40 Prozent des Nettohaushalteinkommens für die Warmmiete aufgewendet werden. Wer mehr zahlt, ist zu stark belastet. Im Mittel zahlen Mieter*innen in Bremen und Bremerhaven rund 30 Prozent für die Warmmiete. Etwa jeder dritte Haushalt in Bremen und jeder vierte Haushalt in Bremerhaven zahlt allerdings mehr als 40 Prozent. Ärmere Haushalte sind davon häufig betroffen: Im ärmsten Fünftel der Haushalte haben acht von zehn Haushalten in Bremen und sieben von zehn in Bremerhaven eine zu hohe Belastung. Arme Haushalte sind oft Singlehaushalte, insbesondere junge Erwachsene und Senior*innen. Auch Alleinerziehende sind öfter arm. Entsprechend sind in diesen drei Gruppen in der Stadt Bremen gut die Hälfte der Haushalte von zu hohen Wohnkostenbelastungen betroffen.

Stadtteile mit vielen armen Menschen sind entsprechend belastet: In Woltmershausen, Burglesum und Huchting ist mehr als jeder zweite Haushalt betroffen, in Gröpelingen etwas weniger als jeder zweite. In reichen Stadtteilen wie Schwachhausen und Östliche Vorstadt zahlt hingegen weniger als jeder fünfte Haushalt zu viel, obwohl die Mieten hier in der Regel höher sind. Aufgrund des allgemein niedrigen Mietenniveaus und trotz der niedrigeren Einkommen gibt es in Bremerhaven keinen Stadtteil mit besonders vielen Haushalten, die zu viel Miete zahlen.

Die besondere Betroffenheit ärmerer Haushalte erfordert, dass diese wohnungspolitisch zielgenau adressiert werden. Ein starker und langfristig abgesicherter sozialer Wohnungsbau schafft auf Dauer günstigen Wohnraum. Besonders kommunale Gesellschaften sichern dabei dauerhaft günstige Mieten, auch nach Ablauf der Belegungsbindungen. Daher muss das Instrument finanziell abgesichert und ausgebaut werden.

Wohnkostenbelastung von Eigentümer*innen

Bremen und Bremerhaven zählen zu den Großstädten in Deutschland mit den höchsten Eigentumsquoten. Mehr als jeder dritte Haushalt in Bremen lebt im selbst genutzten Eigentum. Die Eigentumsbildung ist in der Regel Haushalten mit mittleren bis hohen Einkommen vorbehalten. Arme Haushalte erfüllen meist nicht die Anforderungen kreditgebender Banken. Eigentümerhaushalte, die ihren Kredit noch nicht getilgt haben, haben zumeist ähnlich hohe Belastungsquoten durch Wohnkosten wie Mieterhaushalte mit ähnlichem Einkommen (im Mittel etwa 30 Prozent). Nach abgeschlossener Tilgung des Kredits sinkt die Belastung deutlich auf im Mittel 15 Prozent. Gerade im Alter, wenn mit Renteneintritt das monatliche Einkommen sinkt, kann eine eigene Immobilie eine wichtige Entlastung darstellen.

Damit auch Familien der unteren Mittelschicht vom positiven Effekt des Wohneigentums profitieren können, braucht es ein zielgenaues Instrument der Eigentumsförderung.

 

Umzüge und Umzugsmotive

In etwa jedem fünften Haushalt in Bremen und Bremerhaven plante zum Zeitpunkt der Befragung mindestens ein Haushaltsmitglied einen Umzug. Dabei planten etwa 60 Prozent der umzugswilligen Haushalte in Bremen und etwa 40 Prozent in Bremerhaven einen Umzug innerhalb der Stadt. Etwa 20 Prozent in beiden Städten planten einen Umzug ins direkte Umland. Fast 80 Prozent in Bremen und über 60 Prozent in Bremerhaven bleiben trotz Umzug somit dem regionalen Arbeitsmarkt erhalten. Die Umzugsmotive sind vielfältig. In Bremerhaven gab mit 57 Prozent ein besonders hoher Anteil der umzugswilligen Haushalte an, wegen der Suche nach einem besseren Wohnumfeld umziehen zu wollen. Auch in Bremen war dies ein wichtiges Motiv, mit 34 Prozent der umzugswilligen Haushalte aber weniger deutlich als in der Seestadt.

Zufriedenheit in den Stadtteilen

Die Befragten konnten sich dazu äußern, wie zufrieden sie mit der Situation in ihrem Stadtteil sind. Wir haben dazu zehn Aspekte aus den Themenfeldern Versorgung, Verkehr und Ordnung/Umwelt abgefragt. Bei einigen Themen – etwa Einkaufsmöglichkeiten für Lebensmittel oder die ÖPNV-Erreichbarkeit – sind kaum Unterschiede zwischen den Stadtteilen zu beobachten. 

Bei anderen Aspekten zeigt sich ein teils deutlicher Unterschied zwischen reicheren und ärmeren Stadtteilen. So sind 75 Prozent und mehr der Menschen in reicheren Stadtteilen wie Borgfeld, Oberneuland, Findorff, Östliche Vorstadt sowie Bremerhaven-Surheide zufrieden mit dem Freizeitangebot für Kinder und Jugendliche. In armen Stadtteilen wie Blumenthal, Osterholz oder Gröpelingen sind es weniger als 45 Prozent. 

Noch deutlicher ist der Unterschied beim Thema Sauberkeit: So sind 96 Prozent der Borgfelder*innen zufrieden mit der Sauberkeit im Stadtteil, während es in Huchting nur 24 Prozent und in Gröpelingen sogar nur sechs Prozent sind. Auch im südlichen Bremerhaven-Lehe (Goethequartier, Klushof, Twischkamp) sind nur 13 Prozent zufrieden. Auch im Bereich Sicherheit ist der Unterschied zwischen arm und reich deutlich.

Die Umzugsmotive und die Zufriedenheit mit den genannten Aspekten legen nahe, dass in den betroffenen Stadtteilen quartierspolitisch ein besonderes Augenmerk auf Sauberkeit, Sicherheit und Freizeitangebote für Kinder und Jugendliche gelegt werden sollte.

Ihr Kontakt

Politikberatung

Dr. Dominik Santner

Referent für Wirtschafts- und Infrastrukturpolitik

+49 0421 36301-974