ETFs für die Altersvorsorge – sinnvoll, aber kein Selbstläufer

Die gesetzliche Rente bleibt für die meisten Arbeitnehmenden die wichtigste Grundlage der Altersvorsorge. Gleichzeitig wächst bei vielen Menschen die Sorge, ob das Einkommen im Alter ausreichen wird. In diesem Zusammenhang werden ETFs* häufig als einfache Möglichkeit genannt, fürs Alter vorzusorgen. Tatsächlich können sie für viele Menschen sinnvoll sein – vorausgesetzt, es erfolgt die konsequente Umsetzung und Chancen und Risiken werden realistisch eingeschätzt.

Illustration zum Thema Erwerbstätigkeit: Eine Frau stapelt Würfel mit den Buchstaben E, T und F zu einem Turm. Im Hintergrund ist ein ansteigendes Balkendiagramm zu sehen, während eine weitere Person den Turm beobachtet.

Für die langfristige Altersvorsorge sind insbesondere Aktien-ETFs gut geeignet. Dabei gilt vor allem ein Prinzip: möglichst einfach bleiben. Menschen benötigen weder komplizierte Finanzprodukte noch eine große Zahl unterschied­licher ETFs. Häufig reichen anfangs bereits ein oder zwei breit gestreute ETFs aus.

Die Auswahl des Aktienindex sollte den weltweiten Aktienmarkt möglichst breit gestreut abbilden. Wer einen MSCI-All-Country-World- oder einen FTSE-All-World-ETF bespart, beteiligt sich an der Wertentwicklung von rund 3.000 bis 4.000 Unternehmen weltweit, einschließlich der Schwellenländer.

Entscheidend ist dabei die langfristige Strategie. Wer regelmäßig investiert, sollte sich nicht von kurzfristigen Börsen­schwankungen verunsichern lassen. Historisch haben Aktienmärkte Krisen immer wieder überwunden. Deshalb ist es neben der breiten Streuung des ETFs und dem regelmäßigen Investieren besonders wichtig, die ETFs möglichst lange zu halten und langfristig liegen zu lassen – teils über den Rentenbeginn hinaus. Altersvorsorge mit ETFs hat also nicht mit Spekulationen an der Börse zu tun.

Gerade junge Arbeitnehmende sollten schon früh beginnen. Denn Aktien spielen über lange Zeiträume von über 20 oder 30 Jahren erst so richtig ihre Stärke aus. Sie erzielen in der Regel höhere Renditen als Immobilien, Gold, Staats­­­an­leihen oder Sparbücher. Zudem lassen sich erhebliche ­Kosten ­einsparen.

Trotzdem sollten ETFs nicht als risikofreie Geld­anlage verstanden werden. Auch breit gestreute Aktienmärkte schwanken teils erheblich. Zwischenzeitliche Verluste von 20 oder 30 Prozent sind an den Börsen keine Seltenheit. Für kurzfristige Sparziele oder die komplette finanzielle Absicherung im Alter eignen sich Aktien-ETFs allein deshalb nicht.

Wichtig ist außerdem, Produkte genau zu ­prüfen. Nicht jeder ETF ist automatisch sinnvoll oder günstig. ­Manche Fonds enthalten komplizierte Konstruktionen oder konzentrieren sich auf einzelne Branchen oder Themen. Besonders kritisch sieht die Verbraucherzentrale provisionsgetriebene Angebote, bei denen teure Finanzprodukte mit ETF-Bausteinen kombiniert werden.

ETFs sind also keine Selbstläufer. Verbraucher*innen ­müssen mit seriösen und unseriösen Informationsquellen zurechtkommen. Hilfreiche Artikel und Ratgeber bieten die Verbraucher­zentralen und die Stiftung Warentest. Es ­finden sich Hinweise zur Einrichtung eines Depots und eines ETF-Sparplans sowie zur Auswahl konkreter ETFs. Sinnvoll kann dabei auch eine unabhängige Beratung sein.

* Exchange Traded Fund= börsengehandelter Investmentfonds, mit dem man mit einem Wertpapier in verschiedene Unter­nehmen gleichzeitig investieren kann.

Die Verbraucherzentrale Bremen

Sie haben Fragen zur privaten Vorsorge? Hier hilft die unabhängige Beratung der Verbraucherzentrale. Beschäftigte im Land Bremen, also alle Kammer-­Mitglieder, zahlen bei der Verbraucherzentrale nur die Hälfte für eine Beratung zu arbeitnehmernahen ­Themen wie Altersvorsorge, zusätzliche Krankenver­sicherung oder Berufsunfähigkeitsrente. Zusätzlich gibt es rund 30 Ratgeber zum halben Preis.

 

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