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Die Frauen haben genug

Frauen leisten jährlich 72 Milliarden Stunden unbezahlte Care-Arbeit, ein Großteil ihrer Arbeit wird also nicht entlohnt. Und wenn sie einer Erwerbstätigkeit nachgehen, verdienen sie im Durchschnitt noch immer 16 Prozent weniger als Männer. Das muss sich ändern. Deswegen rufen am 9. März 2026 zahlreiche Organisationen zum Frauenstreik auf.

Stilisierte Illustration mehrerer Frauen mit unterschiedlichen Hauttönen, Frisuren und Kleidungsstilen, die nebeneinander stehen.

Am Montag könnte die Arbeit der Frauen vielerorts ruhen, denn Organisationen wie „Enough“ oder „Stillgelegt“ haben zu einem Frauenstreik aufgerufen, um auf diverse Missstände und fehlende Gleichberechtigung aufmerksam zu machen. Ein Blick auf die Zahlen zeigt: Für einen Ausstand gibt es gute Gründe, denn von Gleichberechtigung sind wir weit entfernt. 

Warum der Frauenstreik gute Gründe hat

In diesem Jahr wurde der Equal Care Day, der auf die mangelnde Wertschätzung und unfaire Verteilung von Fürsorgearbeit aufmerksam macht, zehn Jahre alt. Doch das Thema ist aktueller denn je: Jährlich werden in Deutschland 117 Milliarden Stunden unbezahlte Care-Arbeit geleistet, vorwiegend von Frauen, so eine Studie des Forschungsinstituts Prognos (2024). 

Auch in Bremen tragen Frauen die Hauptlast

Schaut man auf die Zahlen im Land Bremen, wird deutlich: Die Vereinbarkeit von Erwerbs- und Sorgearbeit ist kein Randphänomen. 40 Prozent gaben in der Beschäftigtenbefragung 2025 für das Land Bremen an, sich um pflegebedürftige Angehörige oder Kinder unter 14 Jahren zu kümmern. 61 Prozent der Frauen im Land Bremen geben an, dass sie vorwiegend für die Kinderbetreuung zuständig sind. Unter den Männern sind es lediglich acht Prozent. 21 Prozent der Befragten haben Angehörige, die pflegebedürftig sind. 27 Prozent der Frauen im Land Bremen geben an, dass sie vorwiegend alleine für die Betreuung der pflegebedürftigen Angehörigen zuständig sind. Unter den Männern sind es 14 Prozent.

Noch immer leisten also Frauen mehr Sorgearbeit in der Familie, noch immer übernehmen sie hauptverantwortlich die Betreuung von Kindern unter 14 Jahren sowie die Pflege von Angehörigen. „Und das wird sich nicht ändern, solange es nicht genug und verlässliche Kinderbetreuung und professionelle Pflege gibt, solange Frauen in "ihren" Berufen schlechter bezahlt werden und deswegen eher zu Hause bleiben und solange Männer nicht selbstverständlich ihren Beitrag zur Haus- und Sorgearbeit leisten“, sagt Elke Heyduck, Geschäftsführerin der Arbeitnehmerkammer.

Auch die Zeitverwendungserhebung 2022 zeigt: Ein Großteil der Arbeit von Frauen wird überhaupt nicht bezahlt. Und sie arbeiten schon jetzt insgesamt mehr Stunden als Männer.

Infografik zur Zeitverwendung von Frauen und Männern (ab 18 Jahren) sowie von Müttern und Vätern in Haushalten mit Kindern. Dargestellt sind Wochenstunden für Erwerbsarbeit und unbezahlte Arbeit. Frauen leisten deutlich mehr unbezahlte Arbeit als Männer: Erwachsene Frauen 29:18 Stunden, Männer 20:26 Stunden; Mütter 39:56 Stunden, Väter 25:22 Stunden. Bei der Erwerbsarbeit arbeiten Männer mehr Stunden: Erwachsene Männer 23:57 Stunden gegenüber 16:15 Stunden bei Frauen; Väter 33:47 Stunden gegenüber 18:59 Stunden bei Müttern. Quelle: Zeitverwendungserhebung 2022, eigene Darstellung der Arbeitnehmerkammer Bremen.

An dieser Schieflage zwischen den Geschlechtern – auch bekannt als #caregap – muss sich dringend etwas ändern, sagt Bettina Kohlrausch, Direktorin des Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Instituts (WSI) der Hans-Böckler-Stiftung, gegenüber der Zeitschrift Brigitte im Rahmen eines Cares-Specials. Care-Arbeit sei selbstverständlich auch Arbeit. Sie fordert: Mehr nicht übertragbare Monate in der Elternzeit, die verfallen, wenn das zweite Elternteil sie nicht nimmt. „Das zwingt Männer, Verantwortung zu übernehmen“, so Kohlrausch. Eine weitere Forderung: echter Arbeitsschutz bei der Arbeitszeit, damit Vereinbarkeit nicht auf dem Rücken der Mütter ausgetragen wird. Sorgearbeit solle gesellschaftlich aufgewertet werden, so Kohlrausch, „durch verlässliche, gute Infrastruktur, aber auch durch das politische Ziel Erwerbs- und Sorgearbeit zwischen Männern und Frauen wirklich gleich zu verteilen.“ 

16 Prozent weniger Lohn

Wenig gerecht geht es auch bei den Gehältern zu: Im Durchschnitt verdienen Frauen in Deutschland 16 Prozent weniger als Männer. Im internationalen Vergleich hat Deutschland damit einen der höchsten Gender Pay Gaps in Europa. Rechnerisch arbeiten Frauen bis zum Equal Pay Day unbezahlt, während Männer seit dem 1. Januar für ihre Arbeit entlohnt werden. Dabei gilt längst: Frauen und Männer haben Anspruch auf gleiches Entgelt für gleiche oder gleichwertige Arbeit. Mit der EU-Entgelt-Transparenzlinie hat die EU 2023 ein starkes Instrument beschlossen, das bis zum 7. Juni 2026 in deutsches Recht umgesetzt werden muss. Das Ziel ist klar: mehr Transparenz, mehr Fairness, mehr Lohngleichheit. viele Probleme bleiben – und hart erkämpfte Rechte werden derzeit wieder bedroht. 

Ob Care-Arbeit oder Lohnungleichheit, es gibt noch Luft nach oben in Sachen Gleichberechtigung. Mit dem globalen Frauenstreik am 9. März wollen Frauen eine zentrale Botschaft senden: Wenn sie ihre bezahlte und unbezahlte Arbeit niederlegen, wird sichtbar, wie sehr unsere Gesellschaft auf ihnen aufbaut.

 

Auch die Arbeitnehmerkammer begrüßt deshalb die Aufrufe zu einem Frauen*streik am 9. März. Wir rufen aus rechtlichen Gründen aber nicht zum Streik auf.

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