Manja Stephan, Julie Comparini und Evelyn Gramel (v. l.), Foto: Cosima Hanebeck

Singapur - Foto: Jürgen Strasser (Detail)

04.10.2020, 19 Uhr in Worpswede – Bötjersche Scheune

NEUER TERMIN | Eine Brecht-Revue

Ersatztermin für die geplante Veranstaltung am 25. April 2020.

Lieder und Geschichten von Bert Brecht mit Projektionen von Jürgen Strasser

Die Schwärmerei für die Natur kommt von der Unbewohnbarkeit der Städte. (Bert Brecht)

Die Sängerinnen Julie Comparini, Evelyn Gramel, Manja Stephan, das Bremer Kaffeehaus-Orchester (Klaus Fischer, Constantin Dorsch, Gero John und Anselm Hauke mit Machiko Totani) und der Perkussionist Matthias Entrup spielen umarrangierte Kompositionen von Paul Dessau, Hanns Eisler und Kurt Weill.

Die Sopranistin Manja Stephan, die gebürtige Amerikanerin Julie Comparini (Alt) und die Jazz-erprobte Evelyn Gramel beeinducken nicht nur durch schauspielerisches Talent, sondern auch mit überaus durchdringender Stimmkraft. (Weser-Kurier, 20.2.2018)

Vuvuzela und Hardrock für Brecht (…) Peter Schenk von der Arbeitnehmerkammer brachte ein Ensemble auf die Bühne, das es zum Finale des GartenKultur-Musikfestivals so richtig krachen ließ. (Weser-Kurier, 15.9.2019)

Regie: Peter Schenk, Arbeitnehmerkammer Bremen

Eintritt bei Austritt, zahlen Sie nach eigenem Ermessen.

Anmeldung erbeten:

Tel.: 0421/36 30 19 70

Ort:

Bötjersche Scheune
Bauernreihe 3
27726 Worpswede

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Anmerkungen zur Brecht-Revue

„Dass Brecht heute noch mit ‚feurigen Augen‘ gelesen wird, dessen bin ich ganz sicher. Er ist, glaube ich, der größte deutsche Dichter des 20. Jahrhunderts.“ Marcel Reich-Ranicki, FAZ, 22.11.2008.

Nicht nur für Bert Brecht, auch für die jungen Komponisten Kurt Weill, Hanns Eisler und Paul Dessau, war das Berlin der Weimarer Republik zwischen 1918 und 1933 ein pulsierender Schmelztiegel, eine Stadt der Möglichkeiten. Sie stürzten sich ins Getümmel und eroberten den Jazz. "Weill und Konsorten scheinen kurz davor, das ultimative Geheimnis zu lüften – wie man die Trennung zwischen klassischer Musik und der modernen Gesellschaft überwindet." (Alex Ross: The Rest Is Noise) Nach dem großen Erfolg der Dreigroschenoper 1928 waren der Autor Brecht und der Komponist Weill Stars am Bühnenhimmel, nicht nur in Deutschland.

Brecht ist kein verstaubter Klassiker aus dem Bücherregal. Seine Lieder und Gedichte kommentieren noch immer brauchbar die Gegenwart. Für Brecht ist die Stadt, das Dickicht der Städte, die ureigene Landschaft des Menschen. Sie gleicht einem Labor voller Geschichten, in dem gelebt, geliebt und gekämpft wird. Dabei stellt Brecht auch die Frage, wie ein menschenwürdiges Leben für alle möglich ist, in einer Welt der Verteilungskämpfe und des beinharten Wettbewerbes, mit Gewinnern und Verlierern. "Die Engel von Los Angeles / Sind müde vom Lächeln. Am Abend / Kaufen sie hinter den Obstmärkten / Verzweifelt kleine Fläschchen / Mit Geschlechtsgeruch." (Brecht, Hollywood-Elegien)

Der Fotograf Jürgen Strasser hat sich in seiner Serie "Schöne neue Welt" mit den Megastädten New York, Shanghai, Tokio, Kairo und  Dubai beschäftigt. Die zugleich durch ihre Dimensionen beeindrucken und bedrücken. Gigantische Städte,  mit extrem verdichteten Wohnraum und instabilen Bewegungsräumen. Den Bewohnern  wird viel abverlangt. Diese Großstädte scheinen  darauf angelegt zu sein, ihre Einwohner hinter der architektonischen Struktur verschwinden zu lassen. Strasser spürt diesem Phänomen der "schönen neuen Welt" nach. Seine Aufnahmen inszenieren grafisch-abstrakte Stadtansichten. Damit setzt der Fotograf auf eine eigenständige Sicht auf den urbanen Raum und dessen Bewohner.

Unsere Brechtrevue haben wir nach und nach entwickelt und immer wieder zur Gegenwart in Beziehung gesetzt: Texte wurden rausgeworfen, Musiken hinzukomponiert und neue Lieder eingebaut. Eigens für das RAW-Fotofestival haben wie die Fotografien von Jürgen Strasser als "Bühnenbilder" eingebaut.

Musiken, literarische Texte und Fotografien haben ein Eigenleben. "Man kann nicht genau kalkulieren, was da entsteht und welche Wirkung es haben wird. Einen Schuh, wenn er seine Funktion erfüllt und passt, kann man nicht in Frage stellen." (Heiner Müller im Interview 1987)

(Peter Schenk, Referent für Kultur bei der Arbeitnehmerkammer Bremen)

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