Bunker Valentin, Foto: Rüdiger Lubricht

28.03.2020, 20 Uhr in Bremen-Nord – Denkort Bunker Valentin

Konzert mit Projektionen: MENETEKEL

Zur Erinnerung an den 75. Jahrestag des Endes des Zweiten Weltkriegs

24 Präludien für Cello solo von Mieczyslaw Weinberg
Stephan Schrader  - Cello / Safie Etiel - Visuals / Einrichtung: Peter Schenk, Arbeitnehmerkammer

Der russische Komponist und Pianist Mieczyslaw Weinberg (1919-1996) stammte aus einer jüdisch-polnischen Familie. Nach dem Überfall der Deutschen auf Polen 1939 flüchtete zunächst nach Minsk, dann 1941 nach Taschkent und ging schließlich 1943, auf Einladung Schostakowitschs, nach Moskau. Dort blieb er bis an sein Lebensende und hinterließ ein großes und sehr vielfältiges Oevre. Schostakowitsch setzte sich sehr für ihn ein, auch besonders als Weinberg 1953 von den Stalinisten wegen angeblicher Propaganda für die Errichtung einer jüdischen Republik inhaftiert wurde. Weinbergs Familie wurde von den Nazis ermordet. Komponieren begriff er bis zuletzt als Trauerarbeit: "Ich sehe es als meine moralische Pflicht, vom Krieg zu schreiben, von den Gräueln, die der Menschheit in unserem Jahrhundert widerfuhren."

Der Cellist Stephan Schrader ist Mitglied der Deutschen Kammerphilharmonie Bremen. Über die 24 Präludien op.100 (1969) für Cello solo sagt er:

"Sie sind wohl einzeln zu spielen, ergeben aber auch in der gedruckten Reihenfolge einen sehr schlüssigen, bewegenden Zyklus äußerst kontrastreicher kurzer Stücke. Verschiedenste spieltechnische Anforderungen beziehen sich teilweise aufeinander: Intervallfolgen und Motive kehren mehrfach wieder. Passagen wirken wie spukhafte Fetzen von Erinnerungen oder im Kopf kreisender Gedanken, Bilder und Klänge. Etwa, wenn bekannte Cellowerke von Schumann und Schostakowitsch zitiert werden, choralhafte oder marschartige Klänge auftauchen, jüdische Folklore oder verzerrte Kinderlieder (wie Abzählverse) anklingen. Oder auch, wenn Formen von Tänzen, einem Trauermarsch, einer Sarabande oder einem Wiegenlied aufeinander folgen. Auch wenn es heftige Ausbrüche gibt, so überwiegt doch ein sehr dichter, persönlicher, introvertierter Tonfall."

Der U-Boot-Bunker Valentin in Bremen wurde während des Zweiten Weltkrieges von 1943 bis 1945 von Zwangsarbeitern unter unmenschlichen Bedingungen errichtet. Tausende verloren dabei ihr Leben. Heute ist der Bunker ein Mahnmal, ein unheimliches Zeichen der Erinnerungskultur.

Der Medienkünstler Assaf Etiel untermengt seltene historische Fotografien und Filmsequenzen aus dem Bremen 1944/45 mit den Strukturen der Bunkerhülle heute. Hier offenbart sich die Art und Weise, wie die Natur die Zeit gleichsam überschreibt. Die Verwitterungen bilden reliefartige Strukturen, die wie Gespenster aus der Vergangenheit anmuten, wie ein Mentekel, eine unheilverkündende Warnung.
Zeichen eines vergangenen Unheils und, in dieser Form, auch ein Warnzeichen für die Zukunft:

Ich fragte mich, ob in den Flechten an den Außenwänden und durch ihre Abstraktion nicht abstrakte menschliche Formen erscheinen und diese als Überreste der zahlreichen Menschen an diesem Ort gelesen werden können – sie zeigen Spuren des Verlustes und der Entwürdigung, um den Menschen jedoch mit Gedenken und Würdigung ihrer Geschichte begegnen zu können. (Assaf Etiel)

Ort

Denkort Bunker Valentin
Rekumer Siel
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