Pressemitteilung

27.11.2018

Weiterbildung stärken und besser fördern

Arbeitnehmerkammer stellt Bericht zur sozialen Lage vor

Das Thema Weiterbildung muss nach Auffassung der Arbeitnehmerkammer in Bremen zukünftig eine stärkere Rolle spielen. "Bremen wird aufgrund seiner Wirtschafts- und Qualifikationsstruktur stärker vom Wandel auf dem Arbeitsmarkt betroffen sein als andere vergleichbare Regionen. Weiterbildung muss deshalb für die Beschäftigten gefördert werden und finanzierbar sein", forderte Ingo Schierenbeck, Hauptgeschäftsführer der Arbeitnehmerkammer, heute (Dienstag) bei der Vorstellung des Berichts zur sozialen Lage, der sich in diesem Jahr mit den Rahmenbedingungen von Weiterbildung beschäftigt. "Wissen ist die Ressource der Zukunft – und zwar in allen Berufen", betonte Schierenbeck. Mehr als 60 Prozent der von der Arbeitnehmerkammer befragten Beschäftigten sagen, die fachlichen Anforderungen in ihrem Beruf hätten zugenommen. Für Beschäftigte komme es künftig zudem viel stärker darauf an, neue Schlüsselkompetenzen zu erwerben. 

Branchenstruktur und Qualifikationen 

Die Bremer Branchen- und Qualifikationsstruktur stellt hier besondere Herausforderungen an die Weiterbildungspolitik: Im Vergleich zu anderen Großstädten arbeitet ein hoher Anteil bremischer Beschäftigter in der Industrie – derzeit sind es 17 Prozent aller sozialversicherungspflichtig Beschäftigten (Bremerhaven: 14,1 Prozent). Von den 15 größten deutschen Städten hat nur Duisburg mit 20 Prozent einen höheren Anteil. Gerade in der Industrie ist das Rationalisierungspotenzial im Zuge von Digitalisierungsprozessen hoch. In den wissensbasierten Dienstleistungen werden dagegen Arbeitsplatzgewinne durch Strukturwandelprozesse erwartet – allerdings sind gerade diese in Bremen und Bremerhaven unterrepräsentiert. 

Die Wirtschaftsstruktur wirkt sich auch auf die Qualifikation der Beschäftigten aus: So liegt der Anteil der Spezialisten und Experten in der Stadt Bremen bei 28 Prozent, in anderen Großstädten durchschnittlich bei 35 Prozent (Bremerhaven: 19 %). Umgekehrt arbeiten überdurchschnittlich viele Menschen in Bremen in Helferberufen (16,4 % in Bremen, 17,8 % in Bremerhaven. Durchschnitt Großstädte: 12,2 %). "Wir brauchen eine vorausschauende Weiterbildungspolitik, damit die von der Digitalisierung betroffenen Beschäftigten nicht arbeitslos werden, sondern gut qualifiziert andere Tätigkeiten übernehmen können“, so Schierenbeck. Denn selbst wenn durch die Digitalisierung ähnlich viele neue Arbeitsplätze entstehen wie wegfallen, werde das Matching ohne entsprechende Qualifizierung schwierig. 

Weiterbildungsteilnahme in Bremen

Die Teilnahmequoten im Land Bremen spiegeln jedoch bislang ein Ungleichgewicht wider. Laut Beschäftigtenbefragung der Arbeitnehmerkammer aus dem Jahr 2017 lag die Weiterbildungsquote der letzten 24 Monate im Land Bremen zwar bei 58,2 Prozent. Die Quote der Beschäftigten ohne Ausbildungsabschluss liegt hingegen bei nur 38,4 Prozent (Hochschulabschluss: 68,5 %). Auch der Verdienst hat einen Einfluss auf die Weiterbildungsteilnahme: Je höher das Einkommen, desto wahrscheinlicher ist eine Weiterbildungsteilnahme. So liegt die Quote in der niedrigsten Einkommensgruppe (< 1.000 €) bei 43,6 Prozent, in der höchsten (> 5.000 €) bei über 80 Prozent. "Insbesondere Geringqualifizierte und Menschen mit geringem Einkommen werden bisher zu wenig durch Weiterbildung erreicht", mahnt Jessica Heibült, Referentin für Bildungspolitik. Dabei würden gerade diese Gruppen von Weiterbildung besonders profitieren. 

Weiterbildung stärken

Dass Weiterbildung ein stärkeres politisches Gewicht braucht, zeigt auch die finanzielle Ausstattung: Schätzungen zufolge werden bundesweit von den Teilnehmenden knapp 18 Milliarden Euro privat in die berufliche Weiterbildung investiert, während Betriebe etwa elf Milliarden Euro finanzieren und sich die öffentliche Hand mit nur fünf Milliarden Euro beteiligt. "Die Kosten für Weiterbildung werden zunehmend privat getragen, also auf die Beschäftigten abgewälzt. Das heißt, von Weiterbildung profitieren vor allem diejenigen, die es sich auch leisten können", warnt Heibült. 

Insgesamt stellen vor allem die finanziellen und die zeitlichen Aufwendungen für eine Weiterbildung eine große Herausforderung für Beschäftigte dar und halten viele ganz von einer Weiterbildung ab. "Wir begrüßen deshalb ausdrücklich das im Zukunftsprogramm des Senats vorgeschlagene Modellprojekt für Geringqualifizierte", so Schierenbeck. Es sieht vor, dass vor allem an- und ungelernte Beschäftigte vom Betrieb für die Zeit einer abschlussbezogenen Weiterbildung freigestellt werden und einen Lohnersatz erhalten, der Einkommensverluste während der Weiterbildung kompensiert. Die Ergebnisse und Erfahrungen des Projekts könnten genutzt werden, um auch bundesweit ein Recht auf Weiterbildung samt Lohnersatz  zu verankern. 

Zudem fordert die Arbeitnehmerkammer, den Weiterbildungsetat im Ressort Kinder und Bildung anzuheben, um den wachsenden Anforderungen gerecht zu werden. "Wer sich heute weiterbildet, erwartet auch digitalisierte Lernangebote und neue Formate. Hier müssen die Weiterbildungseinrichtungen stärker gefördert werden", sagt Schierenbeck. 

Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer brauchen außerdem Unterstützung bei der Suche nach einer geeigneten Weiterbildung und einer finanziellen Förderung. Deshalb hat die Arbeitnehmerkammer ab 2019 die Weiterbildungsberatung in ihr Beratungsangebot aufgenommen. "Eine Weiterbildungsberatung ist dringend nötig, damit die Beschäftigten Transparenz erhalten über alle Angebote und Finanzierungsmöglichkeiten", betont Schierenbeck.

Hinweis an die Redaktionen:
Bei Fragen zum Thema wenden Sie sich gerne an
Jessica Heibült, Referentin für Bildungspolitik
Telefon: 0421/36301-975, E-Mail schreiben

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