Pressemitteilung

25.04.2017

Lebensstandard im Alter sichern, gesetzliche Rente stärken

„Um auskömmliche Renten für die Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer zu erreichen, muss das Ziel der Lebensstandardsicherung wieder in den Mittelpunkt der Rentenpolitik rücken. Dafür ist die Stabilisierung und mittelfristige Anhebung des Rentenniveaus auf mindestens 50 Prozent notwendig“, fordert Ingo Schierenbeck, Hauptgeschäftsführer der Arbeitnehmerkammer Bremen. Am Donnerstag (27. April) startet die Arbeitnehmerkammer eine dreiteilige Veranstaltungsreihe mit dem Titel „Wie weiter mit der Rente?“. Die Auftaktveranstaltung richtet ihren Blick auch auf das Nachbarland Österreich, das weiterhin auf eine starke gesetzliche Rentenversicherung setzt. 

Drei-Säulen-Modell gescheitert 

Eine verlässliche Lebensstandardsicherung im Alter und bei Erwerbsminderung war in Deutschland jahrzehntelang Aufgabe der gesetzlichen Rentenversicherung. Durch die grundlegenden Rentenreformen und die kontinuierliche Absenkung des Rentenniveaus seit 2001 ist die gesetzliche Rentenversicherung dazu immer weniger in der Lage. Zentrales Ziel der Reformen war die Begrenzung der Sozialversicherungsbeiträge, um die Lohnnebenkosten auch im demografischen Wandel zu stabilisieren. Das Rentenniveau beträgt heute nur noch 48 Prozent und könnte bis 2045 auf knapp 42 Prozent sinken. Das heißt, die Rente koppelt sich weiter von der Lohnentwicklung ab. Denn während im Land Bremen seit dem Jahr 2000 die Löhne um ein Drittel und die Verbraucherpreise um ein Viertel gestiegen sind, legten die Renten im gleichen Zeitraum nur um ein Sechstel zu. 

Die Rentenlücke soll durch private und betriebliche Altersvorsorge geschlossen werden. „Dieser Drei-Säulen-Ansatz hat sich nicht bewährt, da viele Beschäftigte nur über geringe und fast 30 Prozent sogar über gar keine zusätzlichen Vorsorgeansprüche verfügen. Die Lebensstandardsicherung im Alter ist für einen großen Teil nicht mehr gewährleistet“, bilanziert Schierenbeck. Jüngere entlasten, Finanzierungsverantwortung der Arbeitgeber sicherstellen Gewinner der faktischen Abkehr von der paritätischen Finanzierung sind die Arbeitgeber, Verlierer aufgrund des stetig sinkenden Rentenniveaus insbesondere die jüngeren Beschäftigten. „Im Interesse der jüngeren Generation brauchen wir einen gerechten Lastenausgleich zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern zur Finanzierung einer lebensstandardsichernden Rente“, stellt Ingo Schierenbeck dar. 

Sozialen Ausgleich stärken und Selbstständige einbeziehen 

Zudem muss der soziale Ausgleich in der gesetzlichen Rentenversicherung wieder gestärkt werden. Dies ist vor allem vor dem Hintergrund unsicherer Erwerbsverläufe und geringer Einkommen von Bedeutung. „Die Rente ist ein Spiegelbild des Erwerbslebens. Daher müssen Zeiten von niedrigem Einkommen aufgewertet und Phasen von Arbeitslosigkeit bessergestellt werden als heute“, fordert Schierenbeck. Zudem sollte die Rentenversicherung durch den Einbezug von Selbstständigen zu einer Erwerbstätigenversicherung weiterentwickelt werden. 

Österreich als Vorbild 

Als Vorbild für eine Stärkung der gesetzlichen Rente kann Österreich dienen. „Bei uns liegt der Schwerpunkt ganz klar auf dem öffentlichen System. Als Zielformel für die Jüngeren gilt: Eine Bruttorente in Höhe von 80 Prozent des Lebensdurchschnittseinkommens bei 45 Beitragsjahren und einem Renteneintritt von 65 Jahren“, erläutert Dr. Josef Wöss, Rentenexperte bei der Arbeiterkammer Wien. Finanziert wird das mit einem deutlich höheren Beitragssatz als in Deutschland. Dieser Beitragssatz ist aber seit Jahren stabil. „Der Arbeitgeber trägt dabei sogar den größeren Teil“, erklärt Wöss. Dies geht übrigens nicht zu Lasten der Leistungsfähigkeit der österreichischen Volkswirtschaft, die Betriebe kommen mit den Kosten gut zurecht. „Das Beispiel Österreich zeigt, dass eine starke gesetzliche Rentenversicherung möglich ist, ohne der Wirtschaft zu schaden“, betont Josef Wöss. 

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