Pressemitteilung

Kein Randphänomen: Jeder Achte arbeitet befristet

Arbeitnehmerkammer legt Daten für das Land Bremen vor / Koalitionsvertrag bringt erste Verbesserungen

Rund zwölf Prozent der Beschäftigten im Land Bremen haben nur einen befristeten Arbeitsvertrag. Für viele betroffene Arbeitnehmer bedeutet dies eine unsichere Lebensperspektive und ein Arbeitsleben in ständiger Bewährung. Die jetzt im Koalitionsvertrag getroffenen Vereinbarungen stärken zukünftig die Rechte der Beschäftigten und begrenzen die Möglichkeiten, Arbeitsverträge zu befristen. "Der zunehmende Missbrauch von befristeter Beschäftigung wird eingeschränkt, das ist ein Schritt in die richtige Richtung", betont Ingo Schierenbeck, Hauptgeschäftsführer der Arbeitnehmerkammer Bremen, heute (Freitag) bei der Vorstellung einer aktuellen Sonderauswertung der Beschäftigtenbefragung zu befristet Beschäftigten. Gleichzeitig bedauert er, dass die Chance nicht genutzt worden sei, sachgrundlose Befristungen komplett abzuschaffen. "Inzwischen gibt es bei fast der Hälfte der Arbeitsverträge keinen sachlichen Grund für die Befristung. Ein vollständiges Verbot der sachgrundlosen Befristung wäre deshalb konsequent gewesen", so Schierenbeck.

Junge und Migranten besonders betroffen

Die Daten aus der Beschäftigtenbefragung "Koordinaten der Arbeit", die das Institut infas im Auftrag der Arbeitnehmerkammer erhoben hat, machen deutlich: Befristungen sind kein Randphänomen am Arbeitsmarkt, sondern auch in Bremen und Bremerhaven weit verbreitet. Besonders bei jüngeren Arbeitnehmern unter 35 Jahren ist der Befristungsanteil mit 18 Prozent deutlich höher als in allen anderen Altersgruppen. "Junge Menschen starten heute sehr unsicher ins Arbeitsleben – Zukunftsplanung und Familiengründung sind unter diesen Bedingungen deutlich erschwert", mahnt Regine Geraedts, Referentin für Arbeitsmarktpolitik. Ebenfalls deutlich ist der erhöhte Befristungsanteil unter Migranten, ihre Befristungsquote liegt bei überdurchschnittlichen 18 Prozent. 

Qualifikation, Branche und Beruf entscheidend

Die Auswertung zeigt zudem, dass auf der einen Seite Arbeitnehmer ohne Berufsabschluss deutlich häufiger von Befristungen betroffen sind, auf der anderen Seite aber auch diejenigen mit Universitätsabschluss. Gering ist dagegen das Befristungsrisiko mit einem Fortbildungsabschluss wie Meister oder Techniker.  

Im Branchenvergleich kommen Befristungen am häufigsten in den Bereichen wissenschaftliche und technische sowie sonstige wirtschaftliche Dienstleistungen vor. Beim Vergleich nach Berufen kommen in Bauberufen Befristungen kaum vor, dagegen sind sie ganz besonders in Reinigungsberufen und in sozialen und kulturellen Dienstleistungsberufen häufig anzutreffen. 

Befristung belastet Beschäftigte

Wer nur einen befristeten Job hat, macht sich auch häufiger Gedanken über seine Zukunft. So hat die Befragung gezeigt, dass sich 42 Prozent durch die Befristung in hohem oder sehr hohem Maße belastet fühlt. Genauso hoch ist auch der Anteil derjenigen, die befürchten, nach dem Ende der Befristung keine neue Stelle zu finden. "Die Unsicherheit führt bei vielen Arbeitneh-mern zu Belastungen. Es ist ja nicht nur der Arbeitsplatz unsicher – auch Vermieter oder Banken zeigen befristet Beschäftigten häufig die kalte Schulter", mahnt Geraedts. 

Kettenverträge endlich eingeschränkt

Als richtigen Schritt bewertet die Kammer die Regelungen zu Kettenverträgen. So sind mehrere aufeinanderfolgende befristete Arbeitsverhältnisse nur noch bis zu einer Gesamtdauer von fünf Jahren zulässig. "Die Begrenzung von Kettenverträgen begrüßen wir ausdrücklich, damit Arbeitnehmer aus der Endlosschleife prekärer Beschäftigung herauskommen", lobt Schierenbeck.

Auch die Begrenzung der sachgrundlosen Befristung wird von der Kammer begrüßt. "Dies verbessert vor allem die Lage der jungen Generation auf dem Arbeitsmarkt, die besonders oft nur befristet eingestellt wird." Kritisch sieht die Arbeitnehmerkammer allerdings die geplante Einführung einer Quote von 2,5 Prozent für Befristungen ohne Sachgrund in Betrieben mit mehr als 75 Mitarbeitern. Denn die Überprüfung sei schwierig. Klarer und vor allem gerechter sei ein vollständiges Verbot sachgrundloser Befristungen. 

Befristete Beschäftigte im Fokus

 

Befristungsquoten nach Alter

 

Befristungsquoten Beschäftigte mit/ohne Migrationshintergrund

 

Befristungen und Qualifikation

Haben Sie in den letzten 24 Monaten an einer Schulung, Fort- oder Weiterbildung teilgenommen?

 

Belastungen und Zukunftsaussichten

In welchem Maße belastet Sie die Befristung?

 

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  • In der Endlosschleife? Befristet Beschäftigte im Fokus

    Sonderauswertung der Beschäftigtenbefragung "Koordinaten der Arbeit", Februar 2018

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