Pressemitteilung

Gesundheit ist wichtiger Beschäftigungsmotor der bremischen Wirtschaft

Kammer legt neue Branchenstudie zur Gesundheitswirtschaft vor

Die Bremer Wirtschaft ist stark von der Gesundheitswirtschaft geprägt: Hier arbeiten rund 61.000 Menschen und damit 15 Prozent der Erwerbstätigen im Land Bremen. Das ist das Ergebnis einer aktuellen Studie im Auftrag der Arbeitnehmerkammer Bremen. Im Vergleich der Bundesländer erweist sich Bremen demnach als das Bundesland, das gemessen an der Bevölkerung (nach Hamburg) am zweitstärksten durch Beschäftigung in der Gesundheitswirtschaft geprägt ist.

„Die Gesundheitswirtschaft muss in den Fokus der Wirtschaftspolitik rücken. Sie ist eine Branche mit Zukunfts- und Wachstumspotenzial und mit großer Bedeutung für den regionalen Arbeitsmarkt“, betonte heute (Donnerstag) Ingo Schierenbeck, Hauptgeschäftsführer der Arbeitnehmerkammer Bremen, anlässlich der Vorstellung der Studie. 

Der Großteil der Erwerbstätigen in der Gesundheitswirtschaft sind sozialversicherungspflichtig Beschäftigte (49.208), hinzu kommen geringfügig Beschäftigte (8.620) und Selbstständige (3.237). Das Institut Arbeit und Technik in Gelsenkirchen, das die Studie für die Kammer erstellt hat, hat die Gesundheitsbranche in einen Kernbereich und mehrere Randbereiche eingeteilt.

Die meisten sozialversicherten Beschäftigten arbeiten im Kernbereich (42.517), also in der stationären und ambulanten Gesundheitsversorgung, in Apotheken, Arztpraxen, in Vorsorge- oder Reha-Einrichtungen. In den Randbereichen wie Sport- und Gesundheitsdienstleistungen, Wellness oder dem Betreuten Wohnen arbeiten 5.186 Beschäftigte, in der Vorleistungs- und Zulieferindustrie 1.505 Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer. Insgesamt wächst die Gesundheitswirtschaft zwar auch in Bremen deutlich stärker als andere Branchen, das Wachstum ist im Vergleich zu anderen Bundesländern aber weniger dynamisch.

Unter den mehr als 49.000 sozialversichert Beschäftigten sind 74 Prozent Frauen (36.570). Die höchsten Teilzeitanteile im Bremer Gesundheitswesen gibt es in der Altenpflege, hier arbeiten etwa 67 Prozent der Beschäftigten in Teilzeit. Am geringsten sind die Teilzeitanteile im männerdominierten Rettungsdienst (10 Prozent). „Bremen liegt mit dem hohen Teilzeitanteil deutlich über dem Bundesdurchschnitt“, weiß Studien-Autorin Michaela Evans. Deutschlandweit arbeiten 44 Prozent der Altenpflegerinnen und Altenpfleger in Vollzeit.

Trend zur Ambulantisierung

Laut Studie findet in der Altenpflege ein Trend zur Ambulantisierung statt: Allein die Zahl der Beschäftigten ist von 2005 bis 2015 in den ambulanten Diensten um 63,5 Prozent auf 4.946 Menschen gestiegen. Und während die Kapazitäten der Pflegeheime nicht ausgereizt sind, fehlen sie in der Kurzzeit- und Tagespflege. „In der ambulanten Pflege werden auch künftig mehr Arbeitsplätze entstehen als in den stationären Einrichtungen“, betont Evans, „Menschen wollen im Quartier und zu Hause bleiben. Hier entstehen sowohl neue Berufe – es sind aber auch neue und innovative Versorgungslösungen gefragt.“

Der Faktor Arbeit ist gerade in der personalintensiven Gesundheitswirtschaft nicht nur ein Kostenfaktor, sondern der entscheidende Erfolgsfaktor. Der Ausbau und die Modernisierung der Aus- und Weiterbildung und die Verbesserung der Arbeitsbedingungen in den Gesundheitsberufen sind unerlässliche Voraussetzungen für mehr Qualität und Effizienz in der Gesundheitswirtschaft. Pflegefachkräftemangel, Engpässe bei medizinischem und therapeutischem Personal oder bei Sozialarbeitern beeinflussen die Innovationsfähigkeit der Gesundheitswirtschaft insgesamt.

 „Kümmerer-Instanz“ für die Gesundheitswirtschaft

Der Schwerpunkt der Bremer Gesundheitswirtschaft liegt derzeit auf der Versorgung. „Luft nach oben sehen wir für Bremen die Entwicklung der industriellen Gesundheitswirtschaft, aber auch in der Kooperation zwischen Forschung und versorgenden Einrichtungen“, so Studien-Autor Professor Josef Hilbert – etwa bei der Zusammenarbeit zwischen der Altenhilfe und der Wohnungswirtschaft durch Assistenzsysteme, bei der Digitalisierung im Krankenhaus bis hin zur Entwicklung und Erprobung von Gesundheitsrobotik oder Anwendungen der Künstliche Intelligenz.

Aus der Bremer Wissenslandschaft heraus seien in den letzten Jahren wichtige Kompetenzen und Impulse hervorgegangen, etwa das Unternehmen Mevis, die Ansiedlung des Fraunhofer Instituts oder der Standort des Deutschen Forschungszentrums für Künstliche Intelligenz. Hilbert: „Bremen braucht aber eine ‚Kümmerer-Instanz‘, die es sich zur Aufgabe macht, Innovationen im Bereich der Gesundheitswirtschaft voranzutreiben.“

Qualifizieren und vernetzen: Handlungsempfehlungen für die Politik

Die Zahl der Beschäftigten mit Helferqualifizierung steigt durchweg stärker als die Zahl der Fachkräfte. Um einem drohenden Fachkräftemangel entgegenzuwirken empfiehlt die Arbeitnehmerkammer eine Qualifizierungsoffensive: „Bremen muss die vorhandenen Kompetenzen der Helferinnen und Helfer ermitteln, um sie – wenn möglich – nachqualifizieren. Nur so lässt sich der Fachkräftemangel teils abmildern“, betont Elke Heyduck, Geschäftsführerin der Arbeitnehmerkammer. Gleiches gelte für die vielen Teilzeitbeschäftigten: Durch verbesserte Arbeitsbedingungen, etwa durch verlässliche Dienstpläne, können aus Sicht der Arbeitnehmerkammer mehr Fachkräfte für Vollzeit gewonnen werden.

Versorgung innovativ gestalten

Laut Studie hat Bremen sehr gute Ausgangsbedingungen, um innovative Konzepte zu entwickeln, die die ambulante Versorgung mit neuen beruflichen Perspektiven verknüpft: Vom Essen auf Rädern über Kleinstreparaturen oder die Nutzung moderner Elektronik bei der Haussteuerung – in Bremen könnten modellhaft neue und zukunftsweisende Versorgungsstrukturen erprobt werden. „Die Studie hat gezeigt, dass die kurzen Wege in Bremen und die hohe vorhandene Kompetenz noch viele Möglichkeiten der Weiterentwicklung bietet“, betont Heyduck.

Vereinbarkeit von Pflege und Beruf

Eine verlässliche Pflegeinfrastruktur gewinnt für die Wirtschaft insgesamt an Bedeutung. Rund jeder elfte Beschäftigte in Deutschland pflegt neben seiner Berufstätigkeit mindestens einen Angehörigen (DGB-Index Gute Arbeit 2/2018). „Da viele Menschen Verantwortung für einen ihnen nahestehenden Menschen übernehmen, sind gerade die bremischen Unternehmen gefragt, entsprechende Unterstützung zur Vereinbarkeit von Pflege und Beruf anzubieten“, fordert Heyduck. Bislang sei nicht bekannt, in welchem Umfang solche Angebote seitens der Betriebe schon existierten. Aufgabe der Politik sei es deshalb, diese Angebote und auch mögliche Versorgungslücken zu identifizieren. „Viele Unternehmen unterschätzen noch das Thema Vereinbarkeit von Beruf und Pflege, deshalb muss Politik hier gegensteuern und zusammen mit den Akteuren der Gesundheitswirtschaft Lösungen finden.“

Zwiebelmodell der Gesundheitswirtschaft

 

Anteil der Erwerbstätigen in der Gesundheitswirtschaft an den Erwerbstätigen in der Gesamtwirtschaft und an der Bevölkerung 2015 (nach Bundesländern; in Prozent)

 

Sozialversicherungspflichtig Beschäftigte nach Wirtschaftsbereichen der Gesundheitswirtschaft im Land Bremen, 2016

 

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